„Ein Werkzeug für Gottes Wirken“

Viertes Interview in unserer Gesprächsreihe mit Ordensschwestern

Schwester Lucilla.

Schwester Maria Lucilla Hauser.

In den nächsten Monaten veröffentlichen wir auf unserer Internetseite Gespräche mit Ordensfrauen. Darin berichten sie von ihrer Berufung, über ihre Arbeit und persönlichen Gotteserfahrungen.

Alle Porträts stellen wir abschließend in einem Buch zusammen. Dieses wird voraussichtlich Mitte 2012 herauskommen. Im Internet veröffentlichen wir nur eine verkürzte Version der Porträts.

Diesmal stellen wir Ihnen Schwester Maria Lucilla Hauser. Sie gehört dem Orden der “Schulschwestern von Unserer Lieben Frau” (Mutterhaus in Auerbach in der Oberpfalz — Erzdiözese Bamberg) an und leitet seit 2002 die Bayerische Provinz. Die Fragen stellte André Stiefenhofer.

In „Berufung“ steckt das Wort „rufen“. Wie fing es bei Ihnen an, wann haben Sie den Ruf Gottes gespürt?
Der Gedanke an eine Ordensberufung war mir ursprünglich fremd, da ich weder in meiner Familie noch im Bekannten- und Freundeskreis mit Ordensschwestern in Berührung kam. Ich erinnere mich noch gut, dass ich als Jugendliche einmal darüber nachdachte, was wohl das Allerschlimmste für mein Leben wäre.

Ich wusste es sofort: Als Schlimmstes galt für mich damals, Klosterschwester zu werden. Doch gab ich mir sogleich erleichtert selbst die Antwort, dass dies nicht für mich zutreffen konnte, da die Voraussetzung dafür fehlte, die Berufung von Gott.

Mit ungefähr 16 oder 17 Jahren hatte ich dann ein Erlebnis, das mein Leben entscheidend in diese Richtung lenkte, ohne dass ich es wusste. Ich trug gerade Holz für unseren Ofen ins Haus. Da überkam es mich plötzlich wie aus heiterem Himmel, dass ich persönlich, so wie ich bin, von Gott unendlich geliebt bin. Diese blitzartige Erkenntnis ging mir tatsächlich durch Mark und Bein, und ich war überwältigt von Glück und Seligkeit.

Ich dachte: Wenn Gott mich so unbeschreiblich liebt, dann möchte auch ich ihn aus ganzem Herzen lieben. Meine Liebe zeigte ich ihm in verschiedenen Formen: in guten Werken, in vermehrtem Gebet und Gottesdienstbesuch. Mein Beruf als Krankenschwester gab mir viele Gelegenheiten, Gutes zu tun. Doch immer wieder vernahm ich ein leises Anklopfen Gottes, das mich beunruhigte. Aber ich schob solche Gedanken weg. Wie die meisten anderen Mädchen meines Alters stellte ich mir meine Zukunft nur in Ehe und Familie vor.

Gruppenfoto mit den Auerbacher Schulschwestern.

Gruppenfoto mit den Auerbacher Schulschwestern.

Eines Tages las ich ein Buch über den heiligen Bruder Klaus. Ich war fasziniert und tief beeindruckt davon, wie dieser Heilige sein Leben ganz nach dem Willen Gottes ausrichtete und sich von ihm Schritt für Schritt leiten ließ. Ich fasste den festen Entschluss, auch in meinem Leben dem Willen Gottes Priorität zu geben. Ich ahnte nicht, dass ich bereits wenige Wochen später die Berufung zum Ordensleben deutlich vernehmen sollte.

