Kairo: “Angst um die Zukunft des Landes”

Tote und Verletzte bei Unruhen – Armee greift bei friedlicher Demonstration hart durch

Die koptische Al-Moallaka-Kirche in der Altstadt von Kairo.

Der Pressesprecher der katholischen Kirche in Ägypten, Pfarrer Rafic Greiche, hat der herrschenden Militärregierung die alleinige Schuld an den Gewaltausbrüchen am Sonntagabend in Kairo gegeben.

Greiche sagte gegenüber KIRCHE IN NOT, die ägyptische Armee hätte “einen mit Steinen, Schwertern, Stöcken und Gewehren bewaffneten Mob aus Straßenschlägern” gegen friedliche Demonstranten eingesetzt.

Bei den Ausschreitungen vom Sonntag (9. Oktober) waren nach Medienangaben mindestens 26 Menschen getötet worden, etwa 200 wurden verletzt. Die Gewalt war vor der Niederlassung des staatlichen Fernsehsenders in Kairo eskaliert, nachdem zuvor mehrere tausend koptische Christen gemeinsam mit gemäßigten Muslimen friedlich gegen die zunehmende islamistische Gewalt im Land demonstriert hatten.

Die ägyptische Polizei behauptet, dass die Demonstranten mit der Gewalt begonnen hätten, indem sie Steine auf Polizisten und Soldaten warfen, die das Gebäude bewachten. Im Internet kursieren dagegen Videos, auf denen zu sehen ist, wie Panzer der ägyptischen Armee in die Demonstranten rasten.

Wut unter der Kairoer Bevölkerung spürbar

Pfarrer Greiche sagte gegenüber KIRCHE IN NOT: “Die Gewaltanwendung durch die Armee war völlig unnötig – es handelte sich um eine vollkommen friedliche Demonstration.” Die Wut über die Ereignisse vom Sonntagabend sei in der gesamten Kairoer Bevölkerung spürbar.

“Das ist kein interreligiöses Problem! Selbst unter Mubarak durften wir friedlich demonstrieren”, rief Greiche aus. Das neue Regime des Premierministers Essam Sharaf stehe jedoch “solchen Formen der freien Meinungsäußerung feindlich gegenüber”.

Der Sprecher der katholischen Kirche im Land betonte abschließend: “Egal ob Christen oder Muslime: Wir Ägypter haben Angst um die Zukunft unseres Landes!”

In Ägypten leben 200 000 koptisch-katholische Christen, die mit Rom uniert sind, und rund acht Millionen koptisch-orthodoxe Christen. KIRCHE IN NOT unterstützt die Kopten in Ägypten und weist in Publikationen und Veranstaltungen auf deren schwierige Situation hin.

Am Mittwoch hat Papst Benedikt XVI. in seiner Generalaudienz für Opfer und Betroffenen der Unruhen in Ägypten gebetet. Er zeigte sich tier erschüttert über die Vorkommnisse und rief zum Schutz der Christen in Ägypten auf. Das Land brauche einen Frieden, der sich auf Gerechtigkeit, den Respekt der Freiheit und der Würde jedes Bürgers stütze.

So können Sie den Christen in Ägypten helfen:

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich.

Gebet für den Nahen Osten

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Gott, unser Vater, hab Erbarmen mit dem Nahen Osten.

Deine treuen Diener – jung und alt – sind aufgerufen, Christus zu bezeugen. Mögen sie in dieser aufregenden Zeit gestärkt werden, indem sie deinem geliebten Sohn nachfolgen, der in jener Zeit in ihrer jetzigen Heimat tätig war.

In Gemeinschaft mit unserem Papst Benedikt XVI. beten wir, dass Christen im Nahen Osten ihren Glauben in völliger Freiheit leben können. Ermutige sie, als Werkzeug des Friedens und der Versöhnung zu handeln – vereint mit allen Bürgern in ihren Ländern.

Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

(Gebet von Antonios Kardinal Naguib von Alexandria / Ägypten für KIRCHE IN NOT)

Diesen Text mit der Ikonenabbildung können Sie unentgeltlich als Gebetsblatt bei uns bestellen – entweder bequem in unserem Bestelldienst oder bei:
KIRCHE IN NOT
Lorenzonistraße 62
81545 München
Telefon: 089 – 64 24 888-0
Fax: 089 – 64 24 888 50
E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de

Schlagworte:
Ägypten · Christenverfolgung · Gewalt · Islam · Kairo · Kopten
10.Okt 2011 14:53 · aktualisiert: 5.Feb 2014 09:04
KIN / S. Stein