Neuevangelisierung in der Sprache des Herzens

Bischof Tebartz-van Elst und DDDr. Peter Egger beim Jahresgedenken in Köln

Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst

Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Für den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst gehört der Zölibat zum katholischen Glaubenszeugnis dazu. Die Ehelosigkeit katholischer Priester verkörpere die besondere Lebensweise Jesu, sagte der Bischof auf unserem VIII. Pater-Werenfried-Jahresgedenken am vergangenen Samstag im Kölner Maternushaus.

“Der Zölibat bindet den Priester ganz an Christus und macht ihn für Gott und die Menschen verfügbar”, betonte Bischof Tebartz-van Elst.  Während einer Podiumsdiskussion mit dem Titel “Neuevangelisation gegen alle Widerstände” befragte unser Mitarbeiter Berthold Pelster neben Bischof Tebartz-van Elst auch den promovierten Theologen, Philosophen und Historiker Peter Egger zu Ursachen und Auswegen aus der Glaubenskrise.

“Dort, wo ein authentisches Glaubenszeugnis geboten wird, da trifft dies mitten ins Herz”, gab sich der Limburger Bischof überzeugt. So sei etwa die Unterstützung großer geistlicher Gemeinschaften nicht zu unterschätzen. Dabei sei wichtig, dass die Liturgie nicht zu einem Event herabgestuft werde. Er erinnerte an das Wort Papst Pauls VI., dass das Zeugnis des Lebens nach dem Zeugnis des Wortes verlange.

Ortskirchen mit einbeziehen

“Dabei ist auch wichtig, dass die Ortskirchen stark mit einbezogen werden”, sagte der 51-jährige Bischof. Auf die zentralen Fragen des Lebens, die die Menschen neu zu stellen lernten, könne auf diese Weise eingegangen werden. Die Menschen kämen zu selten dazu, in der Tiefe über ihr Leben nachzudenken.

“Sie leben unter ihren Möglichkeiten”, bedauerte der Bischof. Sie seien “zugestopft mit Vielem” und kämen zu wenig zu sich selbst. “Wir leben in einer Diktatur der Dieseitigkeit.” Wer aber aufhöre zu beten, verliere den Glauben. Nach großen Unglücksfällen feierten die Menschen Gottesdienste und wendeten sich öffentlich Gott zu. “Sie tun dies oft erst an den Grenzen und zu wenig im Alltag”, sagte Tebartz-van Elst.

Dr. mult. Peter Egger; Theologe, Philosoph und Historiker aus Brixen/Südtirol
DDDr. Peter Egger.

Dr. mult. Peter Egger ist überzeugt, dass ein nicht-christlicher Lebensstil auch auf die Christen abfärbe. Dieser werde durch Bilder und Szenen im Fernsehen sowie Internet oder auch durch Musik vermittelt, die das Unterbewusstsein erreiche. Wenn die Menschen hingegen selbst von Schmerz betroffen seien, verstünden sie das Kreuz Christi am schnellsten.

Egger möchte besonders die jungen Leute “aus der Alltäglichkeit” herausgeholt sehen, in Klöstern, bei Wallfahrten und großen Treffpunkten. Er stelle eine neue Romantik fest, nach so viel rationaler Aufklärung, in der besonders auch Bilder eine wichtige Rolle bei der Glaubensvermittlung spielten. “Das Herz ist das Zentrum des Menschen”, betonte der Lehrer am bischöflichen Gymnasium “Vinzentinum” in Brixen. Daher komme es auf die Fähigkeit an, von der “hohen Theologie” in einer andere Sprache zu übersetzen, “mit Bildern in eine Sprache des Herzens, die verstanden wird”.

Mensch ist “kein spezialisierter Affe”

Seinen Schülerinnen und Schülern versuche er, durch entsprechende Fragen auf die Erkenntnis zu führen, dass der Menschen eben “kein spezialisierter Affe” sei und die Urknalltheorie nicht die Liebe in der Welt erklären könne. Wichtig sei auch, mit jungen Leuten darüber zu reden, wie ein verpfuschtes Leben am Ende doch gerettet werden kann. “Dann werden sie hellhörig. Dann kommen wir auch zur Gottheit Jesu Christi”, betonte Egger.

Der bis auf den letzten Platz belegte Maternussaal während unseres VIII. Pater Werenfried Jahrgedächtnis 2011 in Köln

Der bis auf den letzten Platz belegte Maternussaal während unseres VIII. Pater- Werenfried-Jahrgedächtnises 2011 in Köln.

Von der Seligsprechung Papst Johannes Pauls II. am 1. Mai verspricht sich Peter Egger eine unvergleichliche Geistausgießung über diese Welt “in dieser apokalyptischen Zeit”. Der Vorgänger von Papst Benedikt XVI. sei zu Lebzeiten 400 Millionen Menschen begegnet und habe eine Million Kilometer auf seinen Reisen zurückgelegt, sagte Egger, der ihn als Schutzpatron der Neuevangelisierung vorstellte.

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ergänzte abschließend: “Während es Papst Johannes Paul II. gelang, den Kommunismus zu besiegen, ist es die Aufgabe Papst Benedikts XVI., die westliche Welt zu Christus zu führen.” In seinem für Ende September geplanten Deutschland-Besuch sehe er daher das zweite große Ereignis für die Neuevangelisierung in diesem Jahr.

8.Feb 2011 15:08 · aktualisiert: 13.Apr 2016 13:51
KIN / A. Stiefenhofer