Heimweh nach dem besseren Ich

Impuls von Pater Werenfried van Straaten zum Vierten Advent

Pater Werenfried van Straaten. Foto: Balz Röthlin.

Mit klaren und mahnenden Worte spricht sich Pater Werenfried in einem Beitrag unseres Rundbriefs “Echo der Liebe” im Jahr 1996 für den Schutz des ungeborenen Lebens aus. “Millionen andere betreten den Pfad des Meuchelmordes und töten, was schon im Mutterschoß zu leben begonnen hat”, schreibt er wörtlich.

Er bringt die Abtreibungen mit dem Kindermord des Herodes in der Bibel in Verbindung. Damals seien den Müttern von Bethlehem die Kinder aus den Armen gerissen worden, heutzutage besorgten sich angehende Mütter Mittel, “um sich vor der ‘Kinderlast’ zu schützen”. Daher fordert er uns auf, dafür zu sorgen, dass die christliche Familie zu einer Zufluchtsstätte für die Liebe werde.

“Liebe Freunde,
die Propheten stehen unermüdet mit den Armen zum Himmel gestreckt. Wie Honig wird die Süße vom Himmel heruntertropfen. Der Tau wird glitzernd über den Feldern liegen und unter Engelgesang wird der Erlöser kommen. Danach, in der Zeit zwischen Weihnachten und Ostern, gedenken wir der größten Revolution aller Zeiten, des 33-jährigen Heranwachsens des süßen Kindes von Bethlehem zum Zeichen des Widerspruchs, den wir teilen.

Keine Angst! Im Advent hören wir auch das Pauluswort: ‘Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts … und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird euch in der Gemeinschaft mit Christus bewahren’ (vgl. Phil 4,4-7).

Kleinkinder in einem kirchlichen Mütterzentrum in Argentinien.

Wir oft tun wir das Gegenteil und sitzen niedergeschlagen in der Finsternis von Sünde, Krankheit oder drohendem Unheil! Wie oft vergessen wir, dass dies alles nur eine kurze Zeitspanne dauert, und dass der Herr bald kommt, der seinen Frieden mit sich bringt. Schließen wird also die Augen vor den Dingen, die groß scheinen und klein sind, die ausschlaggebend scheinen, aber wie Spreu im Winde vergehen, um tief gebeugt das Heil zu erwarten: Gottes eigenen Sohn, der es unendlich gut mit uns meint, der uns in Armut und Entbehrung vorangeht und dabei immer zum Himmel blickt.

Weihnachten ist das Fest des Heimwehs nach unserem besseren Ich, nach dem ehrlichen, reinen Kind in uns, nach dem Himmel, den wir vergeblich hier auf Erden suchen, und nach der Sorglosigkeit, die es nur im Himmel gibt …

Wie viele Männer und Frauen müssen aber den Kopf senken, wenn sie die alte Geschichte der unschuldigen Kinder hören. Den Müttern von Bethlehem wurden die Kinder aus den Armen gerissen. Einige starben, weil das Schwert sie zuerst traf. Und andere starben, weil das Herz einer Mutter leicht bricht, wenn sie ihr Kind sterben sieht.

Aber was tun jetzt unzählige Eheleute? Sie wollen das Weinen ihre eigenen Kindes nicht hören. Sie kaufen Mittel, um sich vor der ‘Kinderlast’ zu schützen, und auf der Verpackung steht nicht einmal verhohlen: ‘Wohl die Lüste, die Lasten aber nicht’. Und Millionen andere betreten den Pfad des Meuchelmordes und töten, was schon im Mutterschoß zu leben begonnen hat.

Glückliche, junge Mutter mit Kind.

Tun sie es für ihre Figur? Weil sie nicht mehr stolz wie ein hoch geladenes Schiff in gesegneten Umständen unter die Menschen kommen wollen? Tun sie es, weil sie ‘Herrin über den eigenen Bauch’ bleiben wollen und darum das hilflose Kind ermorden, das Gott ihnen anvertraut? Tun sie es, weil ihr Mann nicht taugt, der sie zwar als Geliebte begehrt, aber dem an ihrer Mutterschaft nichts gelegen ist?

