“Nicht wie Objekte behandeln”

Bischof aus Äthiopien rügt Verhalten von Touristen gegenüber Einheimischen

Bischof Rodrigo Mejía Saldarriaga von Soddo (Südäthiopien).

Bischof Rodrigo Mejía Saldarriaga von Soddo (Südäthiopien).

Touristen sollen die Angehörigen afrikanischer Stämme nicht wie Objekte behandeln. Dies forderte Bischof Rodrigo Mejía Saldarriaga von Soddo (Südäthiopien) im Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

Es sei zwar verständlich, dass die Touristen Fotos mit exotischen Motiven mit nach Hause bringen möchten. Jedoch sollten sie “Menschen nicht als merkwürdige Objekte ansehen”.

Zudem ließen sich die Stammesangehörigen jedes Foto bezahlen. Dies scheine vordergründig “eine gute Sache” zu sein, es zerstöre jedoch die Arbeitsmoral der Menschen, da sie dadurch lernten, dass “man Geld verdienen kann, ohne zu arbeiten”.

Auf dem Gebiet des Apostolischen Vikariates im Süden Äthiopiens leben 16 verschiedene Stämme, von denen einige als die ursprünglichste ethnischen Gruppen der Welt gelten. Bekannt ist insbesondere der Stamm der Mursi, in dem es Sitte ist, dass sich verheiratete Frauen mit Lippentellern schmücken.

Lange Zeit hätten die Stämme jeglichen Kontakt mit der Zivilisation abgelehnt, erklärte der Bischof. Nun könnten sie durch den Bau der Panafrikana-Straße, die Kapstadt mit Kairo verbinden soll, die durch ihr Gebiet führt, den Kontakt mit der Außenwelt nicht mehr vermeiden. Sie hätten daher die Katholische Kirche gebeten, ihnen dabei zu helfen, sich darauf vorzubereiten.

Blick in die bescheidene Wohnung einer Familie. Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Erde. Etwa die Hälfte der Einwohner gilt als unterernährt.

Die Kirche helfe ihnen vor allem durch die Einrichtung von Kindergärten, die “das Tor zu weiterer Bildung eröffnen”, da der Besuch eines Kindergartens in Äthiopien verpflichtend sei und Kinder sonst keinen Zugang zur Grundschule haben, erläuterte Bischof Mejíja. Ebenso helfe ihnen die Kirche bei der Friedenserziehung, da es oftmals zu blutigen Kämpfen zwischen Viehbesitzern komme, die sich um Weide- und Wasserplätze streiten.

Das Apostolische Vikariat Soddo wurde erst im Januar 2010 durch die Teilung des Apostolischen Vikariats Soddo-Hosanna errichtet. Es ist etwa zweimal so groß wie Mecklenburg-Vorpommern. Auf diesem Gebiet leben 4,8 Millionen Menschen, von denen 128 000 katholisch sind.

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29.Sep 2011 10:38 · aktualisiert: 5.Jun 2012 11:57
KIN / T. Waitzmann