Herz-Jesu-Freitage im NINIVE-Jahr

Ihn anschauen: Anbetung kontemplativ

Im einfachen Dasein vor Gott für die Heilung und Erneuerung der Kirche eintreten

Barmherziger Jesus in St. Pantaleon, Köln.

Barmherziger Jesus in St. Pantaleon, Köln.

“…dass ihr die Gnade der Heilung und Erneuerung für die Kirche [...] erlangt.” So schrieb Papst Benedikt XVI. in seinem Hirtenbrief vom 19. März 2010 an die irischen Katholiken angesichts ans Licht gekommener kirchlicher Missbrauchsfälle.

Ein Aufruf des Heiligen Vaters zu eucharistischer Anbetung, Fasten, Gebet und regelmäßigem Beichten.

Unser Hilfswerk folgt diesem Aufruf mit der AKTION NINIVE, die zum Herz-Jesu-Fest am 11. Juni 2010 mit einer Gebetsnacht startete und an den Herz-Jesu-Freitagen bis zum 3. Juni 2011 Akzente setzt.

In der Hauskapelle von KIRCHE IN NOT in München versammeln sich am ersten Freitag im Monat, dem Herz-Jesu-Freitag, Mitarbeiter zu einer eucharistischen Anbetung.

Noch bis zum 3. Juni 2011 wird in der Nacht zu jedem Herz-Jesu-Freitag eine Anbetungsstunde von 23.00 Uhr bis 24.00 Uhr oder eine Gebetsnacht von 23.00 Uhr bis 5.00 Uhr live aus unserer Hauskapelle auf Radio Horeb gesendet. Diese und andere Termine unserer Sendungen in Radio und Fernsehen können Sie hier einsehen.

… und das können Sie tun:

Vereinen Sie sich mit uns während des NINIVE-Jahres in der Intention von Papst Benedikt XVI., dem Gebet, Fasten und Opfer “um die Ausgießung der Barmherzigkeit Gottes und der Geistesgaben der Heiligkeit und Stärke über die Kirche in Eurem Land”!

Sie können von überall aus mitmachen: in Ihrer Pfarrei, in der Kapelle vor dem Allerheiligsten, zu Hause in Ihrer Gebetsecke, unterwegs in einer ruhigen halben Stunde.

Auch zu diesem Herz-Jesu-Freitag, dem 7. Januar 2011, versorgen wir Sie wieder mit einem geistlichen Impuls mit Anregungen zur persönlichen Gestaltung für Ihr Gebet. Heute: Das einfache Dasein vor Gott im kontemplativen Gebet.

Einfach da sein vor Gott, wie geht das?

Kontemplation (Gott im einfachen Schauen zu erfahren) ist eine Gnade und reines Geschenk. Wir können sie nicht von uns aus erreichen. Wir dürfen Gott jedoch immer darum bitten, dass er sie uns schenkt.

Eines können wir tun, nämlich uns für den Empfang des Geschenks bereit machen. Kontemplatives Beten ist unser kleiner Schritt auf Gott zu. Dazu im folgenden ein paar Hilfestellungen für das persönliche Gebet, beginnend mit vier einfachen Schritten.

Brennender Dornbusch, Zeichen für die Gegenwart Gottes. Kirchenfenster in St. Ignatius, Frankfurt am Main.

Brennender Dornbusch, Zeichen für die Gegenwart Gottes.

1. Hier bin ich! Zunächst geht es darum, mich bewusst vor Gott zu begeben, wie ich eben jetzt gerade bin, etwa mit Freude, Trauer, Ärger, Wut, Ängsten, Dankbarkeit, Hass, Neid … Wahrzunehmen, was mich gerade bewegt und mich damit ihm zu zeigen.

2. Wer bist du für mich? Ich reflektiere kurz: Wie denke und empfinde ich momentan über den dreifaltigen Gott? Wer ist der Vater für mich gerade jetzt persönlich, wer Jesus Christus, wer der Heilige Geist?

