Hoffnung und Angst unter den Christen

Erstkommunion in Bagdad – Anschläge auf Kirchen in Kirkuk

40 christliche Kinder bereiteten sich in Bagdad auf die Erstkommunion vor.

40 christliche Kinder bereiteten sich in Bagdad auf die Erstkommunion vor.

Trotz der nach wie vor gefährlichen Sicherheitslage im Irak haben im Juli über 40 Kinder in der Hauptstadt Bagdad ihre erste heilige Kommunion gefeiert. Für Christen ist es nach wie vor lebensgefährlich, auf den Straßen der irakischen Hauptstadt gesehen zu werden. Darum musste die Pfarrgemeinde einen Bus mieten, um die Kinder zum Kommunionunterricht und zur Kirche zu fahren.

Ein junger Priesterseminarist aus Bagdad, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben muss, hat die Kinder während seiner Ferien unterrichtet und schickte dem weltweiten KIRCHE IN NOT einige Fotos von den Vorbereitungen auf die Erstkommunion.

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Er berichtet, die Kinder hätten mit “großem Ernst und voller Freude” auf den Empfang des Leibes Christi hingearbeitet. Zur schwierigen Situation der Christen in Bagdad sagte er: “Dies ist unsere Heimat und wir lassen uns nicht vertreiben!” Die Erstkommunionkinder seien eine “Saat des Friedens” für den Irak. “Christus ist unser Frieden und unsere Hoffnung, seine Botschaft kann unsere Gesellschaft verändern”, betonte der Priesterseminarist.

Seit dem Einmarsch der “Koalition der Willigen” in den Irak im Jahr 2003 waren die Christen zwischen die Fronten eines blutigen Bürgerkriegs zwischen sunnitischen und schiitischen Milizen geraten. Kirchenvertreter hatten dabei stets betont, dass sie sich in diesem Konflikt als neutrale Vermittler sehen und mit ganzer Kraft an einem friedlichen demokratischen Irak mitarbeiten wollen.

Gruppenfoto der Kommunionkinder.

Gruppenfoto der Kommunionkinder.

Dennoch kommt es im Land immer wieder zu Terroranschlägen auf christliche Einrichtungen. Allein in diesem Monat gab es drei Angriffe auf Kirchen in der nordirakischen Stadt Kirkuk. Dabei wurden mindestens 13 Menschen verletzt sowie die Kirchen- und umliegenden Gebäude schwer beschädigt.

Am vergangenen Montag, 15. August, war die syrisch-katholische St.-Ephraim-Kirche in Kirkuk Ziel eines Autobombenanschlags. Verletzt wurde niemand, da das Sicherheitspersonal der Kirche rechtzeitig ein verdächtiges Fahrzeug ausmachte und sich und den Priester der Pfarrei retten konnte.

Schutt- und Trümmerberge vor der Kirche in Kirkuk.

Schutt- und Trümmerberge vor der Kirche in Kirkuk, die am 2. August 2011 bei einem Autobombenanschlag zerstört wurde.

Aus Angst verlassen viele Christen ihre Heimat. Erzbischof Louis Sako aus Kirkuk berichtet, dass in den vergangenen zwei Wochen fünf Familien weggezogen seien. Doch die Regierung nehme die Sorgen der Christen nicht ernst. Es seien zwar Wachen für die Kirchen versprochen worden, so Erzbischof Sako weiter, aber niemand könne garantieren, dass es keine weiteren Explosionen gibt.

KIRCHE IN NOT unterstützt die Friedensarbeit der irakischen Bischöfe und hilft dabei, die Seelsorge in den bedrängten Pfarreien des Landes aufrecht zu erhalten. Wir bitten weiterhin unsere Unterstützer um das Gebet für die Christen im Irak und um Spenden für die dortige Kirche.

So können Sie den Christen im Irak helfen:

19.Aug 2011 10:11 · aktualisiert: 10.Jun 2014 11:34
KIN / S. Stein