Eine Kirche im Aufbruch

Griechisch-katholischer Weihbischof von Lemberg besucht KIRCHE IN NOT

Venedykt Aleksiychuk, griechisch-katholischer Weihbischof von Lemberg (L'viv) in der Ukraine.

Venedykt Aleksiychuk, griechisch-katholischer Weihbischof von Lemberg (L'viv).

Die Veränderung ist offenkundig: Vor mehr als 20 Jahren konnte die Griechisch-katholische Kirche in der Ukraine nur im Verborgenen wirken. Offiziell war sie verboten. Gläubige waren Repressalien ausgesetzt.

Nach der politischen Wende blühte das kirchliche Leben jedoch rasch wieder auf. “Heute wächst die Kirche kontinuierlich und dynamisch”, so der Weihbischof von Lemberg (L’viv), Venedykt Aleksiychuk, während eines Besuchs bei KIRCHE IN NOT.

Der Werdegang des 43-jährigen Weihbischofs ist durchaus typisch für eine Kirche, die Jahrzehnte im Untergrund leben musste und bis heute in einem weitestgehend säkularisierten Umfeld wirkt. Bis zu seinem 20. Lebensjahr hatte Venedykt Aleksiychuk, dessen eigentlicher Vorname Valeriy lautet, höchstens zehnmal eine Kirche von innen gesehen, wie er betont. Gelegentlich hatte ihn seine Mutter mitgenommen, die als Lehrerin arbeitete. Da sie durch Kirchenbesuche ihre Anstellung riskierte, blieben diese rar.

Nach Schulbesuch und Militärdienst arbeitete Valeriy im Krankendienst. “Ich suchte nach Werten, trieb viel Sport und war politisch aktiv. Doch all das überzeugte mich letztlich nicht. Überall traf ich auf menschliche Schwächen und Grenzen”, erzählt er im Rückblick.

Wie eine Reihe seiner Freundinnen und Freunde suchte Valeriy Aleksiychuk in der Zeit des Umbruchs deshalb stärkeren Kontakt zur Kirche. Eher zufällig kam er dabei auch mit dem theologischen Seminar von Lemberg in Berührung, das nach Jahrzehnten in der Illegalität gerade erst wieder zur Normalität fand.

Unser Hilfswerk unterstützt die Ausbildung der Seminaristen im Priesterseminar von Lemberg (L'viv).

Valeriy nahm ein Theologiestudium auf und “spürte den Ruf Gottes”. 1992 wurde er zum Priester geweiht und arbeitete anschließend als Seelsorger in Bystrytsya, einem Dorf in der Westukraine. Doch eine gewisse Unruhe blieb: “Das war irgendwie nicht das, was meinem Ruf entsprach. Ich wollte alles geben.”

1993 trat Valeriy in das einzige griechisch-katholische Kloster in der Ukraine ein, das Uniwska Lawra. Es liegt rund 50 Kilometer südöstlich von Lemberg. Hier legte Valeriy zwei Jahre später die Gelübde ab und wählte den Namen Venedykt.

Konflikte mit der weißrussischen Staatsführung

In den Folgejahren schickte ihn das Kloster als Seelsorger in den Osten der Ukraine. Hier leben die Gläubigen weit verstreut. Venedykt Aleksiychuk begab sich auf die Suche nach ihnen. Einige Adressen erhielt er von KIRCHE IN NOT. Wir unterstützen die Griechisch-katholische Kirche in der Ukraine seit Jahrzehnten.

Später ging Venedykt auf Wunsch seiner Oberen nach Polotsk im Norden Weißrusslands, wo er eine kleine griechisch-katholische Gemeinschaft betreute. Er predigte in drei Sprachen, Russisch, Weißrussisch und Ukrainisch, und geriet mit der Staatsmacht in Konflikt. Argwöhnisch beobachtete die Behörden Seelsorge und Katechesen des jungen Priestermönches.

Jugendliche bei einer Wallfahrt zu einem Marienheiligtum in der Westukraine.

Dann folgten Jahre im kanadischen St. Catharines, wo Venedykt Aleksiychuk eine Gemeinde betreute. 1999 wurde er zum Vorsteher (Hegumen) des Studitenklosters in Uniw gewählt und 2005 in diesem Amt bestätigt. Er führte es bis zu seiner Bischofsernennung durch Papst Benedikt XVI. und seine Weihe 2010 fort.

Zum Amtsantritt verwies Weihbischof Aleksiychuk auf Basilius den Großen und Johannes Chrysostomus, Bischöfe des 4. Jahrhunderts, die nicht nur bei den Kirchen des Ostens hohes Ansehen genießen. Obwohl sie sich für unwürdig gehalten hätten, hätte sie die ihnen gestellten Aufgaben angenommen. Dann bat er die Gläubigen um Gebet, “damit auch ich dieser Verantwortung gerecht werde.”

Die Griechisch-katholische Kirche sieht der Weihischof vor großen Herausforderungen. Obwohl das Glaubenswissen bei vielen gering sei, werde die Kirche aufgrund ihrer sozialen Verkündigung als moralische Instanz wahrgenommen. Und: Viele Menschen stellten die Frage nach Gott neu. Venedykt Aleksiychuk: “Wir müssen ihnen antworten, ihnen das Evangelium bringen, Mission leben.”

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf Hör-CD beziehungsweise DVD erhältlich.

25.Aug 2011 08:11 · aktualisiert: 25.Aug 2011 08:12
KIN / S. Stein