“Mutter Teresa Jamaikas” kommt nach Würzburg

Pater Richard Ho Lung im Interview vor seinem Besuch beim “Treffpunkt Weltkirche”

Pater Richard Ho Lung MOP, Gründer und Generaloberer der “Missionare der Armen”.

Pater Richard Ho Lung MOP, Gründer und Generaloberer der “Missionare der Armen”.

Vom 18. bis 20. März 2011 veranstaltet KIRCHE IN NOT in Würzburg den 4. Internationalen Kongress “Treffpunkt Weltkirche”.

Zu Gast ist unter anderem der jamaikanische Pater Richard Ho Lung, den man in seiner Heimat die “Mutter Teresa Jamaikas” nennt. Diesen Spitznamen erhielt er, weil er auf der Karibikinsel den katholischen Brüderorden der “Missionare der Armen” gegründet hat.

Ähnlich wie die Schwestern Mutter Teresas hilft der Orden in der Karibik, Afrika, Asien und Nordamerika selbstlos obdachlosen und armen Menschen. In einem Interview spricht Pater Ho Lung über das Leben und die Grundlagen der “Missionare der Armen”. Das Interview führte Ernst Schlögel für das Katholische Sonntagsblatt Würzburg.

Pater Ho Lung, wieso haben Sie die “Missionare der Armen” gegründet?
Der Wunsch entflammte in mir 1981 – und zwar durch einen Schock. Damals gab es einen Großbrand in einem staatlichen Altersheim in Jamaika. Das Haus war schon vor dem Brand abbruchreif gewesen und darum hatten die Bewohner keine Chance auf Rettung, als das Feuer ausbrach. 155 alte Frauen verbrannten damals, und das rüttelte mich im Innersten auf.

Ich unterrichtete zu dieser Zeit an mehreren Universitäten in der Karibik und stellte mir angesichts dieser Katastrophe die Frage: “Ist Unterrichten wirklich das, was Christus in dieser Welt von dir verlangt?” Meine Antwort war, die Universität zu verlassen, um eins zu werden mit dem Herrn, indem ich seine besondere Liebe zu den Armen und Mittellosen teile.

“Missionar der Armen” im Dienst an einem Leprakranken.

“Missionar der Armen” im Dienst an einem Leprakranken.

Was ist charakteristisch an Ihrem Orden?
Wir haben den Dienst an den Armen so sehr mit unserem Orden verknüpft, dass alle unsere Brüder ein viertes Gelübde ablegen, mit dem sie versprechen, ihr Leben lang all diesen Armen zu dienen, ohne dafür Geld oder sonst eine Gegenleistung zu verlangen.

Wir nehmen als Orden absichtlich keine staatlichen Gelder an, denn es gehört zum Selbstverständnis der “Missionaren der Armen”, dass alle Brüder ein einfaches und demütiges Leben führen, das völlig in den Händen Gottes liegt. Wir vertrauen also völlig auf die Vorsehung.

Bruder Brian (Missionare der Armen) mit einem kranken Kind.

Bruder Brian (Missionare der Armen) mit einem kranken Kind.

Wer sind die Menschen, denen Sie helfen?
Alle, die wir einsam herumirrend auf den Straßen finden. Oft bitten uns auch Krankenhäuser oder die Polizei um Hilfe und bringen die Armen zu uns. Wir betreuen zurzeit viele verkrüppelte, blinde oder taube Menschen. Einige sind mit dem HIV-Virus infiziert, andere haben Lepra.

Aber wir helfen auch Menschen, die geistig zurückgeblieben oder behindert sind. In armen Gesellschaften haben diese Menschen niemand, der sich um sie kümmert. Manche Familien setzen Kinder mit geistiger Behinderung einfach aus, weil sie nie ihren Beitrag zum Auskommen werden leisten können. Um diese Ausgestoßenen kümmern wir uns.

Wie ein traditioneller Orden pflegen Sie ein geregeltes Gebets- und Gemeinschaftsleben. Welche Rolle spielt das Gebet in Ihrem Alltag?
Das Gebet ist unsere Verbindung zu Jesus Christus, von dem die Kraft, die Gnade, der Segen und die Inspiration für unsere Arbeit  zu uns fließt. Wir verbringen täglich über vier Stunden in verschiedenen Gebetszeiten. Unser Leben ist sehr klösterlich geprägt, aber dabei unglaublich fröhlich.

Denn Musik spielt eine große Rolle in unserem Gemeinschaftsleben: Wir singen viel gemeinsam und da wir ein sehr junger Orden mit vielen jungen Menschen sind, klingt das immer sehr überschwänglich und froh.

Missionare der Armen feiern Pater Ho Lungs Geburtstag.

Missionare der Armen feiern Pater Ho Lungs Geburtstag.

Sehen Sie in Ihrem Orden etwas typisch Jamaikanisches?
Das Gemeinschaftskonzept unseres Apostolats ist sehr bunt und fröhlich. Ich sage immer gerne scherzhaft, dass wir eine Art “Hinterhof-Stil” pflegen. Denn schauen Sie sich die Menschen in den Hinterhöfen Jamaikas an: Sie haben viele Probleme und oft keine Arbeit, doch sie haben einander!

Sogar die Ärmsten können ihr Leben mit den anderen Armen teilen. In dieses Leben tragen wir Christus, indem wir selber arm werden. Unsere Brüder nennen sich darum nicht nur so, sondern sie sind einander und den vergessenen Menschen unserer Gesellschaft wirklich wahre “Brüder”.

Gibt es genug Nachwuchs für die “Missionare der Armen”?
Zurzeit gehören weltweit etwa 570 Menschen aller Stände unserer Gemeinschaft an. Wir wachsen schnell und könnten noch mehr wachsen, aber wir haben leider nicht genügend Unterkünfte für unsere Brüder und zu wenige Häuser für unser umfangreiches Apostolat.

Brüder der “Missionare der Armen” beim Decken eines Daches.

Brüder der “Missionare der Armen” beim Decken eines Daches.

Im März kommen Sie nach Deutschland zum Kongress “Treffpunkt Weltkirche” von KIRCHE IN NOT. Was bringen Sie mit?
Vor allem unsere Musik! Sie ist sehr lebendig und trägt die karibische Lebensfreude in sich. Sie ist ein wesentlicher Teil unseres Gemeinschaftslebens. Wir werden singen und tanzen.

Ich würde auch mich freuen, wenn sich auch rund um den Kongress das ein oder andere Konzert für uns ergeben würde. Von dem Kongress selbst erwarte ich mir viele bereichernde Begegnungen mit Brüdern und Schwestern aus aller Welt. Ich bin gespannt auf Würzburg!

So können Sie spenden und sich informieren

Erleben Sie Pater Ho Lung und die Missionare der Armen auf unserem Kongress in Würzburg

Den Ordensgründer und Generaloberen können Sie auf unserem Kongress “Treffpunkt Weltkirche” erleben, der von Freitag, den 18. März, bis Sonntag, den 20. März 2011, in Würzburg stattfindet. Am ersten Abend wird Pater Ho Lung auf dem Podium zum Thema “Lebensfreude und bittere Armut: Lateinamerika” anwesend sein.

Karten für den Kongress erhalten Sie an der Tageskasse.

17.Jan 2011 16:11 · aktualisiert: 10.Mrz 2011 15:13
KIN / T. Waitzmann