Ukraine: Erzbischof beklagt Zerfall der Familien

Ehemaliger Papstsekretär spricht über die Glaubenssituation in der Ukraine

Mieczyslaw Mokrzycki, Erzbischof von Lemberg / Ukraine.

Mieczyslaw Mokrzycki, Erzbischof von Lemberg / Ukraine.

Der Erzbischof von Lemberg, Mieczyslaw Mokrzycki, hat im Gespräch mit unserem Hilfswerk die wachsende Zahl zerbrochener Familien in der Ukraine beklagt.

Vor allem nehme das Problem der sogenannte „Eurowaisen“ zu. Damit seien Kinder gemeint, die in der Ukraine zurückbleiben, wenn ihre Eltern in den Westen gehen, um dort Geld zu verdienen. Die Zahlen von Ehescheidungen und Abtreibungen seien ebenfalls hoch. Der Mangel an Geborgenheit, unter dem die Kinder zu leiden hätten, führe neben anderen Problemen auch zu einer Zunahme des Drogenmissbrauchs.

Nach der Zeit des atheistischen Kommunismus seien viele Menschen desorientiert, erklärte der Erzbischof. Viele suchten Hilfe in Wahrsagerei oder Astrologie. Es sei jedoch zu beobachten, dass sie auf der Suche seien. „Die Menschen im Osten sind von Natur aus religiös. Wenn sie an einer Kirche vorbeikommen, bekreuzigen sie sich. Aber viele haben die Glaubenswahrheiten nicht tiefer kennen gelernt“, so Mokrzycki.

Erfreulich sei, dass viele junge Menschen, vor allem Studenten, an kirchlichen Treffen teilnähmen, weil sie „ihr Leben gut gestalten, Gottes Gegenwart in ihrem Leben erkennen und inneren Frieden finden“ wollen.

Für das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene „Jahr des Glaubens“ plane die römisch-katholische Kirche in der Erzdiözese Lemberg zahlreiche Initiativen zur Stärkung des Glaubens, darunter auch Fußwallfahrten. An diesen Wallfahrten bestehe ein starkes Bedürfnis, da die Gläubigen „gern beten und singen“ betonte der Erzbischof. Das ganze Jahr werde der Vertiefung des Glaubens dienen.

Erzbischof Mieczyslaw Mokrzycki war früher Sekretär Papst Johannes Paul II. und Benedikt XVI. 2009 war er zu Gast bei unserem Begegnungstag in Berlin zum zwanzigsten Jahrestag des Mauerfalls.

KIN / T. Waitzmann