Der Kirche den Maulkorb abnehmen

Ehemals enteignete Kirche soll wieder wie ein Gotteshaus aussehen

Die katholische St.-Josef-Kirche in Dnjepropetrowsk.

Die katholische St.-Josef-Kirche in Dnjepropetrowsk.

Die römisch-katholische St.-Josef-Kirche in der ostukrainischen Stadt Dnjepropetrowsk soll wieder wie ein Gotteshaus aussehen. Dazu soll sie noch in diesem Monat von ihrer zu Sowjetzeiten errichteten Fassade befreit werden, berichteten Pater Grzegorz Romanowicz, der Vizeprovinzial der Kapuziner in der Ukraine, und Pater Blazej Suska, bei einem Besuch von KIRCHE IN NOT.

Das Gotteshaus, das 1949 von den sowjetischen Kommunisten enteignet und erst 2009 nach einem langen Rechtsstreit der katholischen Kirche zurückerstattet wurde, war in kommunistischer Zeit mit einer Fassade versehen worden, die sie zu einem „Monument des Kommunismus“ gemacht habe, so Romanowicz.

„Die Kirche sieht nicht wie ein Gotteshaus aus. Sie trägt sozusagen eine Maske. Sie wurde verkleidet. Diese Maske wollen wir ihr abnehmen. Viele Menschen haben bislang das Gebäude von außen gar nicht als Kirche erkannt“, erklärte er.

Die Fassade sei gewissermaßen ein „Maulkorb für die Kirche“ gewesen, um sie zum Schweigen zu bringen, fügte Pater Suska hinzu, der für die Bauarbeiten verantwortlich ist. Nun solle die Kirche „ihre Identität zurückgewinnen“.

Die St.-Josef-Kirche von Dnjepropetrowsk war in den Jahren vor ihrer Rückerstattung immer wieder Gegenstand medialer Berichterstattung geworden, da die damaligen Eigentümer die Priester bedroht und friedlich für eine Rückgabe des Kirchengebäudes demonstrierende Gläubige, darunter auch ältere Frauen, durch Sicherheitsleute tätlich angreifen ließen. Im August 2009 ging das Gotteshaus nach jahrelangen Kämpfen mit den Behörden wieder in das Eigentum der römisch-katholischen Kirche über.

13.Feb 2012 09:53 · aktualisiert: 13.Feb 2012 09:54
KIN / S. Stein