Weite Wege zu den Gläubigen

Bischof Agapit Ndorobo aus Tansania besucht KIRCHE IN NOT

Bischof Agapit Ndorobo.

Agapit Ndorobo, Bischof von Mahenge in Tansania.

Sein Bistum ist größer als Baden-Württemberg, aber auf dem Gebiet leben nur 600 000 Menschen. Für Bischof Agapit Ndorobo und die etwa einhundert Priester seiner Diözese Mahenge in Zentraltansania sind weite Wege zu den Gläubigen alltäglich.

Dennoch pflegen die Pfarreien ein aktives Gemeindeleben. “Die Menschen sind fröhlich und bereit zu teilen. Wenn ich in eine Pfarrei komme, dann geben mir die Leute oft viel, zum Beispiel 20 Kilogramm Reis. Sie geben gerne und haben Freude daran; sie sind arm, aber großzügig”, so Bischof Ndorobo.

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Da es keine Kirchensteuer oder ähnliches in Tansania gibt, sind die Priester auf Unterstützung angewiesen. “Einige leben von Mess-Stipendien. Einige bekommen Geld vom Staat, besonders diejenigen, die nicht in Gemeinden, sondern im Seminar oder in Schulen arbeiten. Andere werden von der Gemeinde versorgt”, erklärt der Bischof. Für die Zukunft seien kleine christliche Gemeinden geplant, die für die Seelsorger sorgen.

Derzeit änderten sich die kirchlichen Strukturen in Tansania. Er hoffe auf weitere Priesterberufungen, um die halbe Million Katholiken in seiner Diözese besser zu betreuen. Außerdem leben viele Priester nicht mehr unbedingt in einer bestimmten Pfarrgemeinde, sondern in kleinen Wohngemeinschaften zusammen. “Das Alleinsein ist nicht gut für sie, sie brauchen den Austausch untereinander”, sagt Bischof Ndorobo.

Bischof Agapit Ndorobo segnet ein Kind Bischof Agapit Ndorobo segnet ein Kind (Foto: Heinz Ripka)..

Bischof Agapit Ndorobo segnet ein Kind (Foto: Heinz Ripka).

Aber auch in der Gesellschaft stellt er eine Änderung fest, denn der Einfluss des westlichen Lebensstils sei auch in Tansania festzustellen. Heute bekämen viele Paare häufig nur noch zwei Kinder, der 57-jährige Bischof Ndorobo ist das älteste von elf Kindern.

Den Grund für die gesellschaftliche Änderung sieht er darin, dass die Menschen nicht mehr so viel aufopfern wollen. “Heute leben hauptsächlich die Paare zusammen, der Sinn für die Gemeinschaft ist nicht mehr da”, bedauert er. Daher sei es wichtig, die Familien, geistig, sozial und ökonomisch weiterzubilden.

Evangelisierung und Bildung sieht er als dringendste Herausforderungen an. Ein Problem bestehe darin, dass sich die Menschen auf dem Land kaum wirtschaftlich auskennen und sich daher ausbeuten lassen. Beispielsweise kämen arabische Händler und kauften bei ihnen Reis für wenig Geld. Außerdem müssten sie besser geschult werden, damit sie sich besser organisieren könnten, wünscht sich Bischof Ndorobo. Es gebe zwar eine Fleischproduktion in der Region, doch man wisse nicht, wie man das Fleisch lagern sollte. “Manchmal gibt es sogar Hunger, weil wir die Lebensmittel nicht konservieren können.”

Ein gut besuchter Gottesdienst in Tansania (Foto: Heinz Ripka).

Ein gut besuchter Gottesdienst in Tansania (Foto: Heinz Ripka).

Das Zusammenleben der unterschiedlichen Religionen in Tansania funktioniert im Allgemeinen sehr gut. Etwas mehr als die Hälfte der Einwohner Tansanias ist christlich, etwa 30 Prozent sind Muslime. Diese leben verstärkt im Küstengebiet. Die weitgehend autonome Provinz Sansibar ist fast ausschließlich muslimisch. Nur in diesen Gegenden des Landes kommt es zu vereinzelten Spannungen zwischen Muslimen und Christen.

Allerdings werde es schwierig, wenn Fanatiker aus anderen Ländern zureisten. “Diese leben nicht im Einklang mit dem Islam und können nur Hass verbreiten”, sagt der 57-Jährige. Mehrere interreligiöse Initiativen sind in Tansania eingerichtet worden, um friedliche Koexistenz, Einheit, Liebe, verantwortungsbewusste Regierungsführung, Zusammenarbeit und Solidarität unter den Einwohnern zu fördern. “Die Menschen vertrauen der Kirche”, so Bischof Ndorobo. Daher sei die Medienarbeit wichtig, um die Gläubigen besser zu erreichen.

Abschließend dankte der Bischof KIRCHE IN NOT vor allem für die Unterstützung der Katecheten, die Bauprojekte und Mess-Stipendien. “Auch die Transportmittel sind sehr wichtig für uns. Unser Bistum ist über 39 000 Quadratkilometer groß, da muss man viel reisen.”

24.Aug 2011 10:22 · aktualisiert: 23.Jan 2014 09:02
KIN / S. Stein