Ein Haus für suchtkranke Frauen

In der brasilianischen Hauptstadt Brasilia entsteht eine neue “Fazenda”

Rekuperantin Joyce lebte mit ihrer Tochter auf einer Frauen-Fazenda in Brasilien.

Rekuperantin Joyce lebte mit ihrer Tochter ein Jahr lang auf einer Frauen-Fazenda.

Seit über zwei Jahrzehnten gibt es die Fazendas da Esperança (zu deutsch: “Bauernhöfe der Hoffnung”), die drogen- und alkoholabhängigen jungen Menschen, Zuflucht und Heilung bieten. In Brasilien gibt es inzwischen 40 “Fazendas”.

Ein neuer Bauernhof der Hoffnung soll in der Hauptstadt Brasilia entstehen: ein zweistöckiges Haus mit fünf Schlafräumen, das zunächst zwölf suchtkranken Frauen und zwei Betreuerinnen Platz bietet. Zwei weitere Wohnhäuser und eine Kapelle sind in Planung.

“Ich unterstütze diese Initiative sehr und danke KIRCHE IN NOT für die Finanzierung. Sie können sich meiner Gebete für dieses schöne Werk und seiner Wohltäter sicher sein”, dankt der ehemalige Erzbischof von Brasilia und jetzige Präfekt der Ordenskongregation, Joao Braz de Aviz. Er empfiehlt das Projekt mit Nachdruck und ist nicht der Einzige, der die Notwendigkeit sieht, einen Raum für Suchtkranke zu schaffen.

“Die Regierung entwirft ein Programm nach dem anderen und sucht verzweifelt nach Lösungen”, erzählt Klaus Rautenberg, der Verantwortliche für die Fazendas in Brasilien. Obwohl sich staatliche Stellen ausschließlich auf psychologische und pädagogische Grundlagen berufen und das spirituelle Leben in den Fazendas nicht in die bestehenden Konzepte passt, haben sich viele Politiker von der Wirksamkeit der Fazendas überzeugt. In Lateinamerika sind die Fazendas inzwischen die bekanntesten Zentren für Rekuperation.

Papst Benedikt XVI. besuchte bei seiner Braslienreise eine “Fazenda” (Foto: Archiv der Fazenda da Esperanca).

Papst Benedikt XVI. besuchte bei seiner Braslienreise eine “Fazenda” (Foto: Archiv der Fazenda da Esperanca).

Die Zahlen der von ihrer Drogensucht befreiten Menschen sprechen für sich: die Erfolgsquote des Entzugs liegt bei 84 Prozent. Dafür wird den Suchtkranken im Lauf ihres einjährigen Drogenentzugs viel abverlangt: Die Rekuperantinnen leben in Wohngruppen in völliger Abgeschlossenheit von der Außenwelt. Drogen, Alkohol und sexuelle Kontakte sind absolut tabu. Stattdessen bilden praktische Arbeit und ein auf Gott ausgerichtetes Leben die Schwerpunkte im Leben in den Fazendas.

Die Suchtkranken sorgen selber für ihren Lebensunterhalt und lernen, dass jeder einzelne Mensch für die gelingende Gemeinschaftsarbeit wichtig ist. Jede Wohngruppe übernimmt eine spezifische Aufgabe, sei es die Blumenzucht, der Obst- und Gemüseanbau oder die Arbeit in einer Fabrik.

Blick auf das Gelände der “Fazenda da Esperança” in Markee bei Berlin. Rechts ist das Wohnhaus zu sehen, im Hintergrund ist die kleine Kapelle.

Das regelmäßige Gebet ist die tragende Säule, denn nach dem Konzept des Gründers, dem Franziskanerpater Hans Stapel, ist es Gott, der die Kraft zur Heilung gibt. Aus den Erfahrungsberichten der jungen Menschen wird deutlich: Gott verwandelt das Gefängnis der eigenen Sucht, der Ängste und der Verstrickung in Gewalt und Kriminalität in den Reichtum eines sinnerfüllten Lebens. Die ehemaligen Drogenabhängigen sind in der Lage, zu verzeihen, Versöhnung zu stiften und sich selbst in Liebe zu verschenken.

Zahlreiche Ehemalige konnten ihren Glauben wieder neu entdecken, weil sie Gottes Heilswirken am eigenen Leib erfahren durften. Sie wurden zu authentischen Missionaren; es ging bereits manche geistliche Berufung aus diesem Projekt hervor. Viele Ehemalige haben sich im Anschluss an ihre eigene Rekuperation als Freiwillige zur Verfügung gestellt, um anderen zu helfen, von der Droge loszukommen.

Wir möchten den Bau der neuen Fazenda in Brasilia eine Starthilfe von 100.000 Euro geben.

KIN / S. Stein