Das Fatima und Lourdes Afrikas

Vor 30 Jahren gab es die ersten Marienerscheinungen im ruandischen Kibeho

Marienfigur im Wallfahrtsort Kibeho.

Marienfigur im Wallfahrtsort Kibeho.

Mitten im gebirgigen Südosten Ruandas ist einigen Kindern am 28. November 1981 zum ersten Mal die Muttergottes erschienen. Sie stellte sich ihnen als “Nyina wa Jambo”, das heißt “Mutter des Wortes”, vor. In dem Erscheinungsort Kibeho wird sie bis heute verehrt. Die Gegend ist eine der ärmsten Regionen in einem der ärmsten Länder.

Das Heiligtum, das 2003 von der katholischen Kirche offiziell anerkannt wurde, ist die erste Marienpilgerstätte in Afrika und steht in einer Linie mit europäischen Wallfahrtsorten wie Lourdes oder Fatima. Viele Menschen nehmen zum Teil tagelange Fußmärsche in Kauf, um ihre Anliegen vor die Gottesmutter zu bringen. Sie kommen nicht nur aus Ruanda, sondern auch aus anderen Ländern. Bis zu 30 000 Pilgernde sind es an Hochfesten.

In ihren Erscheinungen zwischen 1981 und 1989 rief die Gottesmutter die Menschen zu Umkehr, Buße und Gebet auf. Schon ein Jahr nach dem Beginn der Erscheinungen kam es zu der dramatischsten Vision, die nur ein Jahrzehnt später grausame Wirklichkeit werden sollte: Die Mädchen sahen einen Strom von Blut; Menschen, die einander töteten; zahllose unbegraben zurückgelassene Leichen, abgetrennte Köpfe …

Der Völkermord von 1994, dem innerhalb von 100 Tagen fast eine Million Menschen zum Opfer fielen, und auch das Massaker in der Nähe von Kibeho, bei dem ein Jahr später in einem Lager für Binnenflüchtlinge 8000 Menschen bestialisch getötet wurden, haben auf grausame Weise deutlich gemacht, wohin es führt, wenn Menschen Gott vergessen und sich dem Hass ergeben. Die Muttergottes hatte davor gewarnt.

Kibeho ist die erste Marienwallfahrtsstätte in Afrika. Viele Gläubige nehmen tagelange Fußmärsche in Kauf, um mit ihren Anliegen hierher zu kommen.

Kibeho ist die erste Marienwallfahrtsstätte in Afrika. Viele Gläubige nehmen tagelange Fußmärsche in Kauf, um mit ihren Anliegen hierher zu kommen.

Kibeho ist damit auch zu einem Mahnmal geworden, wo der Opfer gedacht wird und die Menschen, die in Ruanda leben, sich mit Gottes Hilfe vornehmen, dass so etwas nie wieder geschehen darf.

Der Ort Kibeho liegt in 1900 Metern Höhe – gerade in der Regenzeit wird es dort nachts kalt. Es ist kein Wunder, dass manche Pilger unterwegs krank werden. Andere kommen gerade deshalb zur Muttergottes, weil sie krank sind. Sie erhoffen sich, an dem Gnadenort endlich geheilt zu werden. Aber auch die gesunden Pilgernden benötigen Hilfe und Beistand.

In dem Wallfahrtsort steht aber Vieles noch am Anfang. Die Betreuung und Unterbringung der Pilgernden wird es langsam aufgebaut. In diesem Jahr haben wir beispielsweise den Bau einer Unterkunft für die vielen Pilgernden mit 20 000 Euro unterstützt.

Schlagworte:
Bürgerkrieg · Kibeho · Maria · Ruanda · Wallfahrt
KIN / S. Stein