Herz-Jesu-Freitage im NINIVE-Jahr

In der Gegenwart des Auferstandenen leben

Impuls zum vorletzten Gebetstag der AKTION NINIVE zur Erneuerung der Kirche

Matthias Grünewald, Auferstehung Christi, Isenheimer Altar. Quelle: Wikimedia Common License.

Matthias Grünewald, Auferstehung Christi, Isenheimer Altar. Quelle: Wikimedia Common License.

Mit der AKTION NINIVE folgt unser Hilfswerk einem Aufruf von Papst Benedikt XVI. zu eucharistischer Anbetung, Fasten, Gebet und regelmäßigem Beichten für die “Ausgießung der Barmherzigkeit Gottes und der Geistesgaben der Heiligkeit und Stärke über die Kirche”.

Wenn für Sie die AKTION NINIVE neu ist, sind Sie herzlich eingeladen, noch mit einzusteigen. Hier erfahren Sie mehr.

In der Hauskapelle von KIRCHE IN NOT in München versammeln sich jeweils am ersten Freitag im Monat, dem Herz-Jesu-Freitag, Mitarbeiter zu einer eucharistischen Anbetung.

Vom 2. auf 3. Juni 2011 endet das “NINIVE-Jahr” mit einer letzten langen Radiogebetsnacht von 23.00 Uhr bis 5.00 Uhr live auf Radio Horeb. Diesen und andere Termine unserer Sendungen in Radio und Fernsehen können Sie hier einsehen.

Sie können bei der AKTION NINIVE von überall aus mitmachen: in Ihrer Pfarrei, in der Kapelle vor dem Allerheiligsten, zu Hause in Ihrer Gebetsecke, unterwegs in einer ruhigen halben Stunde.

Auch zu diesem Herz-Jesu-Freitag, dem 6. Mai, versorgen wir Sie wieder mit einem geistlichen Impuls mit Anregungen zur persönlichen Gestaltung für Ihr Gebet. Heute: In der Gegenwart des Auferstandenen leben.

In der Gegenwart des Auferstandenen leben

Bevor es um das “wie” geht, stellt sich die Frage: Was zeichnet ein Leben in der Gegenwart Jesu Christi, des Auferstandenen, aus? Was unterscheidet es vom Wandel eines frommen Juden mit Gott zur Zeit Jesu? Anders gefragt, was ist das Neue, das Jesus Christus gegenüber dem Alten Bund gebracht hat?

Was ist das Neue, das Jesus Christus gebracht hat?

Papst Benedikt XVI. stellt diese Frage in seinem neuen Buch über Jesus von Nazareth. Im dritten Kapitel untersucht er die Fußwaschung im Johannesevangelium. Dabei arbeitet er die jüdischen Wurzeln (kultische Reinheit durch rituelle Waschung) heraus und das sensationell Neue, das mit Jesus Christus angebrochen ist.

“Die liberale Exegese hat gesagt, Jesus habe den rituellen Begriff von Reinheit durch deren moralische Auffassung ersetzt: An die Stelle des Kultes und seiner Welt trete die Moral. Dann wäre Christentum wesentlich Moral, eine Art moralischer Aufrüstung. Aber damit wird man der Neuheit des Neuen Testaments nicht gerecht.” (Ratzinger, Joseph: Jesus von Nazareth. Zweiter Teil. Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung, Herder 2011, S. 75)

Weiter unten fasst der Papst zusammen:

“An die Stelle der rituellen Reinheit ist nicht einfach die Moral getreten, sondern das Geschenk der Begegnung mit Gott in Jesus Christus. (…) In dem verbreiteten Suchen der Menschheit nach Reinheit zeigt uns das Johannnes-Evangelium – zeigt uns Jesus selbst – den Weg: Er, der Gott ist und Mensch zugleich, macht uns gottfähig. Das Stehen in seinem Leib, das Durchdrungenwerden von seiner Gegenwart ist das Wesentliche.” (Ratzinger 2011:77)

Das neue Gebot

Im Kapitel 13 des Johannesevangeliums sagt Jesus zu seinen Jüngern: “Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.” Papst Benedikt XVI. fragt, worin das Neue des neuen Gebots besteht.

Begegnung mit Papst Benedikt XVI.

Seine Antwort darauf schlägt den Bogen zu unserem Thema und soll hier ungekürzt wiedergegeben werden:

“Man hat gesagt, das Neue – über das schon bestehende Gebot der Nächstenliebe hinaus – zeige sich in dem Wort “Lieben, wie ich euch geliebt habe”, also lieben bis zur Bereitschaft, das eigene Leben für den anderen zu opfern.

Wenn darin das Eigentliche und Ganze des “neuen Gebotes” läge, wäre Christentum nun doch als eine Art von äußerster moralischer Anstrengung zu definieren. So wird ja weithin auch die Bergpredigt ausgelegt: Gegenüber dem alten Weg der Zehn Gebote, der sozusagen den Weg des Durchschnittsmenschen bezeichne, eröffne das Christentum mit der Bergpredigt den Höhenweg einer radikalen Forderung, in der sich eine neue Stufe der Humanität in der Menschheit gezeigt habe.

