Ängste, Altersarmut und Isolation

Das Leben im Gaza-Streifen und die bitteren Früchte der Blockadepolitik Israels

Am Grenzzaun von Israel und dem Gaza-Streifen.

Am Grenzzaun von Israel und dem Gaza-Streifen.

“Die Not der Menschen und die Demütigungen, die sie tagtäglich erleben, sind unerträglich.” Mit diesen Worten schildert George Hernández, katholischer Pfarrer im Gazastreifen, die Lage der dort lebenden Palästinenser bei dem Besuch eines Mitarbeiters von KIRCHE IN NOT in diesen Tagen.

Seit Jahren seien etwa 1,5 Millionen Menschen, darunter rund 3000 Christen, der “Willkür Israels ausgesetzt: Sie finden keine Arbeit, können die Region nicht verlassen und sind immer wieder den Tiefflügen und auch Bombardements der israelischen Luftwaffe ausgeliefert.”

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Während des Krieges starben einige Mädchen an Herzversagen. Bis heute reagieren viele Kinder auf Flugzeuglärm verängstigt und panisch”, berichtet Schwester Davida vom Orden der Rosenkranzschwestern, der im Gazastreifen eine Schule für insgesamt 630 Schülerinnen und Schüler unterhält.

Sie steht Heranwachsenden unabhängig von Religionszugehörigkeit oder Konfession offen und genießt hohes Ansehen. Zwei Schulen führt auch die Pfarrei zur Heiligen Familie von Pfarrer Hernández. Sie werden vom lateinischen Patriarchen in Jerusalem verantwortet und gegenwärtig von 1100 Kindern und Jugendlichen besucht. Auch hier kommt die überwiegende Mehrzahl der Mädchen und Jungen aus muslimischen Familien. Im vergangenen Jahr erzielten Absolventen dieser Schulen die besten Ergebnisse im gesamten Gazastreifen.

Vor der Schule der Rosenkranzschwestern in Gaza: Schwester Davida, Schwester Martina und Schwester Bertilla mit dem Generalvikar des Lateinischen Patriarchats, Humam Khzouz.

Vor der Schule der Rosenkranzschwestern in Gaza: Schwester Davida, Schwester Martina und Schwester Bertilla mit dem Generalvikar des Lateinischen Patriarchats, Humam Khzouz.

Gefragt sind zudem weitere Sozialinitiativen: die Betreuung von traumatisierten Menschen und solchen mit Behinderungen sowie Rentnern. In Gaza kümmern sich vier Schwestern vom Orden Mutter Teresas um etwa zwei Dutzend Pensionäre, denen das Nötigste fehlt.

Sie reagieren damit auf ein in Teilen der Bevölkerung wachsendes Problem: die zunehmende Altersarmut. Aufgrund der extrem hohen Arbeitslosigkeit und mangelnder Perspektiven verlassen Palästinenser mittleren Alters, denen sich die Gelegenheit bietet, den Landstrich am Mittelmeer. Kinder, Jugendliche und Alte bleiben zurück.

Ein junger Mann auf den Trümmern eines Gebäudes in Gaza. Kinder und Jugendliche suchen in den Trümmern nach Gegenständen und Baumaterial, die sie verkaufen können.

Ein junger Mann auf den Trümmern eines Gebäudes in Gaza. Kinder und Jugendliche suchen in den Trümmern nach Gegenständen und Baumaterial, die sie verkaufen können.

Für diejenigen, die nicht gehen können, wird es zunehmend schwieriger, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Vor allem unter den Christen ist die Arbeitslosigkeit groß. Rund 80 Prozent sind ohne regelmäßiges Einkommen. Denn Israel beschränkt ihre Mobilität massiv und nimmt ihnen damit die Möglichkeit, Arbeit zu finden.

Prekärer wird dadurch auch die Situation der katholischen Schulen und der anderen Sozialinitiativen, da sie neben Finanzhilfen von außen auch auf die Unterstützung der Gläubigen angewiesen sind. Hilfe benötigen insbesondere die Schulen zur Einrichtung von Bibliotheken, zur Organisation von Ferienfreizeiten und für den Kauf von arabischen Bibeln für den Gebrauch in den Familien. Pfarrer Hernández plant zudem die Renovierung eines Gemeindezentrums sowie die Anschaffung eines Minibusses für alte und gehbehinderte Menschen.

So können Sie den Christen im Nahen Osten helfen:

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich.

Gebet für den Nahen Osten

Gott, unser Vater, hab Erbarmen mit dem Nahen Osten.

Deine treuen Diener – jung und alt – sind aufgerufen, Christus zu bezeugen. Mögen sie in dieser aufregenden Zeit gestärkt werden, indem sie deinem geliebten Sohn nachfolgen, der in jener Zeit in ihrer jetzigen Heimat tätig war.

In Gemeinschaft mit unserem Papst Benedikt XVI. beten wir, dass Christen im Nahen Osten ihren Glauben in völliger Freiheit leben können. Ermutige sie, als Werkzeug des Friedens und der Versöhnung zu handeln – vereint mit allen Bürgern in ihren Ländern. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Diesen Text mit einer Ikonenabbildung können Sie unentgeltlich als Gebetsblatt bei uns bestellen – entweder bequem in unserem Bestelldienst oder bei:
KIRCHE IN NOT
Lorenzonistraße 62
81545 München
Telefon: 089 – 64 24 888-0
Fax: 089 – 64 24 888 50
E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de

9.Sep 2011 13:37 · aktualisiert: 5.Feb 2014 09:06
KIN / S. Stein