Die höchste Form der Seelsorge ist das Messopfer

Zum Jahreswechsel: Pater Werenfried über die Priester- und Katechetenausbildung

Pater Werenfried an seinem Schreibtisch.

In einem Beitrag zum Rundbrief “Echo der Liebe” unseres Hilfswerks aus dem Januar 1994 warb unser Gründer, Pater Werenfried van Straaten, dafür, die Wichtigkeit der Ausbildung von Priestern und Katecheten zu erkennen.

Auch im Jahr 2013 wird KIRCHE IN NOT Tausende Priester weltweit bei ihrer Seelsorge und alltäglichen Arbeit unterstützen. Dies geschieht vor allem durch Ihre Mess-Stipendien, mit denen Sie bedürftigen Priestern auf der ganzen Welt den Lebensunterhalt sichern.

Ebenso wichtig nehmen wir die Ausbildung von Priestern und Katecheten. Hier helfen Sie uns durch Ihre Spenden. Im folgenden bringen wir einen Auszug des Beitrags, den Pater Werenfried dazu vor 19 Jahren im “Echo” schrieb.

“Ein Jahr ist vorbei, ein Jahr beginnt. Ein Jahr Welt- und Seelengeschichte. Ein kleiner Funke zwischen Myriaden Sonnen und Sternen. Es ist nicht viel. Aber Gott schenkt es uns, damit wir etwas Schönes daraus machen, um seinem göttlichen Sohn eine Freude zu bereiten, wenn wir ihm in den geringsten der Seinen begegnen.

Einmal kam er, Feuer auf Erden zu bringen. Jede Weihnacht kommt er wieder mit dem goldenen Funken seiner Liebe, den er in unser Herz fallen lässt, so wie ein Kind ein Lichtlein anzündet. Es zaubert Freudenfunken in viele Augen. Wir sollen es nicht löschen.

Denn wo das Feuer der Liebe erlischt, bricht die Nacht des Hasses herein, der Menschen zu Wölfen macht, deren Unmenschlichkeit uns täglich auf allen Bildschirmen in Panik bringt. Es ist die Unmenschlichkeit aller Zeiten und Völker. Auch der christlichen Völker, die (…) schon zwei Weltkriege auf dem Gewissen haben und jetzt das Maß zum Überlaufen bringen, indem sie Millionen ungeborener Kinder – ihre eigenen Kinder – ermorden!

Burundi: Gruppenfoto mit den Katecheten, die sich derzeit in der Ausbildung befinden.

Dennoch darf unser Blick nicht nur auf Mord und Hass gerichtet sein. Wir müssen auch die Liebe sehen, die trotz aller Untaten nicht fehlt. Die Liebe, die Sterbenden beisteht, Wunden verbindet und Leidende tröstet. Die Liebe auf allen Schlachtfeldern und nach allen Verwüstungen. Die Liebe in allen Gulags, Flüchtlingslagern und Elendsquartieren der Welt.

Der Mensch mag schwach und böse sein. Aber weicht seine Selbstsucht oder Leidenschaft der Glut der Liebe, dann wird er ein anderer Mensch. Ein Mensch, der besser ist, als wir dachten. Solchen Menschen bin ich unzählige Male begegnet. Ohne sie hätte ich nichts erreicht. Ihnen verdanke ich, dass ich in einem Meer von Elend, Unrecht, Hass und Zerstörung den Mut nicht verloren habe. Hunderte, ja Hunderttausende solcher Menschen zu finden und zum Dienst in Gottes Kirche zu bewegen, bleibt auch dieses Jahr unsere Aufgabe.

Mehr denn je braucht die Kirche Menschen – alte und junge, reiche und arme, Sünder und Bekehrte, Laien, Priester und Ordensschwestern – die betend und opfernd, mit Geld und Güte oder mit dem Einsatz ihres ganzen Lebens bereit sind, die zusammengebrochene Seelsorge in Ost und West wieder in Gang zu bringen.

