“Beten Sie für uns!”

Geistliche aus Damaskus und Aleppo über die Lage der Christen in Syrien

Blick auf die zerstörte Kathedrale in Homs.

Blick auf die zerstörte Kathedrale in Homs / Syrien.

“Ich werde nicht weggehen. Ich bin Priester in guten wie in schlechten Zeiten. Das heißt, ich bin ‘Vater’ und muss jetzt bei den mir anvertrauten Menschen bleiben.” Das sagte uns ein Geistlicher aus der syrischen Hauptstadt Damaskus, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben muss.

In einem Telefongespräch mit KIRCHE IN NOT bat er um anhaltendes Gebet für den Frieden in Syrien. “Die materielle Hilfe ist wichtig, aber der Abgrund der Angst und der Einsamkeit wird nicht mit Geld überwunden. Für uns ist es sehr wichtig, uns in Syrien nicht allein zu wissen.”

Anschließend schildert er seinen Kampf, um inmitten eines Alptraumschauplatzes Hoffnung zu vermitteln: “Am Sonntag habe ich für die kleine Gemeinde, die zu kommen wagte, die heilige Messe gefeiert. Zum ersten Mal habe ich unter solchen Umständen, mit Schüssen und Detonationen im Hintergrund, einen Gottesdienst gefeiert. Es war sehr schwierig.

Ich versuchte, aus der Feier der heiligen Messe Stärke zu empfangen. Wir haben intensiv für den Frieden gebetet. Am Ende haben mich die bewegten Gläubigen umarmt. Sie hatten weiterhin Furcht, Angst, aber sie gingen vom Geist bestärkt hinaus.”

Nach Informationen des Priesters erlebt die Stadt eine gespenstische Ruhe nach den Auseinandersetzungen und Kämpfen in den vergangenen Wochen. Ohne Brot und andere Lebensmittel, ohne Strom und Gas macht die Hitze von mehr als 40 Grad das tägliche Leben schwer.

Das beschädigte Bischofshaus und rechts die Kathedrale von Homs.

Trümmer liegen im Hof vor dem Bischofshaus und der Kathedrale (rechts) in Homs. Beide Gebäude sind schwer beschädigt und haben kein Dach mehr.

In einem an Verwandte und Freunde gerichteten Brief beschreibt der Geistliche die Lage. Er bittet um Gebete, um die Kraft und den Mut zu erhalten, Stütze für andere zu sein. “Allein Gott weiß, wie schwer es mir fällt, Worte zu finden, die die Menschen ermuntern sollen, die Hoffnung nicht aufzugeben”, schreibt er. Die Kraft bezieht er aus dem Gebet: “Ich schaue auf Ihn am Kreuz – vor meinen Augen habe ich ein großes Kruzifix. Dann finde ich Trost und verstehe, dass das Joch, das er getragen hat, viel größer war als unseres. So kehrt der Friede in mein Herz zurück.”

Darüber hinaus betont er: “Ich muss mit diesem Volk, in das mich Gott hineingestellt hat, alles teilen, was sie selbst erleben. Mit Worten des heiligen Paulus, der in dieser Stadt vor so langer Zeit Jesus begegnet ist, muss ich mich mit den Fröhlichen freuen und mit den Weinenden weinen.“ Er schließt mit einer Bitte: “Beten Sie bitte für uns. Beten Sie für unsere Gegenwart und für unsere Zukunft. Beten Sie, damit es aufhört, und jemand rettet, was noch zu retten ist.”

Antoine Audo SJ, Bischof von Aleppo / Syrien.

Antoine Audo SJ, Bischof von Aleppo / Syrien.

Auch der chaldäisch-katholische Bischof in Aleppo, Antoine Audo SJ, bittet um das Gebet für die Menschen in Syrien. “Nicht nur die Christen sind in einer schwierigen Lage, sondern auch Muslime, die als Sympathisanten der Regierung angesehen werden”, sagte er in einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

Bischof Audo fürchtet eine Anarchie und Angriffe von bewaffneten Personen in christlich geprägte Gegenden. “Was können wir tun, um die Menschen zu schützen? Wir haben dazu keine Möglichkeiten.” Er berichtete weiter, dass sich viele Menschen an ihn wenden würden, die ihre Häuser und ihr Hab und Gut verlassen haben, um in sicherere Städte und Dörfer zu fliehen.

