Das geistliche Herz Kubas

Wie die Jungfrau von Cobre die Geschichte des Karibikstaates prägt

Maria von El Cobre, ein nationales Heiligtum in Kuba.

“Sie ist das geistliche Herz aller Kubaner.” So nennt Dionisio Garcia Ibanez, der Erzbischof von Santiago de Cuba, das Bild der Jungfrau von Cobre. “Es ist selbst für Nichtgläubige ein Symbol kubanischer Nationalität und Kultur.”

In der Tat, das kleine Gnadenbild der Gottesmutter und die Insel haben eine besondere Beziehung, eine gemeinsame Geschichte. Marias Fürsprache wird der Sieg gegen die Spanier im spanisch-amerikanischen Krieg 1898 und damit die Unabhängigkeit von Spanien zugeschrieben.

Papst Benedikt XV. ernannte Unsere Liebe Frau der Nächstenliebe zur Schutzpatronin Kubas; das Volk verehrte sie auch während der kommunistischen Diktatur. Der selige Papst Johannes Paul II. krönte die Jungfrau bei seinem Besuch 1998.

Die Verehrung nimmt zu. Alljährlich pilgern mindestens eine halbe Million Menschen zum Nationalheiligtum in Cobre. Und seit anderthalb Jahren “besucht” das nur 30 Zentimenter große Gnadenbild aus Anlass seines Funds vor vierhundert Jahren alle Diözesen der Insel.

Kathedrale von El Cobre

Hier wird das Heiligtum aufbewahrt: die Kathedrale von El Cobre.

Gefunden wurde es von den eingeborenen Zwillingsbrüdern Juan und Rodrigo de Hoyos und dem kleinen Jungen Juan Moreno in der Bucht von Nipe. Dort sollten sie Salz holen. Da es jedoch stürmte, warteten sie ab. Als sich nach drei Tagen der Sturm gelegt hatte, trieb ihnen auf einem Balken die kleine Marienfigur entgegen. Sie war völlig trocken, und auf dem Sockel stand: “Ich bin die Jungfrau der Nächstenliebe”.

Die Freude war groß, der Empfang in Cobre überschwänglich. Man baute einen Altar und eine Kapelle, seither sind die Wallfahrten zur Jungfrau der Nächstenliebe nicht abgerissen. Später entstanden eine Kirche, ein Exerzitienhaus, ein Pilgerzentrum, ein kleines Konventgebäude der kontemplativen Missionsschwestern der Nächstenliebe, ein Tagungshaus, das auch heute noch das einzige Bildungshaus der Kirchenprovinz ist.

Seit mehr als einem halben Jahrhundert wurde jedoch nichts renoviert. Teilweise wurden die Häuser von den Kommunisten zweckentfremdet. Die Jungfrau aber blieb, und die Kubaner blieben ihr treu. Erst jetzt kann man an eine Sanierung denken. Mit einer Kampagne unter dem Motto “Von jedem Kubaner einen Peso – für die Jungfrau von Cobre” hoffen die Bischöfe, wenigstens zehn Prozent der Kosten für die Renovierung des Wallfahrtzentrums hereinzuholen. Weitere Spenden erhofft man sich von Exilkubanern. Auch uns haben sie um Hilfe gebeten (100.000 Euro).

Prozession mit der kleinen Marienstatue

Das Gnadenbild ist anlässlich des Jubiläums auf einer dreijährigen "Pilgerreise" durch alle Diözesen Kubas.

Die Treue zur Jungfrau soll sich in einer stärkeren Präsenz in der Gesellschaft zeigen; und das nicht nur im Wallfahrtsort selbst, sondern auch in Prozessionen, wie jetzt bei der dreijährigen Pilgerreise des Gnadenbilds durch alle Diözesen. Das ist Neu-Evangelisierung konkret. Denn viele der elf Millionen Kubaner sind durch das halbe Jahrhundert Kommunismus der Kirche und der Gottesmutter entfremdet.

Zwar kommen täglich hunderte Kubaner nach Cobre, aber die Jungfrau wartet nicht nur, sie kommt selber zu allen – wie damals vor 400 Jahren, um die Liebe zu verkünden. Heute braucht die Geschichte uns. Hören wir auf den Ruf!

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KIN / S. Stein