Nigeria: Ein Test für die Demokratie

Wahlen werden von Anschlägen und Organisationsfehlern bestimmt

Auf einem Markt in Nigeria.

Auf einem Markt in Nigeria.

In Nigeria finden derzeit mehrere Wahlen statt. Den Auftakt machte die Parlamentswahl. Am vergangenen Wochenende wurde ein neuer Präsident gewählt. In der nächsten Woche stehen die Wahlten der Gouverneure der 36 Bundesstaaten an. Die Wahlen gelten als wichtiger Test für die Demokratie, die im bevölkerungsreichsten Staat Afrikas erst 1999 eingeführt wurde.

Wegen organisatorischer Schwierigkeiten wurden die Wahlen bereits zweimal verschoben. So fehlten am ersten April-Wochenende, dem ursprünglichen Termin, in vielen Regionen Stimmzettel und Wahlhelfer. Daraufhin entschied der Leiter der Wahlkommission den Abbruch der Wahl und die Verschiebung um eine Woche. Bis dahin hatten allerdings bereits 15 Millionen der siebzig Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.

Überschattet wurde der neue Wahltermin am ersten Wahlwochenende von einem Bombenanschlag in der Stadt Suleja, bei dem nach offiziellen Angaben mindestens elf Menschen ums Leben kamen. Andere Medienberichte gehen von 20 Toten aus. Der Sprengsatz detonierte im Gebäude der Wahlkommission.

Wie Korrespondenten berichten, machten viele Wahllokale in Nigeria zwar rechtzeitig auf, aber in anderen Teilen des Landes verzögerte sich deren Öffnung. Die Wahlkommission hat angekündigt, dass sie faire und transparente Wahlen durchführen möchte. In der Vergangenheit kam es an den Wahltagen wiederholt zu Anschlägen und Wahlbetrug. Daher schaut die Welt gespannt auf die Wahl in Nigeria, wo 150 Millionen Einwohner leben.

Sie hoffen auf eine friedliche Zukunft: Kinder in Nigeria.

Auch am 16, April, dem Tag der Wahl des neuen Präsidenten, kam im Norden des Landes zu Auseinandersetzungen. Nach ersten Hochrechnungen liegt der scheidende Präsident Goodluck Johnathan vorne.

Der Süden des Landes ist vorwiegend von Christen bewohnt, im Norden leben mehrheitlich Muslime. In zwölf Bundesstaaten gilt die islamische Rechtsprechung “Scharia”, der auch die Christen unter den Einwohnern unterworfen sind.

Obiora Ike, Leiter des Katholischen Instituts für Entwicklung, Gerechtigkeit, Frieden und Caritas aus Enugu, kritisiert diese Ungerechtigkeit in einem Zeitungsinterview. Er erklärt, dass auch eine Klage vor dem höchsten Gericht wenig Chancen hätte, da viele Richter Muslime seien und der Religion verpflichtet seien, so dass sie die Einführung der Scharia als rechtens bewerten. Im Islam gebe es keine Trennung von Gesellschaft, Religion, Staat und Politik.

Dabei ist die Einführung der Scharia nicht verfassungskonform. Dort ist Religionsfreiheit festgeschrieben, und der Staat darf keine Religion zur Staatsreligion erheben.

Zwar habe man sich in den vergangenen Jahren um einen Dialog mit Muslimen bemüht, dennoch seien noch Probleme da. “Es könnte aber schlimmer sein”, so Ike wörtlich. Er stellt jedoch klar: “Man darf seine eigenen religiösen Werte mitbringen, aber nicht über die Verfassung des Landes stellen.”

Bei einem Gebet in einem Dorf in Nigeria.

Trotz der Spannungen und der ungerechten Verteilung des Reichtums im Land leben laut einer Studie der britischen Rundfunkanstalt BBC die religiösesten und fröhlichsten Menschen in Nigeria. Daher wünscht sich Obiora Ike, dass Europäer mehr über afrikanische Menschen und ihre Weltanschauungen wissen sollten.

“Zum Beispiel haben wir einen Optimismus, den wir an Europa weitergeben wollen. Ich habe in Europa eine Menge Müdigkeit und Labilität gesehen”, so Ike. Die größte abendländische Problematik sei die Verabschiedung von Gott, kritisiert er. Das autonome Individuum relativiere alles. Es sei, als ob man alleine auf der Welt existiere.

Obiora Ike war Gast bei unserem Kongress “Treffpunkt Weltkirche” vom 18. bis 20. März 2011 in Würzburg. Bei der Glaubenskundgebung “Spirit 2011” berichtete er über seine Arbeit und die zahlreichen Berufungen in Nigeria.  Die gesamte Glaubenskundgebung können Sie bei uns auf Hör-CD unentgeltlich bestellen.

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf Hör-CD beziehungsweise DVD erhältlich.

12.Apr 2011 11:17 · aktualisiert: 20.Apr 2011 13:33
KIN / S. Stein