Der Bischof dankte allen Wohltätern für die Unterstützung für zahlreichen Familien, die die Stadt Homs verlassen haben. Neben den Tausenden Binnenflüchtlingen kümmert sich die Kirche auch um viele tausend Flüchtlinge aus dem Irak.

Der Maronitische Erzbischof von Damaskus, Samir Nassar, hat uns ebenfalls um das Gebet und finanzielle Unterstützung gebeten. Das Geld ist für die Erstversorgung und Unterbringung von 100 Flüchtlingsfamilien in einer Pfarrei bestimmt. Zudem wird eine Existenzhilfe für zwölf Priester in Form von Mess-Stipendien gewährt. Insgesamt haben wir bereits 162.500 Euro für Flüchtlinge und leidende Familien in Syrien in diesem Jahr zur Verfügung gestellt.

Nach den Kämpfen der vergangenen Tage haben unsere Projektpartner von beängstigenden Zuständen in der syrischen Hauptstadt berichtet. Es gebe weder genügend Nahrungsmittel, Brot, Obst und Gemüse sowie Milch für die Kinder, noch ausreichend Strom oder Gas zum Kochen.

Panzer vor einer Kirche in Homs.

Panzer vor der syrisch-orthodoxen Kirche in Homs.

Damaskus zu verlassen, ist vielen wegen der anhaltenden Kämpfe auf den Straßen und Wegen zur Grenze oder aus Geldmangel nicht möglich. Zudem drohen Entführungen und Überfälle; inzwischen wurden zahlreiche Grenzstationen geschlossen.

Erzbischof Nassar hat die beklemmende Lage vieler christlicher Flüchtlinge in Damaskus in einem dramatischen Appell beschrieben. “Familien laufen um ihr Leben. Sie verlassen in großer Zahl die gefährdeten Stadtviertel und bilden eine endlose Schlange auf dem Weg in den Libanon. Die Straßen nach Jordanien, in den Irak und in den Norden Richtung Homs-Aleppo sind geschlossen oder aufgrund von Kämpfen nicht passierbar. Die Flucht in den Libanon ist von Panik gezeichnet. Ich hoffe, dass sie Zuflucht finden.”

Laut Vereinten Nationen sind in den letzten Tagen bereits über 200 000 Menschen aus Aleppo geflohen. Durch die Kämpfe in der Stadt sind viele Hilfsbedüftige eingeschlossen.

So können Sie den Christen in Syrien helfen:

Gebet für den Nahen Osten

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Gott, unser Vater, hab Erbarmen mit dem Nahen Osten.

Deine treuen Diener – jung und alt – sind aufgerufen, Christus zu bezeugen. Mögen sie in dieser aufregenden Zeit gestärkt werden, indem sie deinem geliebten Sohn nachfolgen, der in jener Zeit in ihrer jetzigen Heimat tätig war.

In Gemeinschaft mit unserem Papst Benedikt XVI. beten wir, dass Christen im Nahen Osten ihren Glauben in völliger Freiheit leben können. Ermutige sie, als Werkzeug des Friedens und der Versöhnung zu handeln – vereint mit allen Bürgern in ihren Ländern.

Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

(Gebet von Antonios Kardinal Naguib von Alexandria / Ägypten für KIRCHE IN NOT)

Diesen Text mit der Ikonenabbildung können Sie unentgeltlich als Gebetsblatt bei uns bestellen – entweder bequem in unserem Bestelldienst oder bei:
KIRCHE IN NOT
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Telefon: 089 – 64 24 888-0
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27.Jul 2012 14:07 · aktualisiert: 5.Feb 2014 08:54
KIN / S. Stein