Koptischer Papst Schenuda III. gestorben

Patriarch der koptisch-orthodoxen Kirche stirbt im Alter von 88 Jahren

Die “Hängende Kirche”, Sitz des koptischen Patriarchen in Kairo.

Am Samstag ist das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, Papst Schenuda III., gestorben. Er war seit 1971 an der Spitze der Kopten. Medienberichten zufolge ist er an einem Nierenversagen gestorben.

Schenuda III. kam am 3. August 1923 als Nasir Gajed in der südägyptischen Stadt Assiut zur Welt. Als er 31 Jahre alt war, ging er ins Kloster St. Antonius, wo er sechs Jahre lebte. Nach dem Tod von Patriarch Cyrilos VI. wurde Schenuda 1971 zu dessen Nachfolger gewählt.

Schenuda III. bemühte sich nicht nur um den Schutz der koptischen Minderheit in Ägypten, sondern auch um einen guten Kontakt zur Regierung und mit den Muslimen. Er war bei Christen und Muslimen gleichermaßen eine beliebte und anerkannte Persönlichkeit.

Dennoch kam es in der Vergangenheit zu Angriffen auf koptische Kirchen. In der Nacht zum Jahreswechsel 2010/2011 explodierte eine Bombe vor einer Kirche in Alexandria. Dabei kamen über 20 Menschen ums Leben. Auch im Mai 2011 hatten Unbekannte Kirchen in Brand gesteckt. Koptische Bischöfe berichten uns immer wieder, dass Christen nicht immer ihre Religion frei ausleben können oder auch bedroht werden.

Trotzdem betonen die Ägypter, dass sie unabhängig von ihrer Glaubensrichtung zusammengehören. Dies zeigten sie auch, als Christen und Muslime im vergangenen Jahr zum Teil gemeinsam auf dem Tahrir-Platz in Kairo für Freiheit und Demokratie demonstrierten und den Rücktritt von Präsident Husni Mubarak forderten.

Papst Benedikt XVI. kondolierte am Sonntag in einer Mitteilung, dass die katholische Kirche den Schmerz der koptisch-ortohodoxen Kirche teile. Er werde um Gottes treuen Diener beten, sagte er.

Ein Kind erhält während eines koptischen Gottesdienstes die Kommunion.

Ein Kind erhält während eines koptischen Gottesdienstes die Kommunion.

Der Bischof der koptischen Christen im deutschen Sprachraum, Anba Damian, hat die Nachricht vom Tod von Papst Schenuda III. mit Bestürzung aufgenommen. In einem Interview mit Radio Vatikan stellte Anba Damian die Weisheit des verstorbenen koptischen Oberhauptes heraus.

“Es gelang ihm, zur richtigen Zeit zu sagen, was zu sagen war, ohne dabei seine Kirche in Gefahr zu bringen. Er hatte eine außerordentliche Weisheit in seiner Wortwahl, und zu jedem Anlass konnte er genau entscheiden, ob Reden zu diesem Anlass das Richtige war, oder ob es nicht besser war zu schweigen”, so Anba Damian. Vom kommenden koptischen Papst wünsche er sich, dass er Wissenschaft und Spiritualität vereine, das reiche Erbe der koptischen Kirche pflege und die Ökumene fördere.

Der Menschenrechtsexperte von KIRCHE IN NOT, Berthold Pelster, sagte in einem Interview mit dem Münchner Kirchenradio, dass der zukünftige Patriarch den Dialog mit den Muslimen in Ägypten weiterführen solle. Der deutliche Wahlgewinn islamistischer Parteien bei den Parlamentswahlen lasse befürchten, „dass die Islamisierung weiter voran schreiten wird“, so Pelster.

Weltweit gehören etwa zehn Millionen der koptisch-orthodoxen Kirche an, davon acht Millionen in Ägypten. Sie sind damit die größte christliche Minderheit im Nahen Osten.

So können Sie den Christen in Ägypten helfen:

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich.

Gebet für den Nahen Osten

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Gott, unser Vater, hab Erbarmen mit dem Nahen Osten.

Deine treuen Diener – jung und alt – sind aufgerufen, Christus zu bezeugen. Mögen sie in dieser aufregenden Zeit gestärkt werden, indem sie deinem geliebten Sohn nachfolgen, der in jener Zeit in ihrer jetzigen Heimat tätig war.

In Gemeinschaft mit unserem Papst Benedikt XVI. beten wir, dass Christen im Nahen Osten ihren Glauben in völliger Freiheit leben können. Ermutige sie, als Werkzeug des Friedens und der Versöhnung zu handeln – vereint mit allen Bürgern in ihren Ländern.

Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

(Gebet von Antonios Kardinal Naguib von Alexandria / Ägypten für KIRCHE IN NOT)

Diesen Text mit der Ikonenabbildung können Sie unentgeltlich als Gebetsblatt bei uns bestellen – entweder bequem in unserem Bestelldienst oder bei:
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19.Mrz 2012 11:19 · aktualisiert: 20.Mrz 2012 12:39
KIN / S. Stein