Mehr als ein Wallfahrtsort

Die Jungfrau von El Cobre ist ein Symbol kubanischer Kultur und Nationalität

Kinder vor der Marienstatue von El Cobre.

Kinder vor der Marienstatue von El Cobre.

Eine Station des Besuchs von Papst Benedikt XVI. in Kuba ist der Wallfahrtsort El Cobre im Südosten der Insel. Dort wird das nur etwa 30 Zentimeter hohe Gnadenbild der „Barmherzigen Jungfrau“ verehrt. Jedes Jahr strömen eine halbe Million Pilger nach El Cobre.

Doch nicht nur für gläubige Kubaner ist ds Gnadenbild ein beliebtes Ziel; es wird auch von Nichtgläubigen verehrt. Trotz des kommunistischen Atheismus seit über 50 Jahren ist die Barmherzige Jungfrau von El Cobre ein Sinnbild für die Einheit des kubanischen Volkes. „Es ist das geistliche Herz aller Kubaner, ein Symbol kubanischer Nationalität und Kultur“, sagt der Erzbischof von Santiago de Cuba, Dionisio Garcia Ibanez, in dessen Bistum der Wallfahrtsort El Cobre liegt.

In diesem Jahr wird das Gnadenbild 400 Jahre alt. 1612 hatten es drei Fischer in der Bucht von Nipe gefunden, die dort Salz holen wollten. Da es jedoch stürmte, warteten sie ab. Als sich nach drei Tagen der Sturm gelegt hatte, trieb ihnen auf einem Balken im Wasser die kleine Marienfigur entgegen. Sie war völlig trocken, und auf dem Sockel stand: “Ich bin die Jungfrau der Nächstenliebe.”

Sie brachten das besondere Fundstück nach Cobre. Dort war die Freude groß, der Empfang überschwänglich. Die Einwohner bauten einen Altar und eine Kapelle. Seitdem pilgern die Menschen aus ganz Kuba zu diesem Heiligtum. In der Zwischenzeit ist ein großes Wallfahrtszentrum entstanden: mit einer großen Kirche, einem Exerzitienhaus, einem Pilgerzentrum, einem Konventgebäude der kontemplativen Missionsschwestern der Nächstenliebe und einem Tagungshaus.

Pilgerinnen vor der Wallfahrtskirche in El Cobre.

Pilgerinnen vor der Wallfahrtskirche in El Cobre.

Trotz des staatlich verordneten Atheismus seit über 50 Jahren hat El Cobre nichts an seiner Anziehungskraft eingebüßt. Auch die Zweckentfremdung einiger Gebäude durch die Kommunisten konnte das nicht verhindern. Zwischen den unzähligen Ex-Voto-Gaben, die Gläubige aus Dankbarkeit für die Erhörung ihrer Bitten gestiftet haben, hängt auch eine, die die Mutter von Fidel und Raul Castro gespendet hatte.

Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist das Wallfahrtszentrum nicht saniert worden. Mit einer Kampagne unter dem Motto “Von jedem Kubaner einen Peso – für die Jungfrau von Cobre” hoffen die Bischöfe, zumindest zehn Prozent der Kosten für die Renovierung hereinzubekommen. KIRCHE IN NOT hat die aufwändige Restaurierung mit 100.000 Euro unterstützt.

Drei Jahre lang hat sich Kuba auf die Jubiläumsfeierlichkeiten in El Cobre vorbereitet. Die Kubanische Bischofskonferenz hat unter anderem drei aufeinanderfolgende liturgisch-katechetische Jahreskalender herausgegeben, in dessen Mittelpunkt die Jungfrau von El Cobre stand. Normalerweise gibt es in jedem Jahr ein anderes Schwerpunktthema. KIRCHE IN NOT hat die Druckkosten für diese Kalender unterstützt.

Prozession mit der kleinen Marienstatue

Eine Nachbildung des Gnadenbilds war anlässlich des Jubiläums auf einer anderthalbjährigen "Pilgerreise" durch alle Diözesen Kubas.

Eine Nachbildung des Gnadenbildes von El Cobre “pilgerte” bis Dezember 2011 anderthalb Jahre durch alle Diözesen Kubas. Sie wurde in Prozessionen durch die Städte und Dörfer getragen; es gab Andachten für Schwangere, Mütter, Eheleute und Kranke – jedes Anliegen wird vor die Gottesmutter gebracht.

Als “Mutter aller Kubaner” sei eine “Fackel der Hoffnung und Verheißung einer besseren Zukunft”, schreibt die Bischofskonferenz. Es gebe “kein Ereignis und keinen sozialen Prozess, sei er erfreulich oder schmerzlich, der nicht auf die eine oder andere Weise in den Votivgaben, den Versprechungen und Erinnerungen der Gläubigen im ganzen Land an die Jungfrau von Cobre gegenwärtig ist”.

Der Fürsprache Marias wird auch der Sieg gegen die Spanier im spanisch-amerikanischen Krieg 1898 und damit die Unabhängkeit Kubas von Spanien zugeschrieben. Papst Benedikt XV. ernannte die heilige Jungfrau von El Cobre 1916 zur Schutzpatronin Kubas. Der selige Papst Johannes Paul II. krönte die Jungfrau bei seinem Besuch in Kuba im Jahr 1998.

Am 27. März besucht sein Nachfolger Papst Benedikt XVI. den Wallfahrtsort. Einen Tag zuvor feiert er einen Gottesdienst zum 400. Jahrestag in Santiago de Cuba.

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich.

KIN / S. Stein