Impulse in die Weiten Sibiriens

In der russischen Stadt Nowosibirsk entsteht ein neues Diözesanzentrum

Grundsteinlegung für das Gemeindezentrum in Nowosibirsk.

Grundsteinlegung durch Bischof Joseph Werth für das Diözesanzentrum in Nowosibirsk.

Das fünfte Geheimnis des lichtreichen Rosenkranzes lautet: “Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat”. Joseph Werth, Bischof der Diözese “Verklärung des Herrn” in ­Nowosibirsk und Vorsitzender der russischen Bischofskonferenz kommentiert es so:

“Tante Rosa hatte 60 Jahre keinen Priester gesehen. Als endlich ein Priester sie gefunden hatte, erzählte sie: ‘Bei großen kirchlichen Festen war die Sehnsucht nach der Eucharistie so groß, dass ich ein Stückchen Brot nahm, es in Wein tauchte und es in Erinnerung an die Worte Jesu – tut dies zu meinem Gedächtnis – aß.’ Meinem Priester standen bei dieser Erzählung Tränen in den Augen.”

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Tante Rosa ist kein Einzelfall. Von den rund 25 Millionen Einwohnern in der Diözese haben ein paar hunderttausend katholische Wurzeln. Etwa zehntausend besuchen regelmäßig die Sonntagsgottesdienste – wenn eine Kirche in der Nähe ist. Das ist bei der flächenmäßig größten Diözese der Welt mit ihren mehr als zwei Millionen Quadratkilometern eher eine Seltenheit. Das Bistum ist sechs Mal so groß wie die Bundesrepublik.

Das Gemeindeleben konzentriert sich vor allem auf die Städte, insbesondere Nowosibirsk. Dort wachsen die Gemeinden, deshalb wird das neue Diözesanzentrum “für die gesamte pastorale Arbeit der Diözese eine große Hilfe sein”, sagt Bischof Werth.

Blick auf die Baustelle des neuen Diözesanzentrums und die Kathedrale in Nowosibirsk.

Blick auf die Baustelle des neuen Diözesanzentrums und die Kathedrale in Nowosibirsk.

Da Haus soll auch dem interkonfessionellen Dialog zwischen Katholiken und Orthodoxen dienen sowie für soziale und kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. Eine Bücherei, das Studio des katholischen Fernsehsenders Kana und die Caritas sollen ebenfalls von dort bis in die Weiten der Diözese ihre Impulse aussenden.

Ende des Jahres soll das neue Gebäude eingeweiht werden. In Zusammenarbeit mit den Behörden habe man, so Bischof Werth, für die Lage mitten in der Stadt nach sieben Jahren Planung eine gute und preiswerte Lösung gefunden. Eine Tiefgarage unter dem Gebäude und Vermietungen sollen einen Teil der laufenden Kosten decken.

Rohbau des Diözesanzentrums.

Rohbau des Diözesanzentrums.

Im Frühjahr 2010 konnte mit dem Bau begonnen werden – ein glücklicher Termin, denn wegen der Finanzkrise waren die Baupreise damals noch günstig. Dennoch übersteigen die Investitionen mit 3,8 Millionen Euro bei weitem die Möglichkeiten der armen Diözese. Bischof Werth hat in der ganzen Welt gebettelt und Hilfe gefunden. KIRCHE IN NOT – “ohne Euch wären wir verloren” – beteiligt sich mit 500.000 Euro.

Niemand weiß, wie viele Rosenkränze in Nowo­sibirsk für dieses Zentrum schon gebetet wurden. Das vierte Geheimnis des lichtreichen Rosenkranzes (“Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist”) kommentiert Bischof Werth so: “Es lohnt sich zu glauben, trotz Verfolgungen und Entbehrungen, die uns in der Welt begegnen. Man muss nur auch die Schönheit des Glaubens sehen. Ein Beispiel dafür ist die Verklärung des Herrn. Jesus verklärte sich vor Seinen Jüngern, um sie einen Vorgeschmack des Himmelreiches kosten zu lassen.”

Veröffentlichungen zum katholisch-orthodoxen Dialog

“Mehr denn je glaube ich an meine Berufung, abermals Versöhnung zu predigen, die Kirche im Westen zur tätigen Liebe anzuspornen für unsere orthodoxen Brüder, die am längsten unter dem Kommunismus gelitten haben und der am meisten gefährdete Teil der Christenheit sind.” (Pater Werenfried van Straaten)
(Aus dem Buch “Kämpfer für den Frieden – Werenfried van Straaten über sein Lebenswerk für bedrängte Christen”)

 

31.Aug 2011 10:00 · aktualisiert: 5.Mrz 2013 09:49
KIN / S. Stein