“Gottesverehrung fördert Brüderlichkeit”

Auf einem Neujahrsempfang in Rom sprach der Papst über Religionsfreiheit

Kreuz im Sonnenuntergang.

Papst Benedikt XVI. hat bei einem Empfang des Diplomatischen Corps beim Heiligen Stuhl die Wahrung der Religionsfreiheit betont. Sie sei der grundlegende Weg für den Aufbau des Friedens.

“Die religiöse Dimension ist ein unleugbares und unbezwingliches Merkmal des menschlichen Seins und Handelns, sie ist der Maßstab für die Verwirklichung seiner Bestimmung und für den Aufbau der Gemeinschaft, der er angehört”, sagte er wörtlich. Frieden werde nur geschaffen und erhalten, wenn der Mensch Gott in seinem Herzen, in seinem Leben und in seinen Beziehungen zu anderen in Freiheit suchen und ihm dienen kann.

“Zutiefst betrübt” beobachtet der Heilige Vater die Gewalt gegen Christen im Nahen Osten. An die Politiker und islamischen Religionsführer im Irak appellierte er, dass sie sich dafür einsetzen sollen, “dass ihre christlichen Mitbürger in Frieden leben und weiterhin ihren Beitrag zu der Gesellschaft leisten können”. Die jüngsten Angriffe auf koptische Christen in Ägypten zeigten, wie wichtig es sei, dass die Regierungen der Region religiöse Minderheiten schützen.

Im Oktober 2010 versammelten sich die Bischöfe aus dem Nahen Osten zu einer Sondersynode in Rom. Papst Benedikt XVI. wiederholte auf dem jetzigen Empfang die damals verfasste Botschaft der Synode. Die Bischöfe betonten damals, dass die Christen in dieser Region “vollwertige Bürger” seien und alle Rechte der Staatsbürgerschaft, der Gewissens- und Religionsfreiheit, der Freiheit im Erziehungs- und Bildungswesen in Anspruch nehmen könnten.

Kinder aus Pakistan beim Gebet.

Papst Benedikt XVI. schlug vor, dass Kinder im Nahen Osten bereits in der Grundschule und im Rahmen des Religionsunterrichts der Respekt gegenüber allen Brüdern und Schwestern beigebracht werden sollte. Er wünsche sich zudem, dass die katholische Kirche auf der Arabischen Halbinsel zukünftig geeignete pastorale Strukturen hat.

Der Heilige Vater forderte die Verantwortungsträger in Pakistan auf, dass umstrittene Blasphemie-Gesetz abzuschaffen. Es diene als Vorwand, um Ungerechtigkeit und Gewalt gegen die religiösen Minderheiten zu provozieren. “Die Verehrung Gott gegenüber fördert Brüderlichkeit und Liebe, nicht Hass und Entzweiung”, so Papst Benedikt XVI.

Neben der gewalttätigen Christenverfolgung kritisierte der Heilige Vater auch die politische. Mit Blick auf China und Kuba sagte er, dass zwar die Religionsfreiheit in der Verfassung festgeschrieben sei, das Leben der Religionsgemeinschaften aber erschwert werde. Grund sei vor allem die gesellschaftliche Ordnung, die sich an philosophischen und politischen Systemen orientiere, die eine Kontrolle des Staaates über die Gesellschaft fordern. “Solche Zweideutigkeiten müssen aufhören”, appellierte der Heilige Vater.

Fidel Castro und Hugo Chavez auf einer der zahlreichen Propaganda-Tafeln in Kuba.

Doch auch in westlichen Ländern sieht Papst Benedikt XVI. die Religionsfreiheit bedroht. “Ich denke an erster Stelle an die Länder, in denen dem Pluralismus und der Toleranz große Bedeutung zugemessen wird, wo aber die Religion eine zunehmende Ausgrenzung erleidet.”

Er kritisierte die Verbannung religiöser Feste und Symbole aus dem öffentlichen Leben im Namen der Achtung derer, die anderen Religionen angehören oder nicht glauben. “Durch ein solches Handeln wird nicht nur das Recht der Gläubigen eingeschränkt, öffentlich ihren Glauben zu bekunden, sondern man schneidet auch die kulturellen Wurzeln ab”, sagte der Papst wörtlich.

Kritik aus Ägypten und Pakistan

Louis Sako, der chaldäisch-katholische Erzbischof aus dem nordirakischen Kirkuk, begrüßte die eindeutigen Worte des Papstes. “Wir Iraker erleben religiöse Intoleranz, Diskriminierung und Verfolgung – sowohl Christen als auch Muslime“, sagte er. “Es ist absurd im Namen Gottes zu töten, der für uns Christen Liebe bedeutet und auch zu allen muslimischen Brüdern gnädig ist. Die Gewalt der Menschen ist ein Angriff gegen Gott, der Schöpfer allen Lebens und Menschlichkeit.“ Wer Religion mit Gewalt aufzwänge, handle nicht in Gottes Namen.

Der Erzbischof sagte, dass die Worte des Papstes die Christen darin bestärken würden, trotz der Drohungen und Angriffe in ihrem Land und in ihren Kirchen zu bleiben. Louis Sako ist Gast bei unserem kommenden Pater-Werenfried-Jahresgedenken in Köln und bei unserem Kongress in Würzburg.

Doch die Rede des Papstes wurde nicht nur gelobt. Unter anderem gab es Kritik aus Ägypten und Pakistan. Die Regierung in Kairo zog aus Protest sogar ihre Botschafterin aus Rom zurück. Ein Sprecher des Außenministeriums hatte die vatikanischen Äußerungen zum Anschlag auf koptische Christen in Alexandria als “nicht hinnehmbare” Einmischung in die inneren Angelegenheiten bezeichnet. Mit einer ähnlichen Begründung reagierten auch Politiker aus Pakistan.

Veranstaltungs-Tipp:
Situation der Christen in islamischen Ländern

Zum Podiumsgespräch “Christen in islamischen Ländern” auf unserem Kongress “Treffpunkt Weltkirche” laden wir Sie herzlich ein. Es findet am Sonntag, 20. März 2011 von 8.30 Uhr bis 10.00 Uhr im Franconia-Saal des Congress Centrums Würzburg statt.

Teilnehmer des Podiums sind Msgr. Joachim Schroedel, Seelsorger der deutschsprachigen Katholiken im Nahen Osten, der koptische Bischof von Gizeh (Ägypten), Antonios Aziz Mina, der Erzbischof von Kirkuk (Irak), Louis Sako, der Leiter der katholischen Bibelkommission in Lahore (Pakistan), Emmanuel Asi, sowie der Erzbischof von Abuja (Nigeria), John Onaiyekan.

Tages- und Dreitageskarten können Sie an der Tageskasse kaufen.

13.Jan 2011 11:24 · aktualisiert: 21.Feb 2014 14:26
KIN / S. Stein