Die Priesteramtskandidaten im Seminar in Iquitos. Alle Kosten muss das Seminar aufbringen, denn die Ortskirche kann das Studium nicht finanzieren und ist daher auf Spenden angewiesen.

Das ist ohne die Hilfe von Laien nicht möglich. Darum geben wir jährlich für die Ausbildung von Katecheten Millionen aus. Aber wegen des katastrophalen Priestermangels (…) hat die Ausbildung neuer Priester absolute Priorität. Denn die höchste Form der Seelsorge ist das Messopfer.

Was im Messopfer geschieht

Dort wiederholt sich das Geheimnis der Menschwerdung Christi ebenso wahrhaftig wie damals, als Gottes Wort Fleisch wurde in Mariens Schoß. Dort wird Jesus von neuem geboren, so wirklich, dass wir ihn genauso anbeten können wie die Hirten von Bethlehem. Dort vollzieht sich von neuem das Kreuzopfer Kalvariens. Dort stirbt Gottes Sohn genauso wirklich wie am ersten Karfreitag. Dort wird Jesu Blut von neuem für alle vergossen, die immer wieder im Kampf gegen ihre menschliche Schwäche unterliegen. (…)

Dort entspricht die Kirche ihrem höchsten Ziel: Gott zu loben, zu preisen, anzubeten, zu verherrlichen und zu danken um seiner großen Herrlichkeit. Dort können wir alle unsere Sorgen um Lebende und Tote und alle Probleme, die uns belasten, ruhig der liebenden Allmacht Gottes anvertrauen. Und dort empfangen wir Jesus selbst, der uns zuflüstert: ‘Habt Mut; ich habe die Welt besiegt’ (Joh 16,33).

Priesterberufungen in Sicherheit bringen

Dies alles ist nicht möglich ohne Priester, die von Christus die Macht erhalten, immer wieder dieses Wunder zu wirken. Deswegen tun wir das Menschenmögliche, damit keine Priesterberufung verloren geht.

Pfarrer Mihai Balan aus der Republik Moldau reicht einem Jungen die Kommunion.

Denn glaubt nicht, dass es keine Berufungen mehr gibt und keine jungen Männer, die ihnen entsprechen wollen. Noch immer erblühen sie im Klima des Glaubens, des Gebetes, der Opferbereitschaft und der Ehrfurcht vor dem Heiligen.

Sie entfalten sich sogar auf den Trümmern des kirchlichen Zerfalls, und sie werden nicht verloren gehen, wenn man sie rechtzeitig in einem schützenden Milieu in Sicherheit bringt.

Leider gibt es jetzt theologische Fakultäten und Priesterseminare, die wie Bäume ohne Früchte sind. Nach dem Wort Christi sollen sie umgehauen werden (Lk 13,7). (…)

Der Weg des geringsten Widerstandes hat bereits allzu viele ins Unglück geführt. Darum hören wir lieber auf Jesus: ‘Tretet ein durch die enge Pforte, denn weit und breit ist der Weg, der ins Verderben führt, und viele sind es, die auf ihm hineingehen. Doch eng ist die Pforte und schmal der Weg, der ins Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden’ (Mt 7,13f.).

Darum wollen wir (…) füreinander beten, dass wir die Kraft erhalten, durch die enge Pforte einzutreten, und die Einsicht gewinnen, dass es ohne neue Priester, die das Kreuzopfer unaufhörlich erneuern, keine Rettung gibt für eine Kirche, die durch die Verfolgung ihrer Feinde und die Schwäche ihrer Kinder in so tiefe Not geraten ist.

Deswegen darf Euch kein Opfer zu schwer fallen, um es jenen, die dazu berufen sind, zu ermöglichen, Gott und den Seelen als Priester zu dienen. Seminaristen erwarten wieder unsere Hilfe. Lasst sie nicht vergebens warten!”

So können Sie uns unterstützen

31.Dez 2010 10:18 · aktualisiert: 1.Jan 2013 11:07
KIN / S. Stein