3. Reinigung. Ich bitte den Heiligen Geist, mir meine Sünden aufzudecken. Ich erforsche mein Gewissen und bitte Gott für meine Sünden um Vergebung. Weil Gott mir vergeben hat, vergebe auch ich mir selbst und meinem Nächsten, lasse meine Sünden los und hänge ihnen nicht länger in Gedanken nach. Ich lasse die Vergebung regelmäßig durch einen katholischen Priester in der Beichte besiegeln. Einmal im Monat eine gründliche Beichte nach ausführlicher Gewissenserfoschung ist ein gutes Maß.

4. Der Blick auf Gott. Ich lade den Heiligen Geist ein, mich zu erfüllen und in mir zu beten. Ich schaue in die Richtung Gottes, das heißt ich richte meine inneren, geistigen Augen auf den dreifaltigen Gott. Christliche Mystiker, wie Teresa von Ávila oder Johannes vom Kreuz, beschreiben den kontemplativen Weg als innere Einkehr und die Suche des Du, die Suche Gottes als Gegenüber.

Anmerkung: Dies ist nicht zu verwechseln mit heute weit verbreiteter pseudo-christlicher Mystik, die lehrt, dass man nur ganz zu sich selbst kommen müsse und damit automatisch bei Gott ankommen würde. Dabei werden häufig Techniken hinduistisch-buddhistischer Mystik angewandt, die persönliche Beziehung zu Jesus Christus, der eigentliche Dreh- und Angelpunkt des christlichen Glaubens, spielt keine Rolle.

Wenn möglich, nutze ich die Gelegenheit zu Eucharistischer Anbetung. Ein großes Geschenk der Kirche ist, dass ich meine äußeren Augen auf den Leib Christi richten und Jesus Christus heilend an mir wirken lassen kann. Die Eucharistie hilft auch zur Sammlung und Ausrichtung.

Eucharistische Anbetung in der Kollegs- und Seminarkirche Sankt Georgen, Frankfurt am Main. Quelle: Priesterseminar Sankt Georgen/Chr. Bremer.

Eucharistische Anbetung in der Kollegs- und Seminarkirche Sankt Georgen, Frankfurt am Main. Quelle: Priesterseminar Sankt Georgen/Chr. Bremer.

Wie geht das Schauen in die Richtung Gottes?

Das einfache Dasein vor Gott und Sich-bereit-machen für den Empfang der Gnade der Kontemplation ist ein ständiges Üben in der Wahrnehmung dessen, was ist. Es ist ein Einüben der Ausrichtung auf die Gegenwart, auf das Jetzt. Der Grund: Die Begegnung mit dem dreifaltigen Gott kann sich nur in unserer Gegenwart ereignen. Wir Menschen sind zeitgebunden. Wir können über vergangene Begegnungen mit Gott nachsinnen und zukünftige ersehnen – tatsächlich erleben können wir sie nur in der Gegenwart.

Hinzu kommt: Im Sinnieren über Vergangenes, im Planen, Hoffen oder Befürchten auf Zukünftiges hin sind wir oft bei uns selbst. Und nicht selten klammern wir Gott bei unseren Gedanken über Vergangenes oder Zukünftiges aus.

Ähnliches ereignet sich in einem Gespräch mit einem Menschen, wenn ich beim Zuhören abschweife in meine eigenen Gedanken, schon darüber nachdenke, was ich ihm antworten könnte, anstatt ihn und das, was er mir mitteilen will, wahrzunehmen.

So können wir also an Gott vorbeigehen, der jetzt auf uns wartet und die Beziehung mit uns leben möchte.

Mit dem Verbleiben in der Wahrnehmung tut sich der Mensch meist schwer. In der Regel gehen wir von der Wahrnehmung gleich zum Denken und dann gegebenenfalls zum Tun weiter. Gerade im Alltag ist das auch notwendig. Schnelle Reaktionen werden von uns verlangt, etwa im Straßenverkehr oder bei der Arbeit, beim schnellen Treffen von Entscheidungen.

Wie können wir uns in der Wahrnehmung üben? Im folgenden dazu ein paar praktische Anregungen.

Da sein und da bleiben – die Praxis

Zu Beginn einer Gebetszeit, zum Beispiel einer halben Stunde, schenken wir diese Zeit bewusst Gott und sagen ihm, dass wir die Absicht haben, in dieser Zeit ganz für ihn da zu sein. Pater Hans Buob nannte es einmal “den Esel anbinden”.