Während Exerzitien erfasste mich plötzlich der Gedanke, dass Gott von mir mehr möchte als nur gute Werke, nämlich mich selbst. Ich erschrak sehr, denn ich hatte nur den Verzicht vor Augen, dass ich alle Zukunftspläne aufgeben musste. Es war ein schwerer Kampf mit mir selber. Manche Ausreden hielt ich Gott entgegen, zum Beispiel: „Es gibt doch viel frömmere, tugendhaftere Mädchen, die für das Klosterleben besser geeignet wären als ich. Warum ausgerechnet ich?“

Tief in mir spürte ich das Werben Gottes um mein „Ja“ zu seinem Plan der Liebe mit mir, zu seinem Ruf in die engere Nachfolge. Es war, als ob er mir antwortete: „Deine Einwände mögen alle zutreffen, aber ich habe gerade dich erwählt!“ Um Klarheit über meine Berufung zu bekommen, schlug ich die Heilige Schrift auf. Ich stieß auf die Stelle: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber geoffenbart hast. … Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht (Lk 10,21.24).“

Und wieder war in mir dieses Ringen: Kann ich es fassen? In meiner Not fragte ich einen Priester, ob sich andere Mädchen in einer solchen Situation über Gottes Ruf freuen. Er gab mir die tröstende Antwort, dass die Freude bei jeder echten Berufung dazukommt. Und so war es auch. Immer mehr wurde es mir bewusst: Es ist der Herr, der mich ruft und in Liebe an sich zieht. Dieses Geschenk der Berufung erfüllte mich tatsächlich Stunde um Stunde und Tag für Tag mit tieferer Freude. Und sie lebt in mir und wächst immer noch.

War schon Ihre Familie religiös?
Ich hatte das Glück, zusammen mit zwei Brüdern in einer christlichen Familie aufzuwachsen, in der ich mich angenommen und geliebt wusste und in der ich den Glauben als etwas zum alltäglichen Leben Dazugehörendes erfuhr. Allerdings war das religiöse Leben sehr vom Brauchtum geprägt, zum Beispiel ging man jeden Sonntag in die Kirche oder betete das Tischgebet, weil es einfach üblich war.

Ich erinnere mich noch gut, als ich noch klein war und meine Mutter über das Leiden Christi erzählte, was mir sehr nahe ging. Meine Mutter öffnete mir die Augen für die große Liebe Gottes zu den Menschen.

Obwohl meine Eltern gläubig waren, fiel es ihnen schwer, meine Entscheidung für das Ordensleben anzunehmen. Besonders mein Vater litt darunter, dass ich mit 23 Jahren ins Kloster gehen wollte, denn er hatte mich als einzige Tochter besonders ins Herz geschlossen. Es brach ihm fast das Herz. Und mir stellte sich die Frage: Kann ich unter diesen Umständen diesen Weg tatsächlich gehen? Und doch wusste ich genau, dass dies mein Weg ist.

Schwester Maria Lucilla mit Joachim Kardinal Meisner und einer Mitschwester.

Schwester Maria Lucilla (r.) mit Joachim Kardinal Meisner und einer Mitschwester.

Weshalb waren Sie sich sicher, dass es Gott ist, der ruft?
Tief in mir war die Gewissheit, dass Gott es ist, der mich auf diesen Weg ruft, denn von mir aus wäre ich nie auf diese Idee gekommen. Es war das Werben des Herrn, das mich gefangen nahm und mir persönlich galt. Wenngleich ich nie begreifen werde, warum gerade ich vom Herrn für diesen Weg erwählt wurde, konnte ich auf seine unendliche Liebe nicht anders als mit meinem „Ja für immer“ antworten.

Ich hatte den „Schatz“ gefunden, für den es sich lohnt, alles zu geben (vgl. Mt 13,44). Das Wissen, dass es Gottes Wille ist, erfüllte mich mit tiefer, anhaltender Freude und gab mir in Schwierigkeiten und Herausforderungen Kraft und Mut.

Wie kamen Sie auf Ihren Orden?
Als ich meine Berufung klar erkannt hatte, wollte ich diese so bald wie möglich verwirklichen und suchte nach einer Gemeinschaft, in der eine geistliche Atmosphäre herrscht, die mich in der Liebe zu Christus und zu den Menschen fördert. Es sollte ein Orden mit einer klaren Ordensdisziplin, einer marianischen und eucharistischen Prägung und einem frohen Gemeinschaftsleben sein.

Auf Empfehlung eines Priesters fuhr ich nach Auerbach in der Oberpfalz ins Mutterhaus der Schulschwestern von Unserer Lieben Frau. Es war Liebe auf den ersten Blick. Hier fand ich, was ich suchte.

