Gott ist da – auch im Gazastreifen

Christen in der von Israel hermetisch abgeschnittenen palästinensischen Enklave

Schülerinnen und Ordensschwester in Gaza.

Schülerinnen und Ordensschwester in Gaza.

“Stark im Glauben zu sein, ist das beste Zeugnis, das wir geben können.” Mit diesenWorten ermutigt Pfarrer Jorge Hernández die wenigen Christen im Gazastreifen.

Immer wieder kommt es zu Übergriffen islamischer Extremisten. Der junge Pfarrer verweist gerne auf den Apostel Paulus und dessen harte Lebensbedingungen. Die Missionsarbeit des heiligen Paulus ist ihm ein Beispiel. Seit zwei Jahren ist der aus Argentinien stammende Priester in der Pfarrei zur Heiligen Familie in Gaza tätig. Rund 1,5 Millionen Menschen, darunter 3000 Christen, leben hier.

Aber in der von Israel hermetisch abgeschlossenen palästinensischen Enklave am Mittelmeer finden sie keine Arbeit, können die Region aber auch nicht verlassen. Es ist ein karges Leben in einem 40 Kilometer langen und sechs bis 14 Kilometer breiten Käfig. “Die Not der Menschen und die Demütigungen, die sie tagtäglich erleben, auch wegen der Blockade, sind unerträglich”, so Pfarrer Hernández.

Und doch nehmen die Christen die Situation an, beten und bemühen sich um ein aufrechtes und aufrichtiges Leben. “Das ist schließlich ihre Heimat. Ihre Angehörigen sind hier begraben. Und Gott ist da. Der Heilige Geist hilft allen, das Leben hier wirklich anzunehmen.”

Das geht nicht immer. “Während des Krieges vor drei Jahren starben einige Mädchen an Herzversagen. Bis heute reagieren viele Kinder auf Flugzeuglärm angstvoll und geradezu panisch”, berichtet Schwester Davida vom Orden der Rosenkranzschwestern.

Davida, Martina und Bertilla: Rosenkranzschwestern aus dem Gazastreifen.

Davida, Martina und Bertilla: Rosenkranzschwestern aus dem Gazastreifen.

Der Orden unterhält im Gazastreifen eine Schule für insgesamt 630 Schülerinnen und Schüler. Die Schule steht allen Kindern unabhängig von Religion oder Konfession offen und genießt hohes Ansehen. Zwei Schulen führt auch die Pfarrei zur Heiligen Familie von Pfarrer Hernández.

Sie werden vom lateinischen Patriarchen in Jerusalem verantwortet. Zurzeit haben sie 1 100 Kinder und Jugendliche. Auch hier kommt die überwiegende Mehrzahl der Mädchen und Jungen aus muslimischen Familien. Im vergangenen Jahr erzielten Absolventen dieser Schulen die besten Ergebnisse im gesamten Gazastreifen. Jetzt bitten die Schulen uns um Bücher.

Graffito mit Friedenstaube und dem Wunsch nach einem freien Palästina.

Graffito mit Friedenstaube und dem Wunsch nach einem freien Palästina.

Gefragt sind zudem weitere Sozialinitiativen: die Betreuung von traumatisierten Menschen,
von Menschen mit Behinderung und alten Menschen. In Gaza kümmern sich vier Schwestern vom Orden Mutter Teresas um etwa zwei Dutzend Rentner, denen das Nötigste fehlt. Sie stehen für ein wachsendes Problem: die zunehmende Altersarmut.

Deshalb brauchen sie von uns auch einen Kleinbus, damit die alten Leute auch am Gemeindeleben teilnehmen können. Aufgrund der extremhohen Arbeitslosigkeit und mangelnder Perspektiven verlassen jüngere Palästinenser, wann immer es geht, den Landstrich am Mittelmeer. Zurück bleiben Kinder, Jugendliche und alte Menschen.

Ganz besonders am Herzen liegt Pfarrer Hernández die Jugendpastoral. Vor allem wegen der harten Lebensumstände sei es wichtig, Kinder und Jugendliche zu begleiten. “Sie haben Hoffnung”, sagt er nachdenklich und schaut auf den Katechismus in seiner Hand, “aber sie dürfen die Freude am Leben nicht verlieren”.

So können Sie den Christen im Nahen Osten helfen:

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich.

29.Nov 2011 09:45 · aktualisiert: 30.Nov 2011 11:55
KIN / S. Stein