“Rückschlag für den Heiligen Stuhl”

Kardinal Zen Ze-kiun missbilligt die unerlaubte Bischofsweihe in Chengde

Joseph Kardinal Zen Ze-kiun, emeritierter Erzbischof von Hongkong.

Joseph Kardinal Zen Ze-kiun, emeritierter Bischof von Hongkong.

Der ehemalige Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-Kiun, hat eine unerlaubte Bischofsweihe in der chinesischen Stadt Chengde (Provinz Hebei) am vergangenen Samstag scharf kritisiert.

“Das, was nie geschehen sollte, ist wieder passiert”, schrieb der Kardinal in einem Beitrag für die Nachrichtenagentur Ucanews. 2006 gab es zuletzt eine unerlaubte Weihe eines Bischofs.

Kardinal Zen missbilligt, dass acht in Gemeinschaft mit dem Papst stehende chinesische Bischöfe gezwungen wurden, an der unerlaubten Weihe von Joseph Guo Jincai teilzunehmen. Er sprach sogar von “faschistischen Methoden” seitens der Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung, der von der kommunistischen Regierung Chinas anerkannten Kirche.

Diese Weihe bedeute einen Rückschlag für den Heiligen Stuhl, der an eine Verbesserung der Beziehungen zu China geglaubt hätte, so Kardinal Zen. Man dürfe daher nicht zur Tagesordnung übergehen. Andererseits solle man die bei der unerlaubten Weihe anwesenden Bischöfe nicht vorverurteilen, sondern erst ihre Meinungen anhören.

Joseph Guo Jincai wurde am vergangenen Samstag vom Pekinger Regime ohne Beteiligung oder Zustimmung von Papst Benedikt XVI. zum Bischof ernannt. Die Weihe ist demnach kirchlich nicht anerkannt. Im kirchlichen Gesetzbuch “Codex Iuris Canonici” heißt es zudem, dass ein Bischof, der jemanden ohne päpstlichen Auftrag zum Bischof weiht, und ebenso, wer von ihm die Weihe empfängt, sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation zuzieht.

“Schmerzliche Wunde für die kirchliche Gemeinschaft”

Papst Benedikt XVI. betonte in einer öffentlichen Stellungnahme, dass die unerlaubte Weihe in China eine “schmerzliche Wunde für die kirchliche Gemeinschaft” sei und einen schweren Verstoß gegen das katholische Kirchenrecht darstelle. Wie bereits Kardinal Zen kritisiert auch Papst Benedikt XVI. den Zwang zur Teilnahme der Bischöfe durch chinesische Regierungs- und Sicherheitsbehörden, sie seien ein Verstoß gegen die Religions- und Gewissensfreiheit.

Durch die ungültige Bischofsweihe seien auch die Katholiken in Chengde in eine ”sehr delikate und schwierige Lage” versetzt worden, “da die zivilen chinesischen Behörden ihnen einen Hirten aufzwingen wollen, der weder in Gemeinschaft mit dem Papst noch mit den anderen Bischöfen in aller Welt steht”.

Mehrmals hat der Heilige Stuhl sich im Vorfeld ablehnend gegen die unerlaubte Bischofsweihe geäußert. Man sei enttäuscht von der Haltung der Behörden der Patriotischen Vereinigung, die der katholischen Kirche großen Schaden zufügt und den Dialog zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China beeinträchtigt, hieß es in der veröffentlichen Stellungnahme.

Patriotische Vereinigung und Untergrundkirche

In China gibt es eine staatlich registrierte Kirche, die von der Patriotischen Vereinigung überwacht wird, und eine nicht-staatlich registrierte Kirche, eine so genannte “Untergrundkirche”, die sich der staatlichen Einflussnahme verweigert. Die chinesischen Christen können zwar weitestgehend ihren Glauben ausleben, allerdings kommt es immer wieder zu Sanktionen seitens der Regierung. Immer wieder kommt es zu Verhaftungen von Priestern und Bischöfen.

Unser Hilfswerk unterstützt die Kirche in China und macht immer wieder auf deren schwierige Lage aufmerksam. Am 24. Mai gibt es jährlich einen Weltgebetstag für China.

Kardinal Zen Ze-Kiun gilt als ein wichtiger Berater Papst Benedikts XVI. in den Angelegenheiten der Kirche in China. Er war unter anderem Gast bei unserem 2. Internationalen Kongress Treffpunkt Weltkirche 2006 in Augsburg.

25.Nov 2010 16:39 · aktualisiert: 5.Nov 2013 16:03
KIN / S. Stein