An welchen Punkten mussten Sie um Ihre Berufung kämpfen?
Wie bereits angedeutet, war für mich die Entscheidung für den Ordensberuf ein großes Ringen mit mir selber. Dann erlebte ich den Widerstand im Elternhaus. Meine Eltern hatten fixe Zukunftsvorstellungen für mich. Das Haus, das sie für mich gebaut hatten, stand bereits im Rohbau, und im Alter wollten sie sich auf mich stützen. Nun brach alles wie ein Kartenhaus zusammen. Da ich mich nie in diese Richtung geäußert hatte, konnte es mein Vater kaum fassen.

Er zog sich zurück und weinte ein ganzes Jahr lang täglich wegen meines Ordenseintritts, obwohl ich ihn früher kaum einmal weinen gesehen hatte. Auch ich litt sehr darunter, dass ich durch meinen Schritt meinen Eltern solche Schmerzen zufügte. Tag für Tag erneuerte ich mein „Ja“, mit der Sorge, ob ich am nächsten Tag wohl noch dazu fähig sein werde. Es war mir jedoch völlig klar, dass ich nie in meinem Leben glücklich werden würde, wenn ich aus Rücksicht auf meine Eltern diesen Weg nicht gehen könnte. Und irgendwie ging es dann doch.

Schwester Maria Lucilla mit einigen Mitschwestern.

Schwester Maria Lucilla mit einigen Mitschwestern.

Als mein Vater bei der Einkleidung ein Jahr später erkannte, wie glücklich ich war, konnte auch er endlich seine Zustimmung geben. Gott lohnte meinen Eltern das große Opfer reichlich. Jahre später dankten sie aus ganzem Herzen dafür, dass ich diesen Weg gegangen bin, der auch sie im Glauben gefestigt hat.

Durch die Ablegung der Gelübde der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams hatte ich mein Leben ganz in die Hände Gottes gegeben. Doch diese einmalige Entscheidung verlangt jeden Tag neu das „Ja“, mich auf den Weg einzulassen, den Gott mich führen will. Als Ordensschwester erlebe ich natürlich auch Höhen und Tiefen, frohe und leidvolle Erfahrungen, Herausforderungen.

Meine Berufung ist mir dabei die größte Kostbarkeit, die mir in schwierigen Situationen Mut, Hoffnung, Durchhaltevermögen und Sicherheit gibt. In der Zustimmung zum Willen Gottes erfahre ich mein Leben als großes Geschenk. Nicht meine Leistung oder der sichtbare Erfolg zählen, sondern ich darf Werkzeug für Gottes Wirken sein. Gott bewahrte mich bis jetzt vor Zweifeln an meiner Berufung.

Wo liegen Ihre Quellen des Glaubens? Was hält Sie geistlich am Leben, lässt Sie auch Trockenheit überstehen?
Die Quelle meines geistlichen Lebens ist Gott, der mich liebt. In meiner Berufung habe ich diese Liebe Gottes deutlich erfahren. Er, der mich berufen hat, ist treu und er hält, was er versprochen hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). Alles darf ich wie ein Kind von Gott empfangen. Ich bin von Gott geliebt, so wie ich bin, auch dann, wenn ich Fehler mache. Dies ist mein größtes Glück: Sich geliebt zu wissen, macht frei und gibt in den verschiedensten Situationen des Lebens Halt und Sicherheit.

Meine Antwort auf Gottes Liebe ist das Vertrauen auf den Herrn. Es wird genährt in der Anbetung. Gott ist da, Er existiert und weiß um mich. Das genügt. In der Anbetung liefert sich Gott mir ganz aus, und ich darf ihm mein Leben zurückschenken.

Gottesdienst an einer Bergkapelle.

Absolute Priorität in meinem geistlichen Leben hat die tägliche heilige Messe. Sie ist eine unschätzbare Gnade. Ebenso ist das Gebet für mich als Ordensschwester ein wichtiger Bestandteil des Tagesablaufs, denn nur so kann ich ein mit Christus verbundenes Leben führen und den Menschen gerecht werden, für die Gott mich berufen hat.

Auch bin ich dankbar für die Gemeinschaft der Mitschwestern, die mit mir unterwegs sind auf dem Weg zu Gott. Jede Schwester hat ihre Stärken und Schwächen. Es ist gut, dass wir so einander brauchen, uns ergänzen und Stütze sein können. Oft schon habe ich erlebt, dass ich von der Gemeinschaft getragen wurde.

