Sudan: Bischöfe warnen vor einem Krieg

Konflikt in der umstrittenen Grenzregion von Nord- und Südsudan könnte eskalieren

Daniel Adwok, Weihbischof von Khartum.

Daniel Adwok, Weihbischof von Khartum.

Die katholischen Bischöfe des Nord- und Südsudan haben in einer gemeinsamen Erklärung vor einem Krieg zwischen beiden Ländern gewarnt. In dem Kommuniqué, das KIRCHE IN NOT vorliegt, bitten die Bischöfe die internationale Gemeinschaft darüber hinaus dringend um Hilfslieferungen.

Die sudanesische Bischofskonferenz hatte sich nach der Teilung des Landes entschlossen, weiterhin einheitlich aufzutreten und sich nicht in Nord und Süd aufzuteilen.

Die Bischöfe betonten, den Menschen in den umstrittenen Grenzregionen von Nord- und Südsudan fehle es an Nahrung und medizinischer Versorgung. In den Grenzgebieten würden Zivilisten seit Wochen durch Luftangriffe “terrorisiert”. Sie forderten daher die internationale Gemeinschaft zum Eingreifen auf, um die Kämpfe im Zentral- und Ostsudan zu beenden.

In ihrer Verlautbarung mit dem Titel “Die Kirche, die Gott von uns erwartet” schrieben die Bischöfe: “Der Krieg ist bereits ausgebrochen in den Staaten Blue Nile, Süd-Kordofan und Ost-Äquatoria.“ Sie betonten, dass gerade der Konflikt in der erdölreichen Region Abyei inzwischen mit erheblichem militärischem Einsatz geführt wird.

Flüchtlinge im Südsudan.

In einem Interview mit KIRCHE IN NOT sagte Weihbischof Daniel Adwok aus der nordsudanesischen Hauptstadt Khartum zu den Hintergründen des Konflikts: “Die Regierung des Nordsudan behauptet mit Blick auf die südsudanesischen Grenztruppen, sie müsse auf die Anwesenheit ‘feindlicher’ Soldaten an ihren Grenzen reagieren. Die südsudanesische Regierung dagegen sagt, sie müsse die Grenze zum Norden mit Kampfeinheiten überqueren, um Rebellenmilizen zu verfolgen.” Diese gegenseitigen Provokationen könnten nach Ansicht Adwoks nur auf eine Eskalation hinauslaufen.

Frauen aus dem Sudan in traditionellen Kleidern.

Frauen aus dem Sudan in traditionellen Kleidern.

In ihrer Erklärung appellierten die Bischöfe an die Vernunft der Verantwortlichen im Nord- und Südsudan und erinnerten an das schwere Erbe des sudanesischen Bürgerkriegs. Zwischen 1983 und 2005 waren dabei 2,5 Millionen Menschen getötet und fünf Millionen vertrieben worden.

Die Bischöfe betonten: “Wir warnen inständig davor, dass dieser Krieg wieder aufflammen könnte, falls die Menschen in den Konfliktregionen ignoriert werden.”

Unser Hilfswerk hat die Kirche in der Grenzregion zwischen Nord- und Südsudan mit einer Soforthilfe unterstützt. Das Geld kommt vor allem den von den Bischöfen betreuten Flüchtlingslagern zugute.

Wir bitten in Anbetracht des dramatischen Appells der sudanesischen Bischöfe weiterhin um Spenden für die wichtige Friedensarbeit der katholischen Kirche im Sudan.

So können Sie die Menschen im Sudan unterstützen:

KIN / S. Stein