“Wir fürchten ein Szenario wie im Irak”

Syrisch-Orthodoxe Bischöfe über die dramatische Lage der Christen in Homs

Erzbischof Silvanus Petros Al-nemeh von Homs und Hama

Silvanus Petros Al-nemeh, Erzbischof von Homs und Hama / Syrien.

Für einen Dialog mit einer klaren Zielsetzung für eine friedliche Zukunft Syriens haben sich zwei syrisch-orthodoxe Erzbischöfe bei einem Besuch von KIRCHE IN NOT in München ausgesprochen.

“Wir befürchten ein Szenario wie im Irak, wo viele Christen bedroht und getötet werden, auf der Flucht sind oder sich nicht mehr auf die Straße trauen”, berichtete der Erzbischof von Homs und Hama, Silvanus Petros Al-nemeh.

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Allein in Homs haben seinen Angaben zufolge bereits
50 000 Christen die Stadt verlassen. Viele seien bei Verwandten in der Umgebung untergekommen. Auch er selbst lebe derzeit nicht in Homs, sagte er. Die Menschen stellten sich derzeit vor allem zwei Fragen, so der Erzbischof: “Wann und ob sie wieder in ihre Häuser und Heimat zurückkehren können.”

Eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Friedensprozesses könne die Kirche spielen. “Die Kirche steht für Gerechtigkeit und Frieden – und nicht für Korruption durch die Regierung oder die Gewalt im Namen Allahs”, sagte Erzbischof Eustathius Matta Roham. Nur Gespräche könnten einen Frieden bringen und somit eine Rückkehr der geflohenen Menschen ermöglichen, so der Erzbischof von Jazirah und Euphrates weiter. “Was in Homs passiert ist, kann auch in anderen Städten passieren”, sagte er.

Panzer vor einer Kirche in Homs.

Panzer vor der syrisch-orthodoxen Kirche in Homs (Foto: KIRCHE IN NOT).

Angesichts der komplexen Konfliktsituation in Syrien müsse man beide Seiten, sowohl die Meinung der Rebellengruppen als auch der Regierung, anhören. Frieden zwischen beiden Parteien könne erreicht werden, wenn die russische und amerikanische Regierung zusammen die Initiative für eine Unterstützung des Dialogs ergreifen würden, betonte Erzbischof Eustathius.

Beide Bischöfe bitten um das Gebet und die Unterstützung für die Menschen in Syrien. Die Lage sei katastrophaler, als man sich vorstellen könne.

Gebet für den Nahen Osten

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Gott, unser Vater, hab Erbarmen mit dem Nahen Osten.

Deine treuen Diener – jung und alt – sind aufgerufen, Christus zu bezeugen. Mögen sie in dieser aufregenden Zeit gestärkt werden, indem sie deinem geliebten Sohn nachfolgen, der in jener Zeit in ihrer jetzigen Heimat tätig war.

In Gemeinschaft mit unserem Papst Benedikt XVI. beten wir, dass Christen im Nahen Osten ihren Glauben in völliger Freiheit leben können. Ermutige sie, als Werkzeug des Friedens und der Versöhnung zu handeln – vereint mit allen Bürgern in ihren Ländern.

Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

(Gebet von Antonios Kardinal Naguib von Alexandria / Ägypten für KIRCHE IN NOT)

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10.Mai 2012 12:46 · aktualisiert: 5.Feb 2014 08:58
KIN / S. Stein