Aber wer darf eigentlich von sich sagen, dass er sich über den “Durchschnitt” des Weges der Zehn Gebote erhoben, sie sozusagen als selbstverständlich hinter sich gelassen habe und nun auf Höhenwegen im “neuen Gesetz” wandle?

Nein, in der Höhe moralischer Leistung kann das eigentlich Neue des neuen Gebotes nicht bestehen. Das Wesentliche ist gerade auch in diesen Worten nicht der Appell an die äußerste Leistung, sondern die neue Grundlage des Seins, die uns geschenkt wird. Das Neue kann nur aus der Gabe des Mitseins mit Christus und des Inseins in ihm kommen.”

Das Herz, Barmherzigkeit und die Gnade des Heiligen Geistes

Der Papst nimmt anschließend Bezug auf frühere Ausführungen zum “reinen Herzen” und führt den heiligen Augustinus an.

“Augustinus hatte seine Auslegung der Bergpredigt – sein erster Predigtzyklus nach der Priesterweihe – in der Tat mit dem Gedanken des höheren Ethos, der höheren und reineren Normen begonnen. Aber im Lauf der Predigten verlagert sich der Schwerpunkt immer mehr. Er muss mehrmals sagen, dass auch die alte Forderung schon eine wirkliche Vollkommenheit bedeutete.

Immer deutlicher tritt an die Stelle des höheren Anspruchs die Bereitung des Herzens (vgl. De serm. Dom. in monte I 19,59); immer mehr wird das “reine Herz” (Mt 5,8) zum Auslegungszentrum. Über die Hälfte des ganzen Predigtzyklus ist unter dem Grundgedanken des gereinigten Herzens gestaltet.

So wird der Zusammenhang mit der Fußwaschung überraschend sichtbar: Nur indem wir uns immer wieder vom Herrn selbst waschen, “rein machen” lassen, können wir lernen, mit ihm zu tun, was er getan hat.

Porträt von Papst Benedikt XVI. mit Union Jack, der britischen Flagge.

Auf die Einfügung unseres Ich in das seinige (“nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir”, Gal 2,20) kommt es an. Deswegen ist das zweite, in der Auslegung der Bergpredigt bei Augustinus immer wiederkehrende Stichwort misericordia – Barmherzigkeit.

Wir müssen uns in die Barmherzigkeit des Herrn eintauchen lassen, dann wird auch unser “Herz” den rechten Weg finden. Das “neue Gebot” ist nicht einfach eine neue, höhere Forderung; es ist an die Neuheit Jesu Christi – an das wachsende Eingetauchtsein in ihn – gebunden.

Auf dieser Linie fortfahrend, konnte Thomas von Aquin sagen: “Das neue Gesetz ist die Gnade des Heiligen Geistes” (S. theol. I–II q. 106 a. 1) – nicht eine neue Norm, sondern die von Gottes Geist selbst geschenkte neue Innerlichkeit.” (Ratzinger 2011:80ff)

In der Gegenwart des Auferstandenen leben

Leben im Bewusstsein der Gegenwart des auferstandenen Jesus, schreibt der Franziskaner Brennan Manning, “ist kein banaler Zeitvertreib für Einsame oder ein Verteidigungsmechanismus, der uns fähig macht, mit dem Stress und den Sorgen des Lebens fertig zu werden.

Es ist der Schlüssel zum Verstehen des Sinns unserer Existenz. Täglich, ja ständig werden wir in das Bild Christi umgestaltet. Alles, was passiert, dient uns auf dem Weg zu diesem Ziel.” (Manning, Brennan: Abba’s Child. The Cry of the Heart for Intimate Belonging, NavPress 2002, S. 108, eigene Übersetzung).

Das Neue, das Jesus Christus uns gebracht hat, ist er selbst

“Das zentrale Wunder des Evangeliums ist Jesus selbst, auferstanden und verherrlicht, der uns nachläuft, in uns wohnt und sich selbst uns als Weggefährte auf unserer Reise anbietet. Gott, ‘verrückt und trunken vor Liebe’ (Katharina von Siena) ist verkörpert in Jesus und wohnt in uns.” (Manning 2002:109, e.Ü.)

Die Praxis

Das “Mitsein” mit dem Auferstandenen, das “Insein” in ihm, das “Eingetauchtsein” in ihn, und sein “Wohnen” in uns können wir unter anderem im Gebet erfahren.

Suchen Sie sich einen ruhigen Platz, etwa in einer Kirche oder Kapelle. Betrachten Sie ein Bibelwort, beten Sie den glorreichen Rosenkranz oder wiederholen Sie in der Stille das Jesusgebet. Und vertrauen Sie darauf, dass Jesus Christus in Ihnen lebt. Halleluja!

Material und weitere Informationen

5.Mai 2011 16:32 · aktualisiert: 9.Mai 2011 08:31
KIN / T. Waitzmann