Wir sammeln uns für einen Moment, indem wir uns zum Beispiel fragen: Wie nehme ich meinen Sitz wahr, meinen Körper, wie meinen Atem, wie meine gefalteten oder geöffneten Hände?

Dann versuchen wir, unsere Aufmerksamkeit nur auf das zu richten, was wir momentan von der Wirklichkeit um uns herum, also auch von Gott, wahrnehmen können. Es ist die Haltung eines unangestrengten Lauschens. Wir versuchen, wach dabeizusein, mit Interesse dabeizusein und konsequent dabeizubleiben.

Sobald wir merken, dass wir in Gedanken und Zerstreuungen gekommen sind, kommen wir entschieden, aber sanft und ohne uns für die Ablenkung zu tadeln wieder in die Gegenwart zurück.

Und wenn wir uns in der Gebetszeit auch ständig wieder zurückholen müssen, so hat Gott doch uns in dieser Zeit! Wie es eine Würzburger Mystikerin formulierte: “Herr, wenn du so von mir geliebt werden willst, dann liebe ich Dich eben in dieser Weise.”

Für wie lange es uns gelingt, gesammelt vor ihm zu sein, steht nicht in unserer Macht und ist nicht wichtig. Wichtig ist die Entschiedenheit und das fortwährende Bemühen, nicht das Ergebnis. Beim kontemplativen Beten brauchen wir nichts zu erreichen. Wir sind vom Leistungsdruck befreit.

Gebet mit gefalteten Händen.

Gebet mit gefalteten Händen.

Einfache Gebete – Hilfen der Kirche

Beim kontemplativen Gebet “sind die Worte kein langes Reden, sie sind wie Reisig, das das Feuer der Liebe anfacht”, schreibt der Katholische Katechismus.

So helfen uns einfache Worte, die wir oft wiederholen. Das kann ein Bibelwort sein, eine kurze Bitte, oder der Name einer der drei Personen Gottes (Vater, Jesus Christus, Heiliger Geist), den wir liebend aussprechen, wie wenn wir einen geliebten Menschen mit dessen Namen anreden.

Wir können zum Beispiel Jesus Christus innerlich liebevoll ansprechen und dieses innere Sprechen mit dem Atem wiederholen, etwa mit dem Ausatmen “Jesus” und mit dem Einatmen “Christus” sagen. Damit sind wir beim Jesusgebet, das von den Wüstenvätern kommt, und heute auch in der römisch-katholischen Kirche viele Beter gefunden hat.

Weitere längere oder kürzere Formen sind:

Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner.
Jesus.
Abba, Vater.
Vater.
Heiliger Geist.

Auch der Rosenkranz kann uns über die meditatio, die Betrachtung des Lebens Jesu mit Maria, in die contemplatio, das wortlose Schauen auf Gott selbst, führen.

Im kontemplativen Gebet betet der Heilige Geist in uns. Er weiß, was notwendig ist. Wir können also auch mit dieser Gebetsform für die Heilung und Erneuerung der Kirche eintreten.

Bücher zur Kontemplation

Besonders empfehlenswert ist das Buch “Bleibt in mir. Kontemplativ leben im Alltag” von Andreas Schmidt, Adamas Verlag. Die vier Gebetsschritte sind angelehnt an: Lawrence J. Crabb, “Dem Vater im Himmel ganz nah”, Brunnen Verlag. Ein weiteres sehr empfehlenswertes Buch zu dieser Thematik ist “Tür nach innen – Wege zum Inneren Gebet” von Pater Hans Buob, Unio Verlag. Zum Unterschied zwischen hinduistisch-buddhistischer Mystik und christlicher Mystik schreibt Pater Joseph-Marie Verlinde in seinem Buch “Die verbotene Erfahrung”, Unio Verlag, Klares und Hervorragendes.

Hier können Sie sich informieren:

Das können Sie unentgeltlich bestellen:

6.Jan 2011 20:49 · aktualisiert: 7.Jan 2011 18:39
KIN / T. Waitzmann