“Nicht nur mit Regierung verhandeln”

Vertreter aus Pakistan bei einer Tagung der Kommission “Kirche und Gesellschaft”

Paul Bhatti, pakistanischer Minister für Nationale Eintracht.

Dr. Paul Bhatti, Berater des pakistanischen Ministers für Nationale Eintracht.

Der Sonderberater des pakistanischen Premierministers für Nationale Eintracht, Dr. Paul Bhatti, empfiehlt einen stärkeren Dialog zwischen den europäischen Regierungen und Institutionen auf der einen und Nichtregierungsorganisationen (NROs) in Pakistan auf der anderen Seite.

Die Verhandlungen und Gespräche der Europäischen Union und ihrer einzelnen Staaten sollten sich nicht auf Kontakte mit der Regierung in Islamabad beschränken.

In einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT begründet der Bruder des vor einem Jahr ermordeten Ministers Shahbaz Bhatti seine Empfehlung mit der Kompetenz und größeren Freiheit privater Organisationen. Diese Empfehlung habe er auch bei einem Treffen der Kommission “Kirche und Gesellschaft” der Konferenz der Europäischen Kirchen und der europäischen Bischofskonferenz COMECE sowie Mitgliedern des Europa-Parlaments in Brüssel deutlich ausgesprochen. Die NROs wüssten ganz konkret, wie man vor Ort helfen kann.

Besonders notwendig sei die Hilfe im Bereich der Bildung. „Analphabetismus und Intoleranz sind die wesentlichen Ursachen für die Verschlechterung der sozialen Verhältnisse und für die Spannungen zwischen den einzelnen ethnischen und religiösen Gruppen der Bevölkerung“, sagte Bhatti.

Er ist wie sein ermordeter Bruder katholisch. Dessen Ministerium für die Rechte von Minderheiten war nach dem Mord unbenannt worden. Der pakistanische Premierminister selbst hatte den Bruder des Ermordeten gebeten, seine Arztpraxis in Italien aufzugeben und sich als Berater des Premiers mit Ministerrang in Pakistan für die nationale Eintracht zu engagieren.

Dr. Paul Bhatti, Erzbischof Joseph Coutts (Karatschi), Pater Khalil Samir Khalil SJ (ägyptischer Islamwissenschaftler), Pater Piotr Mazurkiewicz (Generalsekretär der europäischen Bischofskonferenz COMECE).

Von links: Dr. Paul Bhatti, Erzbischof Joseph Coutts (Karatschi), Pater Khalil Samir Khalil SJ (ägyptischer Islamwissenschaftler), Pater Piotr Mazurkiewicz (Generalsekretär der europäischen Bischofskonferenz COMECE).

Auf Einladung von KIRCHE IN NOT traf er zusammen mit dem Erzbischof von Karatschi, Joseph Coutts, mit hochrangigen Politikern in Brüssel zusammen, unter anderem mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, Herman van Rompuy. Bhatti sagte, sein Bruder habe „einen guten Kampf gegen jede Form von Diskriminierung“ gekämpft und sich „dabei immer auf die Lehren des Neuen Testaments gestützt“. Die Minderheiten „brauchen den Schutz der internationalen Gemeinschaft“.

In Pakistan leben etwa 2,2 Millionen Christen, davon sind 1,2 Millionen katholisch. Christen machen nur zwei Prozent der Bevölkerung aus. Das Blasphemie-Gesetz hat in den letzten Jahren zu mehr Willkür gegen Christen, Hindus und auch gegen Muslime geführt. Die Rechtsunsicherheit im Land wächst im gleichen Maße wie die Intoleranz und der Fanatismus. In dieser Situation sind viele Christen in Pakistan auf Hilfe von außen angewiesen.

11.Apr 2012 12:26 · aktualisiert: 18.Feb 2014 20:35
KIN / S. Stein