“Eine Präsenz geistlichen Lebens”

Vorstellung des ersten Papstprojekts: Bau eines Klosters am See Genesareth

Benediktinermönche des Klosters am See Genesareth.

Benediktinermönche des Klosters am See Genesareth.

Am Nordwestufer des See Genesareth, in der Gemeinde Tabgha, liegt das Kloster der Benediktiner. Der See ist heute nicht nur ein beliebtes Touristenziel, sondern auch ein markanter Ort in der Bibel: hier berief Jesus seine Jünger, hier ging er auf dem Wasser, hier fand die Speisung der 5000 Menschen statt.

“In Anbetracht einer schwindenden Minderheit einheimischer Christen und im Umfeld der krisenhaften Region des Nahen Ostens ruft die heilige Stätte der Wunderbaren Brotvermehrung nach einer Präsenz geistlichen Lebens”, schreibt uns der Prior des Benediktinerkonvents, Pater Jeremias Marseille.

“Geistlich präsent” sind die Benediktiner an diesem biblischen Ort seit 1938. Neben ihrem Klosterleben nach den Regeln des Ordensgründers engagieren sie sich sozial. Sie betreuen  unter anderem eine Begegnungsstätte für Menschen mit Behinderung oder kümmern sich um die Seelsorge von Pilgernden und Klostergästen. Das Benediktinerkloster und die Brotvermehrungskirche am See sind ein Besuchermagnet. Neben den Pilgergruppen sind es zunehmend Einzelgäste, die den Aufenthalt in Tabgha als Zeit der persönlichen Einkehr schätzen.

Seitdem die Mönche ihre Begegnungsstätte für israelische und palästinensische Jugendliche sowie Menschen mit Behinderung ausgebaut haben, planen sie den Bau eines neuen Klosters. Das jetzige Klostergebäude ist im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand gebaut und einsturzgefährdet. Es wurde in den 50er-Jahren schlicht und ohne Fundamente errichtet und befindet sich im Erdbebengebiet des auslaufenden Jordangrabens. Darüber hinaus ist es für den wachsenden Konvent zu klein.

Mit dem Bau des neuen Klosters wurde bereits begonnen.

Mit dem Bau des neuen Klosters wurde bereits begonnen.

“Ein neues Kloster in Tabgha wird die Rahmenbedingungen schaffen, um weiterhin in Galiläa, der Lebensheimat Jesu, in der Gottsuche, in Gebet und Arbeit, Gott und den Menschen dienen zu können”, so der Prior.

Mittlerweile haben die Mönche mit dem Bau begonnen. Das neue Kloster soll einen Kreuzgang bekommen, der vom Atrium und der Kirche aus zugänglich sein wird und alle wichtigen Räume erschließt. Die meisten Mönchszellen werden auf der Innenseite des Kreuzganges liegen, im Innenhof zur Kirche. Insgesamt sollen auf zwei Etagen vierzehn Zellen entstehen.

Blick auf die Baustelle des Kreuzgangs.

Blick auf die Baustelle des Kreuzgangs.

Ferner gehören Gemeinschaftsräume wie das Refektorium, ein Rekreations- und Bibliotheksraum und ein Oratorium in den Komplex; letzteres ist von besonderer Bedeutung für die Gebetszeiten. Empfangs- und Sprechzimmer, Büro- und Lagerräume sowie eine Küche im Untergeschoss sollen den Lebens- und Arbeitsalltag der Gemeinschaft gewährleisten.

Die Benediktiner sind auf Hilfe von außen angewiesen. “Erfahrungsgemäß ist Bauen in Israel nicht günstiger als in Deutschland. Wenn auch die Löhne in Israel niedriger sind, so sind jedoch die Materialkosten höher”, erläutert der Prior, dessen Mitbruder unserem Gründer Pater Werenfried persönlich begegnete und dessen Großmutter die handgeschriebenen Briefe des Paters zuhause vorlas.

KIRCHE IN NOT gibt für das Oratorium einen Beitrag von 50.000 Euro. Es soll den Mönchen einen von Besuchern ungestörten und in der Hitze kühlen Ort des Gebetes ermöglichen. Die hohen Sommertemperaturen zwischen 40 und 50 Grad und die vielen Pilger und Touristen machen ein Oratorium neben der bekannten Brotvermehrungskirche unumgänglich als verlässlichen Ort zum Stundengebet der Mönche und für das persönliche Gebet der Klostergäste.

25.Feb 2011 21:06 · aktualisiert: 21.Mrz 2014 12:16
KIN / S. Stein