Pakistan: “Mit Gottes Gnade halten wir durch!”

Erzbischof Lawrence Saldanha

Der Erzbischof von Lahore, Lawrence Saldanha

Nach der Ermordung des pakistanischen Ministers für Minderheiten, Shabaz Bhatti, sehen die Christen in Pakistan ihre Zukunft düster. Der Erzbischof von Lahore, Lawrence Saldanha, sagte gegenüber KIRCHE IN NOT, mit Bhatti seien die Christen eines „großen Führers“ beraubt worden. Die Stimmung unter den Gläubigen beschrieb er mit „eingeschüchtert, unterdrückt und depressiv.“ Ein neuer „starker Mann“ sei für die Christen nicht in Sicht. Der Anschlag auf Bhatti habe gezeigt, wie sehr religiöse Parteien die Oberhand über eine „sehr schwache“ Regierung gewonnen hätten, betonte Saldanha

Die 2,5 Millionen Christen Pakistans seien nun verstärkt der Gewalt und Einschüchterung durch Muslime ausgesetzt, deren Denkweise sich zunehmend im extremistischen Islam verankert sehe. “Die Christen Pakistans fühlen sich wie Bürger zweiter Klasse. Wir dürfen uns nicht einmal zu Wort melden!” kritisierte Saldanha. Mit Minderheitenminister Bhatti und dem Gouverneur von Punjab, Salman Taseer, seien nun in kurzer Zeit zwei der wortgewaltigsten Gegner der pakistanischen Anti-Blasphemiegesetze von Fanatikern ermordet worden, beklagte der Erzbischof.

Die Anti-Blasphemiegesetze sehen die Todesstrafe oder lebenslange Haft für die Schmähung des islamischen Propheten Mohammed sowie des Korans vor. Es wird nach Aussage Saldanhas oft gegen Christen instrumentalisiert und von Denunzianten missbraucht, um ihnen missliebige Personen aus dem Weg zu räumen.

Sicherheitsvorkehrungen für Christen verstärkt

Die Sicherheitsvorkehrungen für christliche Gebäude in Pakistan sind deutlich verstärkt worden. Nach den Worten von Erzbischof Saldanha gleiche seine Kathedrale in Lahore inzwischen “Fort Knox”. “Die Polizei hat Kameras, Betonbarrieren, Sandsäcke und Mauern um das Gotteshaus errichtet”, berichtet er.

Saldanha betonte: “Unsere Gläubigen sind widerstandsfähig und entschlossen. Seit Jahrhunderten werden sie unterdrückt und leiden. Aber mit Gottes Gnade halten wir durch!” Dringend gebraucht würden mutige Menschen, die den Opfern der Gewalt helfen, und dafür sorgen, dass die Christen in Pakistan frei von Angst und ohne die Bedrohung weiterer Angriffe leben könnten.

Um solche Menschen heranzuziehen, unterstützt KIRCHE IN NOT Erzbischof Saldanha seit Jahren bei der Ausbildung von Priestern, Ordensleuten und Laien. Wir rufen unsere Unterstützer zum Gebet für die Christen in Pakistan auf und bitten um Spenden für die Mut machende Ausbildungs- und Versöhnungsarbeit der Kirche im Land.

Ihre Hilfe für die Menschen in Pakistan:

Veranstaltungs-Tipp:
Christen in islamischen Ländern

Bei unserem Internationalen Kongress “Treffpunkt Weltkirche” vom 18. bis 20. März ist die Lage der christlichen Minderheiten in islamisch geprägten Ländern Thema eines Podiumsgesprächs mit internationalen Gästen.

Am Sonntag, 20. März, ab 8.30 Uhr, sprechen Vertreter aus Pakistan, Ägypten, Nigeria und Irak über die Situation der Christen in diesen Staaten.

Tageskarten kosten 20 Euro, für den gesamten Kongress 35 Euro.

8.Mrz 2011 10:38 · aktualisiert: 18.Feb 2014 20:37
KIN / A. Stiefenhofer