In unserer Gemeinschaft, die in besonderer Weise Maria geweiht ist, beten wir täglich gemeinsam und meist noch zusätzlich persönlich den Rosenkranz. Unter ihrem Schutz und nach ihrem Beispiel wollen wir Schulschwestern unsere Ganzhingabe an Christus täglich aufs Neue verwirklichen.

Noch eine andere geistliche Übung erscheint mir sehr wichtig, die Beichte. Obwohl man im Kloster lebt, ist man deshalb noch nicht vollkommen und bedarf ständig der persönlichen Umkehr und heilenden Versöhnung mit Gott und den Mitmenschen.

Haben Sie besondere Vorbilder?

Gottesmutter-von-Fatima-Figur in der Hauskapelle von KIRCHE IN NOT.

Ja, ich habe einen besonderen Bezug zur Gottesmutter Maria und zum heiligen Josef. Von Maria möchte ich die Bereitschaft lernen, in den verschiedensten Situationen des täglichen Lebens mein „Ja“ zu Gottes Willen aus ganzem Herzen zu sprechen.

Den heiligen Josef rufe ich oft als Fürsprecher in vielen Anliegen an, und er hat mich noch nie im Stich gelassen. Er ist mir ein Vorbild im Hören auf Gott, in seiner Demut, Bescheidenheit und im Vertrauen auf die göttliche Vorsehung.

Neben unseren Ordenspatronen, dem heiligen Pierre Fourier und der seligen Alexia Le Clerc, wirkte die heilige Therese von Lisieux sehr prägend auf mich. Während mir die Heiligkeit mancher großer Heiliger unerreichbar erschien und mich eher abschreckte und entmutigte, fand ich in den Schriften der „kleinen“ heiligen Therese einen Weg, der auch für mich gangbar ist.

Sie sagte: „Die Heiligkeit liegt nicht in dieser oder jener Übung, sondern sie ist eine Gesinnung des Herzens, die uns demütig macht und klein in den Armen Gottes, unserer Schwachheit bewusst und bis zur Verwegenheit vertrauend auf Seine Vatergüte … Mein Weg ist ganz Vertrauen und Liebe … Ich sehe, dass es genügt, sein eigenes Nichts zu erkennen und sich wie ein Kind GOTT in die Arme zu werfen.“

Als Laie denkt man manchmal: „Diese Ordensfrauen haben′s gut, den ganzen Tag sind sie am beten, direkt bei Gott.“ Kommt es aber auch bei Ihnen manchmal vor, dass Sie vor lauter „weltlicher“ Aufgaben Gefahr laufen, den Draht nach oben zu vernachlässigen?
Ich sehe zwei Gefahren für mein geistliches Leben. Obwohl ich täglich mehrere Stunden im Gebet verbringe, kann das Gebet und die heilige Messe zur Gewohnheit und Routine werden, die man als Pflichtübung verrichtet.

Anderseits kann die Arbeit mich aber auch so in Anspruch nehmen, dass es schwer fällt, abzuschalten. In beiden Fällen spüre ich die dringende Notwendigkeit, mich dem Herrn mit allem, was mich bewegt, auszusetzen und einfach Ihm alles hinzutragen und Seiner Sorge zu übergeben. Die Liebe zum Herrn bedarf der ständigen Erneuerung.

Wenn Sie sich im Geiste umschauen: Was für eine Art Mensch wird überhaupt Ordensfrau? Gibt es da eine ganz allgemeine Beschreibung, die Ihnen einfallen würde?
Nein, sicher nicht! Gott ruft die unterschiedlichsten Menschen in seine engere Nachfolge, da gibt es keinen bevorzugten Typ. Allerdings verlangt das Hören und Antworten auf den Ruf des Herrn ein Offensein für den werbenden Ruf Jesu, der an das Herz des Menschen klopft und bittet, geliebt zu werden. Ordensfrau wird nur jemand, der sich von der Liebe Christi ergreifen lässt und bereit ist, sich dieser göttlichen Liebe ganz hinzugeben.

