Zerstörung ohne Vorwarnung

Kirchliches Zentrum mit Altenheim und Kapelle in Lahore niedergerissen

Emmanuel Yousaf in einem Interview.

Emmanuel Yousaf in einem Interview.

In der nordostpakistanischen Erzdiözese Lahore hat die Regierung der Provinz Punjab in dieser Woche ein Zentrum in kirchlicher Trägerschaft widerrechtlich abreißen lassen. Dies teilte Pater Emmanuel Yousaf, der Vorsitzende der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden gegenüber KIRCHE IN NOT mit.

In dem Gebäudekomplex waren ein Altenheim, eine Mädchenschule und eine Kapelle untergebracht. Er sei unter der Aufsicht des höchsten Beamten der Lokalregierung, unter Polizeischutz und mit schweren Geräten niedergerissen worden, so Yousaf. Berichten zufolge wurden auf dem Grundstück zudem sieben kleine von armen Menschen bewohnte Häuser durch die Bagger abgebrochen, obwohl sie noch ihr Hab und Gut in den Häusern hatten.

Der rechtmäßige Eigentümer des Grundstücks ist ein gemeinnütziger Verein, der von Priestern und Laien unterschiedlicher christlicher Minderheiten gegründet wurde und dessen Vorsitz der katholische Bischof von Lahore hat. Yousaf erklärte, dass sie vorab nicht über dieses Vorhaben informiert worden seien.

Der Bischof von Lahore, Sebastian Shaw, spricht sogar von einer “kriminellen Aneignung von Landbesitz” durch die Regionalregierung des Bundesstaates Punjab. “Wie kann die Regierung so brutal vorgehen und eine gemeinnützige Einrichtung sowie das Leben der Bewohner zerstören?”, fragt er protestierend in einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

Emmanuel Yousaf und ein Franziskaner vor den Trümmern.

Emmanuel Yousaf und ein Franziskaner stehen erschüttert vor den Trümmern der kirchlichen Einrichtung.

Auch wenn die Betreiber der Einrichtung eine Eigentumsurkunde vorlegen konnten, sei ihnen von dem Regierungsbeamten mitgeteilt worden, der Gebäudekomplex sei in das Eigentum der Regierung der Provinz Punjab übergegangen.

Bereits seit 2007 gebe es einen Rechtsstreit um das seit 1887 bestehende Zentrum. Es wurde vom Staat widerrechtlich enteignet, nachdem eine zum Islam konvertierte Frau, die die Hilfe in der Einrichtung in Anspruch genommen und in dem Zentrum gewohnt hatte, Eigentumsrechte auf die von ihr bewohnten Räumlichkeiten erhoben hatte.

“Das Gericht versagt aufgrund von Verzögerungen und religiös bedingter Voreingenommenheit, uns Hilfe zu leisten, obwohl wir alle Dokumente haben, die beweisen, dass das Zentrum der Caritas gehört”, erklärte Pater Yousaf.

Bischof Max J. Rodrigues von Hyderabad, der Pfarrer und Ordensschwestern in der beschädigten Marienkirche in Sukkur Sindh. Das Gotteshaus wurde 2006 von islamistischen Fundamentalisten nahezu komplett zerstört.

Christen in Lahore haben in dieser Woche friedlich gegen den Abriss des Gebäudekomplexes und das Beschlagnahmung des Grundstücks demonstriert.

Emmanuel Yousaf rief die Christen in aller Welt dazu auf, für die pakistanischen Christen zu beten. Er erklärte, es sei hilfreich, wenn Christen in der westlichen Welt sich an die Politiker ihrer Länder wenden würden, um an sie zu appellieren, im Gespräch mit ihren pakistanischen Kollegen eine Lösung der Probleme der religiösen Minderheiten einzufordern.

In Pakistan leben 185 Millionen Menschen. Die Bevölkerung gehört überwiegend dem Islam an. Nur rund zwei Prozent sind Christen. Die Minderheit wird vernachlässigt, unterdrückt oder auch tätlich angegriffen, wie uns Bischöfe häufig berichten.

Ihre Hilfe für die Menschen in Pakistan:

13.Jan 2012 12:57 · aktualisiert: 18.Feb 2014 20:43
KIN / S. Stein