“Wir sind ein Teil der großen Begegnung”

36 Sudanesen können dank KIRCHE IN NOT zum Weltjugendtag fahren

Sudanesen beim Weltjugendtag 2008 in Sydney.

Sudanesen beim Weltjugendtag 2008 in Sydney.

Glocken läuteten, Trommeln dröhnten, Feuerwerke überzogen den Himmel mit bunten Sternen, Menschen jubelten. Am9. Juli feierte der überwiegend christlich und animistisch geprägte Südsudan nach einer langen Geschichte der Unterdrückung seine Unabhängigkeit. Die Menschen hoffen, dass nun eine neue Gesellschaft entstehen wird, in der Frieden herrscht.

“Wir haben unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt” (1 Tim 4,10) lautet eines der Mottos des diesjährigen Weltjugendtages, der im August in Madrid stattfindet. Dies ist auch das Geheimnis der Christen im Sudan. Auf wen hätten sie unter der in fast 22 Jahren des Bürgerkriegs sonst hoffen sollen? Unterdrückung, Gewalt, Vertreibung, Islamisierung und die Einführung der Scharia — eine ganze Generation hat ihr Land nie anders als in diesem Licht erlebt. Und doch haben sich die katholischen Gläubigen die Flamme der Hoffnung und des Glaubens bewahrt.

Daran, dass es so ist, haben die durch den seligen Papst Johannes Paul II. ins Leben gerufenen Weltjugendtage einen Anteil. Bereits an den Weltjugendtagen in Köln (2005) und Sydney (2008) nahmen mit der Unterstützung von KIRCHE IN NOT jeweils mehr als vierzig sudanesische Jugendliche teil. Zwar waren dies nur kleine Gruppen, jedoch haben sie bei ihrer Rückkehr ihre Begeisterung und ihre Erfahrungen mit in ihre Gemeinden vor Ort gebracht und wirken auf diese Weise mit am Aufbau einer neuen Gesellschaft.

John aus Khartum im Nordsudan, wo Christen eine Minderheit bilden, beschreibt, was die Teilnahme am Weltjugendtag für ihn und die anderen Jugendlichen bedeutet hat: “Wir spüren, dass wir nicht allein auf der Welt, sondern dass wir ein Teil dieser großen und wunderbaren Begegnung sind, die sogar die geografischen Grenzen überwindet.“ Die 27-jährige Lona aus Juba (Südsudan) ergänzt: “Ich habe erkannt, dass unser katholischer Glaube sehr stark ist und das Leben ohne Christus nutzlos ist.“

Sudanesische Jugendliche mit dem Weltjugendtagskreuz.

Sudanesische Jugendliche mit dem Weltjugendtagskreuz.

Seit drei Jahren bereiten sich die neun sudanesischen Diözesen durch Gebet und gemeinsame Aktivitäten auf den Weltjugendtag in Madrid vor. In diesem Jahr sollen mit der Hilfe von KIRCHE IN NOT 36 Jugendliche aus allen Diözesen des Landes am Weltjugendtag teilnehmen.

Pater Santino Mourino Morokomomo, der Weltjugendtagskoordinator für den Sudan, sagt: “Die Bischöfe sind davon überzeugt, dass der Weltjugendtag unserer Jugend helfen wird, engagiertere und hingebungsvollere Christen zu werden, die an ihrem Glauben festhalten, und nicht an den heutigen Herausforderungen scheitern.”

Edward Hiiboro Kussala, Bischof von Tambura-Yambio / Südsudan.

Die Kirche spielt im Friedensprozess und im sozialen Leben des Sudan und in Afrika eine wichtige Rolle. Bischof Eduardo Hiiboro Kussala aus der südsudanesischen Diözese Tumbura-Yambio erklärte gegenüber KIRCHE IN NOT, die Kirche habe „generationenlang Millionen von Sudanesen geholfen, als internationale Organisationen kamen und gingen“.

Es sei die „einheimische Kirche, die die Hoffnungen und das Leid der Menschen geteilt und denjenigen, die oftmals nicht gehört werden, eine Stimme verliehen“ habe.

Nun gilt es, in die Zukunft zu schauen und auch das zweite Motto des Weltjugendtages 2011 immer mehr wahr zu machen: „Bleibt in Jesus Christ verwurzelt und auf ihn gegründet und haltet an dem Glauben fest“ (Kol 2,7).

Die Teilnahme sudanesischer Jugendlicher am Weltjugendtag in Madrid dient diesem Ziel. Selbstverständlich ist es nicht, dass der Frieden erhalten bleibt, denn noch immer ist zu befürchten, dass es zu einem neuen Krieg kommen könnte. Auch das Schicksal der Christen, die als Minderheit im Nordsudan leben und dort immer wieder Diskriminierungen ausgesetzt sind, ist noch ungewiss.

Wertvolle Erfahrungen

Im Vorfeld der Volksabstimmung vom 9. Januar diesen Jahres kam es seitens verschiedener Politiker zu Drohungen, dass es Christen im Nordsudan im Falle einer Entscheidung für die Unabhängigkeit des Südsudan noch schwerer haben würden. Gläubige im ganzen Sudan haben vor der Volksabstimmung 100 Tage lang um einen friedlichen Verlauf des Referendums gebetet. Dass die Lage bislang relativ friedlich geblieben ist, ist sicherlich auch darauf zurückzuführen.

Die Schicksalsstunde in der Geschichte des Sudan erfordert es, dass die Menschen innerlich gefestigt und zur Versöhnung bereit sind. Daher hilft KIRCHE IN NOT mit 35.000 Euro, damit junge Menschen durch den Weltjugendtag lernen, dass alle Menschen eins sind. Diese Erfahrung bringen sie mit nach Hause und teilen sie mit ihren Gemeinden. Es ist eine Investition in die Jugend, in deren Händen die Zukunft des Landes liegt.

So können Sie die Menschen im Sudan unterstützen:

PRAYERBOX Pilgerweg: Begleiter für viele Jugendliche zum Weltjugendtag in Madrid

Viele Teilnehmende des Weltjugendtags haben die Prayerbox Pilgerweg im Gepäck.

Viele Teilnehmende des Weltjugendtags haben die Prayerbox Pilgerweg im Gepäck.

Die „Prayerbox Pilgerweg“ ist eine Dose in der Größe einer Streichholzschachtel, in der neben einem Kreuz, einem Weihwasserfläschchen und einem kleinen Rosenkranz auch ein Faltblatt mit Grund- und Reisegebeten auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch enthalten ist.

Sie ist eine Sonderausgabe der bereits seit 2007 erhältlichen „Prayerbox“. Äußerlich unterscheidet sich die Pilgerversion durch die tiefblaue Farbe und einer stilisierten „Jakobsmuschel“, dem Zeichen aller Pilgernden. Wir geben die „Prayerbox Pilgerweg“ speziell für Jugendliche und junge Erwachsene heraus, die zum Weltjugendtag 2011 nach Madrid pilgern wollen.

Mit dem Erlös hilft KIRCHE IN NOT bedürftigen Jugendlichen, die sich ohne Unterstützung die Reise zum Weltjugendtag nicht leisten könnten – wie etwa die jungen Erwachsenen aus dem Sudan.

Bestellbar ist die “Prayerbox Pilgerweg” online oder im Münchner Büro von KIRCHE IN NOT:
KIRCHE IN NOT
Lorenzonistr. 62
81545 München
Telefon: 089 / 64 24 888 – 0
Fax: 089 / 64 24 888 50
E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de

27.Jul 2011 15:33 · aktualisiert: 6.Sep 2011 10:41
KIN / S. Stein