Was musste sich in Ihnen ändern, bis Sie die Ordensfrau wurden, die Sie heute sind?
Ich musste mich immer wieder von eigenen Vorstellungen lösen und akzeptieren, dass Gott manchmal andere Pläne für mein Leben hat. Durch meine Zustimmung zu Gottes Willen, auch wenn manches für mich unvorstellbar war, schenkte mir Gott eine innere Freiheit und Zuversicht, dass Er tatsächlich für mich sorgen wird und das Beste für mich will. Nur dadurch, glaube ich, ist mein Vertrauen auf Gott gewachsen.

Dieses „Ja“ der Ganzhingabe in konkreten Situationen war nicht immer leicht, so etwa, als ich das Amt der Provinzoberin übertragen bekam. Das Vorbild Mariens war mir dabei eine große Stütze.

Wo sehen Sie Ihr persönliches Charisma?

Schulkinder in Aboud im Westjordanland.

"Mein persönliches Charisma sehe ich im Kindsein vor Gott" (Schwester Lucilla).

Bei der Suche nach meiner Berufung habe ich die Bibelstelle aufgeschlagen: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber geoffenbart hast“(Lk 10,21). Dieses Kleinsein vor Gott, der mir Vater ist, prägt mein ganzes Leben.

Mein persönliches Charisma sehe ich daher im Kindsein vor Gott. Vor allem die Betrachtung des kleinen Weges der heiligen Therese von Lisieux und die verschiedenen Herausforderungen führten mich tiefer hinein in das kindliche Vertrauen auf Gott, in dessen Händen ich mich geborgen und getragen weiß.

Die heilige Edith Stein beschrieb dieses Kindsein vor Gott so: „Kindsein heißt, an Gottes Hand gehen, (…) Alle Sorgen und Hoffnung in Gottes Hand legen, Gottes Willen, nicht den eigenen tun. (…) Darauf beruht die Freiheit und Fröhlichkeit der Kinder Gottes.“ Als Gottes geliebtes Kind darf ich mich ganz seiner Führung überlassen.

Würden Sie in der Kirche gerne etwas tun, was Ihnen als Frau verwehrt wird?
Nein! Die Kirche ist der Leib Christi, bestehend aus unterschiedlichen, aber gleichwertigen Gliedern, die sich wechselseitig ergänzen und durch das gemeinsame Haupt geeint sind. Diese Einheit in Christus gilt es zu suchen und zu leben. Wie in einem Organismus die verschiedenen Glieder aufeinander bezogen sind, so hat auch jedes Glied der Kirche einen bestimmten, ihm eigenen Dienst zu erfüllen, der nicht in Konkurrenz zu anderen steht.

Ich sehe meine Aufgabe in der Kirche nicht in einem bestimmten Amt, das nach dem Willen Jesu, wie aus dem Neuen Testament klar hervorgeht, nur Männern vorbehalten ist. Vielmehr erwachsen mir aus der Taufe und Firmung als Frau und Ordensschwester spezifische Aufgaben für den Aufbau der Kirche, die Ausbreitung des Reiches Gottes. Mein Beitrag besteht vor allem im Gebet und in einem möglichst treu gelebten Ordensleben.

In unserer Kirche steht nicht das „Tun“ an erster Stelle, sondern die Liebe. Von ihr hängt der Wert jedes Tun ab. Zu lieben ist niemandem „verwehrt“.

Was kann eine Frau in der Kirche, was der Mann nicht kann? Was ist das besondere Charisma der Frau in der Kirche?
Als schönste Aufgabe der Frau in der Kirche betrachte ich die geistige Mutterschaft. Sie ist ein Abbild des natürlichen Mutter-Seins. Durch die alltäglichen Dinge, die aus Liebe getan und ertragen werden, und durch das Gebet können wir Frauen mitwirken, dass das Gnadenleben in anderen Menschen wächst, sich entfaltet und in Gott seine Vollendung findet.

Als Ordenschwester bin ich nicht für mich allein von Gott berufen worden. Er hat mir viele Menschen anvertraut, die ich vielleicht gar nicht kenne, für die ich im geistlichen Sinn Mutter sein darf. Diese Aufgabe ist sehr erfüllend, und ich möchte sie mit nichts in der Welt tauschen.

17.Apr 2012 14:30 · aktualisiert: 17.Apr 2012 14:33
KIN / S. Stein