Christlicher Minister erschossen

Schahbaz Bhatti setzte sich für Änderungen des Blasphemie-Gesetzes ein

Schahbaz Bhatti

Schahbaz Bhatti, Minister für religiöse Angelegenheiten, wurde von Anhängern der Taliban erschossen.

In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad ist Schahbaz Bhatti, Minister für religiöse Minderheiten und einziger Christ in der Regierung, erschossen worden.

Medienberichten zufolge wurde der Politiker in der Nähe seines Wohnhauses mit zehn Kugeln niedergeschossen. Ein Krankenhaussprecher bestätigte, dass er bei seiner Ankunft im Krankenhaus bereits tot gewesen sei.

In der Zwischenzeit haben sich die Taliban in Pakistan zu dem Anschlag bekannt. Die Attentäter haben nach Polizeiangaben ein Flugblatt hinterlassen. Darauf drohten sie allen “Feinden des Islam” und allen, die das Blasphemie-Gesetz ändern wollen, mit dem Tod.

Shahbaz Bhatti hatte sich in der Vergangenheit für Änderungen am Blasphemie-Gesetz ausgesprochen. Wegen seiner Kritik an dieser Regelung hatte er sogar Todesdrohungen erhalten. Islamisten möchten dieses Gesetz allerdings beibehalten. Das Gesetz sieht vor, dass bei einer Beleidigung des Islam die Todesstrafe anzuwenden sei.

Im Dezember 2010 sorgte der Fall von Asia Bibi weltweit für Aufsehen. Sie war die erste Frau, die wegen einer angeblichen Beleidigung des Propheten Mohammed festgenommen wurde.

Das auch in Pakistan umstrittene Gesetz wurde 1986 in der Zeit der islamistischen Militärdiktatur eingeführt. Zwar wurde bislang noch niemand hingerichtet, allerdings wurden Menschen, die dennoch freigesprochen wurden, später von Radikalen gelyncht. Nach Informationen der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Katholischen Kirche wurden unter Berufung auf das Blasphemiegesetz von 2001 bis heute mindestens 50 Christen ermordet.

Trauer und Bestürzung

Im Januar wurde bereits der Gouverneur der Provinz Punjab, Salman Taseer, ermordet, der sich ebenfalls für eine Änderung des Blasphemie-Gesetzes einsetzte. Der Attentäter, ein Leibwächter Taseers, wurde anschließend von vielen Menschen für seine Tat gefeiert.

In ersten Stellungnahmen zeigten sich Kirchenvertreter nach dem Attentat geschockt und bestürzt. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz und Erzbischof von Lahore, Lawrence Saldanha, sieht in dem Mord einen “tragischen Beweis für die Unhaltbarkeit des Klimas der Intoleranz, die in unserem Land herrscht, und dafür, dass wir dieses Thema entschlossen angehen müssen, damit diese Situation der vorherrschenden Gewalt endlich ein Ende findet”.

Joseph Coutts, Bischof von Faisalabad.

Bischof Joseph Coutts aus Faisalabad sagte gegenüber der Agentur “FidesNews”: “Der Mord an Minister Bhatti ist eine immense Tragödie, nicht nur für die Christen in Pakistan, sondern für das ganze Land. Wir sind alarmiert: es ist ein Zeichen dafür, dass Fanatiker es unterschiedslos auf alle abgesehen haben, die sich für Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden einsetzen.”

Peter Jacob, Sekretär der Kommission “Gerechtigkeit und Frieden” und ein Freund Bhattis, verurteilt “diese barbarische Tat” in einem Kommentar für “FidesNews”. “Es herrscht Panik. Wir sind wie benommen und fühlen uns wehrlos. Dieser Mord zeigt, dass das Land den Terroristen ausgeliefert ist. Wir brauchen eine Zeit der Trauer und danach werden wir überlegen, was wir als Christen tun können.”

Auch Papst Benedikt XVI. ist über Lage der Christen in Pakistan besorgt. Er forderte bereits im Januar auf dem Neujahrsempfang des Diplomatischen Korps im Vatikan die Verantwortungsträger in Pakistan auf, dass umstrittene Blasphemie-Gesetz abzuschaffen. Es diene als Vorwand, um Ungerechtigkeit und Gewalt gegen die religiösen Minderheiten zu provozieren. “Die Verehrung Gott gegenüber fördert Brüderlichkeit und Liebe, nicht Hass und Entzweiung”, so der Heilige Vater wörtlich.

In Pakistan bilden Christen eine winzige Minderheit. Nur 2,2 Prozent der 185 Millionen Einwohner sind Christen, darunter etwa eine Million Katholiken. KIRCHE IN NOT macht immer wieder auf die schwierige Situation der Christen in Pakistan aufmerksam und hilft den Glaubensgeschwistern vor Ort.

Veranstaltungs-Tipp:
Christen in islamischen Ländern

Bei unserem Internationalen Kongress “Treffpunkt Weltkirche” vom 18. bis 20. März ist die Lage der christlichen Minderheiten in islamisch geprägten Ländern Thema eines Podiumsgesprächs mit internationalen Gästen.

Am Sonntag, 20. März, ab 8.30 Uhr, sprechen Vertreter aus Pakistan, Ägypten, Nigeria und Irak über die Situation der Christen in diesen Staaten.

Tageskarten kosten 20 Euro, für den gesamten Kongress 35 Euro.

Ihre Hilfe für die Menschen in Pakistan:

2.Mrz 2011 11:42 · aktualisiert: 14.Okt 2014 11:24
KIN / S. Stein