Tun sie es, weil sie den Luxus der privilegierten Klassen nicht missen wollen, obwohl 90 Prozent der Menschheit noch viel mehr als nur diesen Luxus entbehren müssen? Tun sie es aus Angst vor den Schmerzen, der Sorge, der Verantwortung? Oder tun sie es, weil sie nicht mehr an Gottes Vorsehung glauben?

Da sind sie dann: unfruchtbare Bäume, Blumen ohne Samen, Menschen ohne Ziel, Seelen voller Schande. Und wenn die Tage kommen, dass wenigstens die kleine Hand eines Kindes sie noch trösten könnte, wenn die Augen eines Kindes alles wieder gutmachen würden, dann werden sie nur weinen können wegen der Kleinen, denen sie das Leben entsagt oder genommen haben …

Das klingt hart. Allzu hart für jene, die in aussichtslosem Elend, Verzweiflung oder Panik gegen Gottes Gebote verstoßen. Der Papst, der ein Beispiel der Liebe für die Sünder ist, ist davon überzeugt, dass der Verfall von Glauben und Sitten nicht aufzuhalten ist, wenn der Zersetzungsprozess in den christlichen Familien nicht aufhört. In allen Kontinenten lässt er Päpstliche Institute gründen, in denen neue Missionare für das Familienapostolat ausgebildet werden (…)

Eine Zufluchtsstätte für die Liebe

Deswegen möge Gott Euch die Kraft geben, einen Teil des kleinen oder großen Reichtums abzugeben, den er Euch vielleicht anvertraut hat. Nur so kann neben dem Weg des Verderbens, auf dem sich Unzählige befinden, ein gangbarer Pfad geebnet werden, der Millionen ungeborenen Kindern das Leben retten kann und den ärmsten Sünderinnen und Sündern eine Chance bietet, die Sünde zu vermeiden.

Ohne Euch aber können wir nichts tun. Sorgt dafür, dass wir das große Anliegen des Papstes unterstützen können, die christliche Familie zu einer Zufluchtsstätte für die Liebe zu machen, die von dort in die Welt hinausgetragen wird. Dann wird es wieder mehr Eltern geben, die mit Freude die Last einer größeren Familie tragen, und denen es kein Schreckbild, sondern eine Ehre sein wird, wenn Gott eins ihrer Kinder für seinen Dienst auserwählt.

Gebet am Fest der Unschuldigen Kinder

Herodes ist zurückgekehrt. Ungestraft werden Millionen Kinder im Mutterschoß umgebracht. Gehören sie zur Schar der ungetauften Kinder Bethlehems, die nach der Lehre der Kirche durch die Taufe des Blutes geheiligt wurden? Ich weiß es nicht. Wenn sie aber im Himmel sind, bitte ich Maria, am 28. Dezember (Fest der Unschuldigen Kinder) mit ihrem göttlichen Sohn und allen Engelchören, mit den ermordeten Knaben von Bethlehem und den Abermillionen abgetriebenen Kindern aller Zeiten im Himmel eine Kundgebung zu veranstalten.

Ihr Höhepunkt soll ein ohrenbetäubendes Flehen sein, auf dass Gott dem heiligen Erzengel Michael, dem Führer der himmlischen Heerscharen, gebieten möge, Satan und die anderen bösen Geister, die in der Welt umherschweifen, in der Kraft Gottes in die Hölle herabzustürzen.

Euch bitte ich, diese himmlische Großkundgebung durch Gebet, größere Opferbereitschaft und, wenn nötig, durch Eure Bekehrung zu unterstützen.”

Pater Werenfried van Straaten

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind als DVD oder Hör-CD unentgeltlich bei uns erhältlich.

17.Dez 2010 18:14 · aktualisiert: 29.Nov 2015 08:10
KIN / S. Stein