Katholiken am Rand Europas

Erst seit wenigen Jahren gibt es wieder eine katholische Gemeinde in Aserbaidschan

Erzbischof Claudio Gugerotti, Nuntius für die Kaukasusrepubliken Armenien, Aserbaidschan und Georgien (bis 2011).

Erzbischof Claudio Gugerotti, Nuntius für die Kaukasusrepubliken Armenien, Aserbaidschan und Georgien (bis 2011).

Am Wochenende siegte Aserbaidschan beim Eurovision Song Contest. Auch wenn das Land überwiegend muslimisch geprägt ist, gibt es eine kleine katholische Minderheit, die KIRCHE IN NOT in der Vergangenheit unterstützt hat.

Das Land hat eine Fläche von 86 600 Quadratkilometern, das entspricht ungefähr der Größe von Bayern plus der Hälfte Baden-Württembergs. Es liegt am östlichen Rand des Kaukasus und am Westufer des Kaspischen Meeres. Von den knapp neun Millionen Einwohnern sind 88 Prozent muslimisch und neun Prozent religionslos. Nur etwas mehr als drei Prozent sind Christen. Im ganzen Land leben nur 400 Katholiken, die fast alle in der Hauptstadt Baku leben.

Erst 2007 wurde dort die Kirche “Mariä Empfängnis” eröffnet. Das Grundstück für den Bau wurde der Pfarrei von Präsident Geydar Alijew geschenkt, um eine neue Kirche zu bauen statt die von Bolschewisten im Jahr 1931 zerstörte Kirche wieder aufzubauen. Die alte Kirche fasste 1200 Gottesdienstbesucher. Der Dekan der Pfarrei feierte nach der Zerstörung weiterhin heimlich Gottesdienste, wurde 1937 verhaftet und hingerichtet.

Erst 1992, nach dem Zerfall der Sowjetunion, gab es eine Wiederbelebung der Pfarrei in Baku, als einige Gläubige den Vatikan anfragten, einen Priester in ihre Gemeinde zu entsenden. Im Juli 1997 war es dann soweit: ein Priester aus einem polnischen Bistum feierte in einem privaten Appartement mit einigen Katholiken eine Heilige Messe.

Papstbesuch mit großer Wirkung

Religionen müssen sich in Aserbaidschan staatlich registrieren. Dies war anfänglich für die kleine Gemeinde nicht einfach. Dennoch feierte man Gottesdienste. Immer mehr Einwohner von Baku – Einheimische und Ausländer – besuchten die Heiligen Messen. Am 2. April 1999 wurde die katholische Pfarrei in Baku offiziell registriert.

Im Mai 2002 besuchte Papst Johannes Paul II. Aserbaidschan und feierte einen Gottesdienst in Baku. Dieser Besuch hatte eine große Wirkung, so die Pfarrei auf ihrer Internetseite, denn es interessierten sich mehr Leute für den katholischen Glauben und die katholische Gemeinde wurde nicht mehr als eine “christliche Sekte” angesehen. Neben der Pfarrei in Baku kümmern sich auch Salesianer und Schwestern der “Missionare der Nächstenliebe” um die Seelsorge.

KIRCHE IN NOT hat in der Vergangenheit unter anderem ein Fahrzeug für die Seelsorge und den Bau eines Pastoralzentrums in Baku mitfinanziert.

16.Mai 2011 15:18 · aktualisiert: 16.Jun 2014 12:06
KIN / S. Stein