Ein Tag des Schreckens

Vor einem Jahr ereignete sich ein schreckliches Blutbad in einer Kirche in Bagdad

Die syrisch-katholische Kirche “Unsere Liebe Frau der Erlösung” in Bagdad am Tag nach dem Blutbad vom 31. Oktober 2010.

Die syrisch-katholische Kirche in Bagdad am Tag nach dem Blutbad vom 31. Oktober 2010.

Den 31. Oktober 2010 werden viele Christen im Irak nicht vergessen. Es begann mit einem normalen Gottesdienst am Sonntag, zu dem sich rund einhundert Christen in der syrisch-katholischen Kirche “Unsere Liebe Frau der Erlösung” versammelt hatten – und der Tag endete in einer Tragödie.

Während der Heiligen Messe stürmten plötzlich mit Sprengstoffgürteln und Granaten bewaffnete Männer in die Kirche und nahmen die Gottesdienstbesucher und die Priester als Geisel. Ihre Forderung: Freilassung von Al-Kaida-Mitgliedern, die zu jener Zeit im Irak und in Ägypten im Gefängnis saßen. Später wird sich der Al-Kaida-Ableger “Islamischer Staat” zu dem Überfall in Bagdad bekennen.

Geiseln berichten später, dass sie in ein Zimmer geschickt worden seien, dessen Türen und Fenster anschließend verschlossen wurden. Kurz danach sei der Strom in der Kirche ausgefallen.

Anfangs verhandelten die Geiselnehmer noch mit der Polizei. Später wurden Geiseln freigelassen, darunter 19 Nonnen. Gegen 20.50 Uhr stürmten jedoch Sicherheitskräfte die Kirche, bei dem es zu einem heftigen Schusswechsel kam. Die traurige Bilanz: über 50 Tote, darunter auch die beiden Gemeindepriester, und über 70 Verletzte. Fünf Terroristen seien getötet, weitere Verdächtige festgenommen worden, hieß es.

Bereits wenige Tage später kam es in Bagdad erneut zu Überfällen und tödlichen Angriffen auf die christliche Minderheit. In der irakischen Hauptstadt wurden mindestens 14 Sprengsätze innerhalb von zwei Stunden gezündet und der südwestliche Stadtbezirk Dora sei mit Mörsergranaten unter Beschuss genommen worden, berichtete das Innenministerium. Dora ist der Stadtbezirk, in dem die meisten Christen in der iraksichen Hauptstadt leben.

Schutt- und Trümmerberge vor der Kirche in Kirkuk.

Schutt- und Trümmerberge vor der Kirche in Kirkuk, die am 2. August 2011 bei einem Autobombenanschlag zerstört wurde.

Bis heute halten Angriffe auf Christen im Irak an. Immer wieder müssen wir von Bombenanschlägen auf kirchliche Einrichtungen oder Überfälle auf Gläubige berichten. Immer mehr Christen möchten das Land verlassen, weil sie sich einfach nicht mehr sicher fühlen. Viele fliehen in den vermeintlich sicheren Norden des Landes, doch auch in den Großstädten Mossul und Kirkuk kommt es immer wieder zu Anschlägen.

Aber es gibt auch Christen, die gerade wegen ihrer schlechten und gefährlichen Situation im Irak bleiben möchten. Ein Priesterseminarist aus Bagdad hat uns ein Gebet geschickt und darum gebeten, es mit seinen “deutschen Brüdern und Schwestern in Christus” teilen zu dürfen. Er fand seine Berufung mitten im irakischen Bürgerkrieg.

Der Priester, der seine Berufung geweckt und ihn bis ins Seminar begleitet hat, wurde bei dem Überfall in Bagdad am 31.10.2010 in seiner Kirche von Terroristen erschossen. Doch die Liebe überwindet den Tod: “Ich möchte die Pfarrei dieses Märtyrers übernehmen”, sagte uns der Seminarist. Er weiß, dass ihn dann sehr wahrscheinlich dasselbe Schicksal erwartet. “Aber niemals würde ich meinen Herrn am Kreuz allein lassen!”, schrieb er.

Gruppenfoto der Kommunionkinder.

Gruppenfoto der Kommunionkinder in Bagdad.

Das hat er bereits gezeigt: Der junge Priesterseminarist, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben muss, hat unter anderem während seiner Ferien 40 Kinder unterrichtet und auf die erste heilige Kommunion vorbereitet. “Dies ist unsere Heimat, und wir lassen uns nicht vertreiben!”, sagt er. Die Erstkommunionkinder seien eine “Saat des Friedens” für den Irak. “Christus ist unser Frieden und unsere Hoffnung, seine Botschaft kann unsere Gesellschaft verändern”, betont der Priesterseminarist.

Unterdessen hab der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, sich für die Aufnahme von weiteren 2000 bis 3000 christlichen Flüchtlingen aus dem Irak ausgesprochen. Es gehöre zu den pflichten von Christen, bedrängte Glaubensgenossen beizustehen, sagte er auf einem Kongress zum Thema “Christenverfolgung” in Schwäbisch Gmünd, bei dem auch KIRCHE IN NOT vertreten war.

Wir bitten weiterhin für die Unterstützung und Hilfe der Christen im Irak durch ihr Gebet und Ihre Spenden.

So können Sie den Christen im Irak helfen

Gebet für die Kirche im Irak

Blick vom Hormisdas-Kloster auf die Ninive-Ebene.

Blick vom Hormisdas-Kloster auf die Ninive-Ebene.

Beten wir gemeinsam mit ihm und allen irakischen Christen:
Oh Herr Jesus, gib mir die Kraft, mit Deiner Mutter Maria an Deinem Kreuz zu stehen.
Ich weiß, Herr, wie schwer es für Dich ist, an Deinem Kreuz alleine zu sein.

Hilf mir, bei Dir zu bleiben und bei denen, die Dich lieben. Ich weiß, Herr, wenn Du uns an Deinem Kreuz stehen siehst, wird es leicht für Dich sein, aufzuerstehen und uns das volle Leben mit Dir zu schenken. Unser Schicksal ist es, mit Dir aufzuerstehen und nicht am Kreuz festgenagelt zu bleiben.

Unser Glaube, unsere Hoffnung und unsere Liebe für Dich, oh Herr, möge das Kreuz in die Auferstehung verwandeln. Amen.

Diesen Text können Sie auch als kleines Gebetsblatt bei uns unentgeltlich bestellen.
KIRCHE IN NOT
Lorenzonistraße 62
81545 München
Telefon: 089 – 64 24 888-0
Fax: 089 – 64 24 888 50
E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de

oder ganz einfach in unserem Bestelldienst.

31.Okt 2011 10:13 · aktualisiert: 10.Jun 2014 11:58
KIN / S. Stein