Nigeria: nicht nach Religionen teilbar

Erzbischof John Olurunfemi Onaiyekan im Gespräch mit KIRCHE IN NOT

John Onaiyekan, Erzbischof von Abuja / Nigeria.

Der Erzbischof von Abuja, John Olurunfemi Onaiyekan, hat im Gespräch mit unserem Hilfswerk  Mediendarstellungen kritisiert, denen zufolge Nigeria vor einem Bürgerkrieg zwischen Muslimen und Christen stehen soll. Ebenso sei es falsch, die Christen einerseits als „hilflos“ oder andererseits als „bereit, sich mit Waffengewalt zu verteidigen“, darzustellen, wie es in vielen Berichten geschehe.

Ebenso wies er den immer wieder geäußerten Vorschlag zurück, das westafrikanische Land nach Religionen in zwei unabhängige Staaten zu teilen. Dieses Vorhaben sei „sinnlos“. Die Durchführung würde das Land in noch größere Probleme stürzen. Es sei „ohnehin irrig, vom islamischen Norden und christlichen Süden zu sprechen“. „Sogar viele Familien bestehen zur Hälfte aus Muslimen, zur Hälfte aus Christen. Nigeria kann nicht nach Religionen geteilt werden. Christen und Muslime gehen gemeinsam in die Schule, zum Markt, zur Arbeit, sie dienen zusammen in der Armee. Sie sind dort, wo sie leben, aufgewachsen. Man kann nicht auf einmal alle Muslime in den Norden und alle Christen in den Süden umsiedeln und das Land teilen“, so der Erzbischof.

Die islamistische Boko Haram-Gruppierung, die für die Bombenanschläge auf Kirchen am vergangenen Weihnachtsfest verantwortlich ist, bezeichnete Onaiyekan als „Terroristen, die jedem in Nigeria Probleme bereiten, der sich ihnen in den Weg stellt.“ Sie beanspruchten für sich, im Namen des Islam zu handeln, jedoch sei das Töten Unschuldiger gegen den Islam. Es sei erfreulich, dass acht Imame zentraler Moscheen in Abuja den Erzbischof nach den Anschlägen aufgesucht und ihm kondoliert haben. Ebenso habe er zahlreiche Beileidsschreiben von Muslimen erhalten.

Onaiyekan forderte die nigerianische Regierung auf, ihrer Pflicht nachzukommen und für Sicherheit zu sorgen. Zugleich rief er die nigerianischen Christen dazu auf, sich nicht zu Rachegedanken hinreißen zu lassen. „Jesus Christus würde es nicht wollen, dass wir Vergeltung üben“, betonte er. Die Christen in aller Welt bat er darum, für den Frieden in Nigeria zu beten.

4.Jan 2012 17:52 · aktualisiert: 4.Jan 2012 17:53
KIN / T. Waitzmann