“Die Menschen erwarten von Priestern alles”

Über die Herausforderungen der Seelsorge in der Demokratischen Republik Kongo

Vincent de Paul Kwanga Njubu, Bischof von Manono.

Vincent de Paul Kwanga Njubu, Bischof von Manono.

“Die Kirche ist für die Menschen ein Zufluchtsort und Zeichen der Hoffnung.“ Mit diesen Worten hat der Bischof von Manono, Vincent de Paul Kwanga Njubu, im Südosten der Demokratischen Republik Kongo auf die wachsende Bedeutung der Kirche in dieser Krisenregion hingewiesen.

“Wir brauchen einen Neuanfang für die Menschen. Wir wollen die Diözese wieder aufbauen, unsere Kirchen und Kapellen”, betonte Bischof Kwanga Njubu bei einem Besuch von KIRCHE IN NOT.

In dem an Rohstoffen reichen Osten der Demokratischen Republik Kongo ringen seit Jahren verschiedene Interessengruppen um Einfluss und Macht. Bei mehrfach wechselnden Koalitionen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit führten Regierungstruppen und Milizen einen blutigen Krieg, an dem sich auch die Nachbarländer beteiligten.

Die Bevölkerung wurde terrorisiert, Vergewaltigungen und Plünderungen waren an der Tagesordnung. Selbst Fälle von Kannibalismus wurden bekannt. Die seelischen und materiellen Schäden sind immens. Tausende sind traumatisiert; allein in der Diözese Manono wurden Dutzende Kirchen und Gebäude zerstört.

“Die Menschen erwarten von den Priestern alles”, so Bischof Kwanga Njubu, der das Bistum Manono seit 2005 leitet. Mit ihren Anliegen würden sie sich an die Kirche wenden. Rund 200 000 Gläubige leben in der Region, 22 Priester und drei Ordensfrauen sind in der Seelsorge tätig.

Ordensschwestern aus der Demokratischen Republik Kongo.

Ordensschwestern aus der Demokratischen Republik Kongo.

Zusammen mit ihrem Bischof stehen sie vor enormen Aufgaben: Die Kirche sucht den von Gewalt und Terror gezeichneten Menschen einen Neuanfang zu ermöglichen, eine halbwegs intakte medizinische Versorgung zu organisieren sowie zerstörte Kirchen und Gemeinde- und Sozialzentren wieder aufzubauen.

Für Bischof Kwanga Njubu unverzichtbar ist vor allem die Stärkung der Priester, die ebenso unter Krieg und Terror zu leiden hatten. Exerzitien sollen ihnen helfen, ihre Berufung mit neuem Elan zu leben. KIRCHE IN NOT unterstützt dieses Projekt. 2012 ist zudem eine Diözesansynode geplant.

Bischof Kwanga Njubu will die Seelsorge und Verkündigung fördern, um ein friedliches Zusammenleben im Geist des Evangeliums zu erneuern. Dazu gehört ein weiteres Projekt: Im alten, während des Krieges zerstörten Bischofshaus soll ein kleines Seminar entstehen. Bischof Kwanga Njubu: “Dort können Jugendliche echtes kirchliches Leben kennen lernen und manche werden eine mögliche Berufung entdecken.”

1.Dez 2011 10:02 · aktualisiert: 1.Dez 2011 10:05
KIN / S. Stein