“… das habt ihr mir getan”

Zum Gedenktag der heiligen Elisabeth von Thüringen

Turm der Herzogspitalkirche St. Elisabeth in München.

Turm der Herzogspitalkirche St. Elisabeth in München.

Kaum fünf Jahre alt, wurde Prinzessin Elisabeth, Tochter des reichen und mächtigen ungarischen Königs Andreas II., aus ihrer glücklichen Kindheit gerissen und an den Hof ihres zukünftigen Mannes, Landgraf Ludwig von Thüringen, gebracht.

In ihrer tiefen Sensibilität erkannte Elisabeth die Widersprüche zwischen dem christlichen Glauben und dem Leben, das man am Hof der Mächtigen führte. Sie duldete keine Kompromisse. Einmal, als sie an einem Fest die Kirche betrat, nahm sie ihre Krone ab, legte sie vor dem Kreuz nieder und warf sich mit verhülltem Gesicht zu Boden.

Als ihre Schwiegermutter sie deswegen tadelte, antwortete sie: “Ferne sei mir, im Angesicht meines Gottes und Königs Jesus Christus, den ich mit Dornen gekrönt erblicke, selbst ein geringes und aus Erde gebildetes Geschöpf, mit eitler Überheblichkeit gekrönt zu erscheinen!”

Obwohl die Verlobung mit Ludwig aus politischen Gründen entschieden worden war, entstand zwischen den beiden jungen Menschen eine aufrichtige Liebe. Ihre Ehe war sehr glücklich: Elisabeth half ihrem Mann, seine menschlichen Eigenschaften auf die übernatürliche Ebene anzuheben, und er schützte im Gegenzug seine Frau in ihrer Freigebigkeit gegenüber den Armen.

Aus Liebe zu den Geringsten brachte sie eines Tages sogar in ihren eigenen Gemächern einen Aussätzigen unter. Die darüber entstandene Entrüstung der Hofleute kannte keine Grenzen. Man machte ihren Mann Ludwig darauf aufmerksam, ob er sich das gefallen lasse, dass Elisabeth einen Aussätzigen ins Ehebett legte. Ludwig eilte ins Schlafzimmer, um sich von dem unglaublichen Vorfall zu überzeugen.

Was dort in seiner Seele vorging, wird in der ältesten Elisabeth-Biografie mit den folgenden Worten berichtet: “Da öffnete Gott dem Landgrafen die inneren Augen, und er sah auf seinem Bette den Gekreuzigten. Ludwig hatte wohl Christi Wort begriffen: ‘Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.’”

Aus der Generalaudienz vom 11. März 2009 und Kranz, Gisbert, Politische Heilige und katholische Reformatoren, Band 2, Augsburg 1959.

Gebet:
Beten wir, dass die Liebe Christi, welche die hl. Elisabeth in ihrer Nächstenliebe bewegte, in uns den Sinn für Gerechtigkeit, Wohltätigkeit und Fürsorge hervorbringt, damit alle Menschen ihre Würde als Kinder Gottes erkennen können.

Vater unser …, Gegrüßet seist du, Maria, …, Ehre sei dem Vater …

Vorsatz:
Bemüh dich, in allen Menschen, denen du heute begegnest, das Antlitz Christi zu sehen, und denk daran, dass du alles, was du für sie tust, Jesus tust.

Schlagworte:
Deutschland · Erfurt · Heilige · Novene · Papstbesuch
15.Sep 2011 08:10 · aktualisiert: 19.Nov 2014 12:17
KIN / T. Waitzmann