Vertraut werden mit Jesus

Im persönlichen Zwiegespräch mit Jesus sein – Impuls zum Herz-Jesu Freitag

Der Apostel Johannes an der Brust Christi (Johannesminne), um 1310, Klosterkirche Heiligkreuztal. Quelle des Bildes: Andreas Praefcke. Lizenz: gemeinfrei.

Der Apostel Johannes an der Brust Christi (Johannesminne), um 1310, Klosterkirche Heiligkreuztal.

 

Impuls zum Herz-Jesu-Freitag

Der US-amerikanische Franziskaner Brennan Manning erzählt die folgende Begebenheit.

Ein alter Mann war krebskrank und lag im Sterben. Die Tochter bat einen Priester vor Ort, zu kommen und mit ihrem Vater zu beten. Als der Priester in das Haus kam, fand er den alten Mann im Bett vor, den Kopf durch Kissen aufgerichtet. Neben dem Bett stand ein leerer Stuhl.

Der Priester nahm an, dass die Tochter den Kranken über den Besuch informiert hatte und sagte: “Ich schätze, Sie haben mich erwartet.” – “Nein. Wer sind Sie?” – “Ich bin der neue Mitarbeiter in Ihrer Pfarrei”, antwortete der Priester. “Als ich den leeren Stuhl sah, dachte ich, Sie wüssten, dass ich komme.” – “O ja, der Stuhl”, sagte der Mann. “Würde es Ihnen etwas ausmachen, die Tür zuzumachen?” Etwas verwundert schloss der Priester die Tür.

“Ich habe dies nie jemandem erzählt”, begann der Kranke. “Mein ganzes Leben habe ich nicht gewusst, wie man beten kann. In der Sonntagsmesse hörte ich den Pfarrer viel über Gebet predigen, aber es war mir alles zu hoch. Schließlich gestand ich ihm eines Tages: ‘Ich kann mit Ihren Predigten übers Gebet nichts anfangen.’ – ‘Hier’, sagte der Pfarrer, und holte ein Buch aus der Schublade. ‘Lesen Sie das. Das beste Buch des Jahrhunderts über kontemplatives Gebet.’

Ich nahm es mit nach Hause und begann darin zu lesen. Allein auf den ersten drei Seiten musste ich zwölf Begriffe im Fremdwörterbuch nachschlagen. Ich gab das Buch dem Pfarrer zurück und dankte ihm widerwillig, sozusagen ‘für nichts’.”

Eine einfache Art, mit Jesus zu sprechen

Der alte Mann fuhr fort: “Ab da gab ich jeden Versuch zu Beten auf, bis eines Tages vor etwa vier Jahren ein Freund zu mir sagte: ‘Joe, Gebet ist nichts als eine einfache Art, mit Jesus zu sprechen. Ich schlage dir folgendes vor: Setz dich auf einen Stuhl, platziere einen leeren Stuhl dir gegenüber und sieh im Glauben Jesus auf diesem Stuhl. Das ist nicht allzu schräg – schließlich hat er versprochen: ‘Ich werde alle Tage bei euch sein’. Dann sprich einfach zu ihm und hör ihm zu, so, wie du es gerade mit mir tust.’

Und genau so, Herr Pfarrer, habe ich es probiert. Es gefiel mir so gut, dass ich mehrere Stunden täglich auf diese Weise bete. Ich bin jedoch vorsichtig, denn wenn meine Tochter mich dabei erwischte, würde sie wohl einen Nervenzusammenbruch erleiden oder mich in die Klapsmühle stecken.”

Der Priester war tief berührt von diesem Zeugnis und ermutigte den alten Mann, den Weg weiterzugehen. Dann betete er mit ihm, spendete ihm die Krankensalbung und verabschiedete sich.

Zwei Tage später rief die Tochter an und teilte dem Priester mit, dass ihr Vater am Nachmittag verstorben war. “Ist er in Frieden gestorben?”, wollte der Priester wissen. “Ja. Als ich gegen zwei zum Einkaufen wegging, hat er mich noch an sein Bett gerufen, mir einen seiner Kalauer erzählt und mich auf die Wange geküsst. Als ich eine Stunde später zurückkam, war er tot.

Aber da ist noch etwas Seltsames, Herr Pfarrer. Mehr als seltsam, geradezu bizarr. Er starb mit dem Kopf auf dem Stuhl neben seinem Bett!”

Brennan Manning hat diese Geschichte unter anderem in seinem Buch “Abba’s Child” wiedergegeben, das auch in einer deutschen Übersetzung unter dem Titel “Kind in seinen Armen” erschienen ist.

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3.Mrz 2011 16:58 · aktualisiert: 7.Jun 2013 09:16
KIN / T. Waitzmann