“Katholiken werden benachteiligt”

Erzbischof berichtet von zunehmender Islamisierung in Bosnien-Herzegowina

Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof von Sarajevo.

Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof von Sarajevo.

Katholiken sollen in Bosnien und Herzegowina gleichberechtigt behandelt werden. Dies hat Vinko Kardinal Puljic, der Erzbischof von Sarajevo, bei einem Besuch bei KIRCHE IN NOT gefordert.

Katholiken würden systematisch auf dem Arbeitsmarkt, in Schulen und in anderen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens benachteiligt. Ziel sei es, sie dazu zu bewegen, das Land zu verlassen, so der Bischof.

Kirchliche Grundstücke und Gebäude, die in der Zeit des Kommunismus konfisziert wurden, würden nicht zurückerstattet, Baugenehmigungen für Kirchen jahrelang hinausgezögert. Die Regierung habe „kein Interesse daran, der katholischen Kirche ihr Eigentum zurückzugeben“. Zugleich würde muslimisches Eigentum zurückerstattet.

Mit Sorge beobachtet der 66-jährige Kardinal die zunehmende Islamisierung in Bosnien-Herzegowina. Mit “Petrodollars” aus Saudi-Arabien würden vielerorts muslimische Zentren und Moscheen gebaut. Allein in Sarajevo seien in den vergangenen Jahren mindestens 70 Moscheen neu entstanden.

Es gebe in dem Land bereits 3000 bis 5000 Wahhabiten (Anhänger einer radikalen sunnitischen Glaubensrichtung, die in Saudi-Arabien Staatreligion ist), die versuchten, Einfluss in der Gesellschaft zu gewinnen. „Niemand aus der Regierung hat den Mut, sich dieser Entwicklung entgegenzustellen“, so Puljic.

Einsatz für ein friedliches Miteinander

Die katholische Kirche sei die einzige Kraft in der Gesellschaft, die sich für ein gleichberechtigtes und friedliches Miteinander der verschiedenen Volksgruppen und Religionen einsetze, so der Kardinal. „Wir sind eine Minderheit, aber wir sind eine konstruktive Kraft, die etwas zum Gelingen der Gesellschaft beitragen will.“

40 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Islam, rund 31 Prozent gehören der Serbisch-Orthodoxen Kirche an. Die Übrigen gehören anderen Religionsgemeinschaften an. Katholiken machen noch rund zehn Prozent aus. Von den 820 000 Katholiken, die vor dem Krieg zwischen 1992 und 1995 in Bosnien-Herzegowina lebten, sind nur noch 460 000 übrig geblieben. Die Auswanderungswelle hält weiter an.

20.Jan 2012 14:39 · aktualisiert: 28.Mai 2014 14:38
KIN / S. Stein