Die geistliche Zukunft Mexikos fördern

Ein Beispiel unserer Hilfe in dem lateinamerikanischen Schwellenland

Junger Priester aus Mexiko.

Junger Priester aus Mexiko.

In Mexiko-Stadt muss ein Priester über 4000 Gläubige betreuen. Aber er muss auch andere Herausforderungen in der Hauptstadt Mexikos meistern.

Der Rektor des Priesterseminars „Redemptoris Mater“, Sebastiao de Matos Felix, sagt: „Eine Stadt mit neun Millionen Einwohnern und 20 Millionen in der gesamten Metropolregion ist geprägt durch Stress und Verzweiflung, viele Autos, das Fehlen städtischer Lebensverhältnisse, einen unzureichenden Service an öffentlichen Verkehrsmitteln sowie durch Korruption in den verschiedenen Bereichen öffentlicher Dienstleistungen.“

Derzeit bereiten sich 15 Männer in dem Seminar auf ihre Aufgaben als Priester vor. Sie hoffen Jahr um Jahr darum, ihre Ausbildung weiterführen zu können. Das Priesterseminar hat jährliche Ausgaben von 140.000 US-Dollar (rund 105.000 Euro) und kann diese Summe nicht selbst aufbringen; es ist daher auf Spenden angewiesen. Wie wichtig der Dienst des Seminars ist, zeigen die Berufungsgeschichten der Priesteramtskandidaten José und Miguel.

Die Berufungsgeschichte von José

José studiert im sechsten Semester Katholische Theologie. Seine Schwester ist im Orden der Heilig-Geist-Schwestern und sein Bruder wird bald zum Diakon geweiht. Er erzählt:

„Gott ließ mich in einer praktizierenden katholischen Familie in Guadalajara aufwachsen. Als ich etwa elf Jahre alt war, lernte mein Vater einen Priester kennen, mit dem wir uns oft trafen und bei dem ich zum ersten Mal den Ruf zum Priestertum spürte, um diesen dann aber zu vergessen.

Als ich mein Abitur machte, fragte ich mich, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Ich war ein guter Schüler und hatte viele Freunde und Nachbarn. Aber ich fühlte mich dennoch leer und dachte daran, diese Leere mit einer verantwortlichen Partnerschaft zu füllen. Ich verlobte mich, und obwohl die ersten Monate intensiv waren, und wir unsere Beziehung immer tiefer lebten, fühlte ich erneut eine Leere und Unzufriedenheit.

Dieses Gefühl wurde so stark, dass ich in Trübsal verfiel. Alles wurde eine Routine ohne Sinn: Ich stand morgens auf und fragte mich: Was kommt nun? Wofür lebe ich? Um zu essen und ein Haus zu haben und dann zu sterben?

Seminaristen aus Mexiko-Stadt mit Kardinal Norberto Rivera Carrera.

Seminaristen aus Mexiko-Stadt mit Kardinal Norberto Rivera Carrera.

Als ich merkte, dass mir niemand eine zufriedenstellende Antwort auf diese Fragen geben konnte, wurde ich innerlich wie tot. In dieser existenziellen Situation hörte ich einen Vortrag in meiner Gemeinde, der mein Leben um 180 Grad drehte. Ich verstand auf einmal, dass Gott mich liebt und dass er seinen Sohn in die Welt sandte, damit dieser für mich am Kreuz starb. Er gab sein eigenes göttliches Leben für mich hin, damit ich nicht sterbe.

Diese Erkenntnis weckte in mir den Wunsch, nicht nur für mich zu leben. Rückblickend denke ich, dass es der Heilige Geist war, der in meinem Herzen handelte und mir den Entschluss eingab, nur für Gott zu leben. Heute genieße ich es, mein Leben für Christus und die Botschaft des Evangeliums zu geben, und mich darauf vorzubereiten, in irgendeinem Teil der Welt als Missionar zu arbeiten.

Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die wie ich fragen: ‚Wohin bin ich gesandt?‘ Und ich sage zum Herrn: ‚Herr, auch wenn ich schwach bin: Sende mich!‘

Die Berufungsgeschichte von Miguel

Der 26-jährige Seminarist Miguel weiß um die Probleme in seinem Land. „Mexiko ist voller Gewalt, Drogenhandel und Entführung — ein Land, in dem das Christentum von einem Teil der liberalen Regierung verfolgt wird, die gegen das Leben und die Liebe regiert“, sagt er.

Er kennt die Gefahren für einen Katholiken in einer säkularisierten Umwelt. Er selbst führte trotz eines stabilen christlichen Umfelds ein ungesundes Doppelleben. Vor allem ignorierte er, dass er sich von seinem Vater nicht geliebt fühlte und ihn deshalb bewusst provozierte:

„Ich ging nach Salamanca, um Philosophie zu studieren, denn im Grunde suchte ich nach dem Sinn meines Lebens. In dieser Zeit war ich mit einem Mädchen verlobt und lebte ohne Limit. Ich ging feiern, traf Freunde, gab viel Geld aus. Aber mit jedem Mal fühlte ich mich einsamer, leerer und unfähig, die anderen, mich selbst und noch weniger meinen Vater zu lieben.

Priesterweihe in Mexiko-Stadt.

Priesterweihe in Mexiko-Stadt.

In dieser Situation der tiefen Sehnsucht erfuhr ich die Liebe Christi in Gestalt von Missionaren und durch das Sakrament der Beichte. Zum ersten Mal in meinem Leben lernte ich die Liebe Gottes kennen. Ich entdeckte, dass es Christus ist, der mich liebt und nicht anders gewollt hat, als ich bin. Im „Neokatechumenat“ begann ich, ernsthaft das Christentum zu leben. Mein Leben und mein Verhalten änderten sich. Ich sah das Handeln Gottes in meinem Leben, der mich aus Sünde und Sklaverei herausgeführt hat, ohne dass ich selber etwas dazu beigetragen hätte.

Der Herr ermöglichte mir die Versöhnung mit meinem Vater und besiegelte dies mit seiner Liebe. Heute ist die Beziehung zu ihm vollkommen anders. Zur selben Zeit entdeckte ich meine Berufung zur Mission. Ich wollte mein Leben, das ich kostenlos empfangen hatte, auch kostenlos weitergeben: als Priester für die Neu-Evangelisierung. Mich treibt die Freude an, mich von Gott geliebt zu wissen, trotz meiner Schwächen und Unfähigkeiten – und jeden Tag neu.“

Kardinal Norberto Rivera Carrera liegen die Seminaristen an der „Redemptoris Mater“ besonders am Herzen. Gemeinsam mit Rektor de Matos Felix hat er KIRCHE IN NOT um finanzielle Hilfe gebeten. Wir haben ihnen 4.500 US-Dollar (rund 3.400 Euro) versprochen.

23.Mrz 2012 14:09 · aktualisiert: 23.Jun 2015 10:12
KIN / S. Stein