Jüdin, Konvertitin, Ordensschwester

Vor 70 Jahren wurde Edith Stein im Konzentrationslager Auschwitz ermordet

Porträt von Edith Stein

Porträt von Edith Stein.

Am 9. August 1942 starb die bekannte Märtyrerin Edith Stein. Das Datum ist in der katholischen Kirche gleichzeitig ihr Gedenktag. Papst Johannes Paul II. hat Edith Stein bei seinem Deutschlandbesuch am 1. Mai 1987 in Köln selig- und am 11. Oktober 1998 in Rom heiliggesprochen.

Sie ist die erste katholische Märtyrerin jüdischer Abstammung. Zusammen mit der heiligen Birgitta von Schweden und der heiligen Katharina von Siena erklärte Papst Johannes Paul II. im Jahr 1999 Edith Stein zur Europapatronin.

Edith Stein wurde 1891 in Breslau geboren und in jüdischer Tradition erzogen. Als 14-Jährige erklärte sie sich als Atheistin. Nach dem Abitur studierte sie in Breslau und Göttingen und wurde nach ihrer Promotion Assistentin des Philosophen Edmund Husserl. Weil sie eine jüdische Frau war, wurde ihr die Habilitation in Breslau, Freiburg und Göttingen verwehrt.

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg fand Edith Stein durch die Schriften der heiligen Teresa von Ávila zum Gottesglauben zurück und ließ sich 1922 in der Pfarrkirche St. Martin in Bad Bergzabern (Rheinland-Pfalz) katholisch taufen, was ihre jüdische Mutter schmerzte.

Mosaik im Edith-Stein-Gymnasium in München.

Mosaik im Edith-Stein-Gymnasium in München.

Bis 1933 arbeitete Edith Stein als Lehrerin in Speyer und als Dozentin in Münster, ehe sie in Köln in den Karmel eintrat und den Ordensnamen Teresia Benedicta a Cruce erhielt. In der Neujahrsnacht 1938/39 floh Edith Stein wegen der Nationalsozialisten in den niederländischen Karmel Echt in der Provinz Limburg.

Aufgrund eines Hirtenbriefes wurden im Jahr 1942 auch alle getauften Juden verhaftet. Die Gestapo nahm Edith Stein am 2. August 1942 in Haft und lieferte sie mit anderen Gefangenen am 9. August 1942 in Auschwitz-Birkenau ein.

Noch am gleichen Tag starb sie als Gefangene Nr. 44074 in der Gaskammer. “Komm, wir gehen für unser Volk”, soll Edith ihrer Schwester Rosa beim Abtransport gesagt haben. Im Güterzug nach Auschwitz tröstete sie ihre Mitgefangenen: “Jesus ist auch hier mitten unter uns.”

Prager Jesulein

Prager Jesuskind mit Reichsapfel.

Edith Stein war eine große Verehrerin dieses Prager Jesuskindes. Sie betonte noch in ihren letzten Aufzeichnungen kurz vor ihrem Tod in Auschwitz, dass diese Statue nach Prag gekommen sei, als es mit der weltlichen Kaiserherrlichkeit zu Ende ging. Die Verehrung des Prager Jesuskindes ist bis heute charakteristisch für den Karmeliter-Orden.

Gott ist Mensch geworden und hat Kindesgestalt angenommen — dies ist für Edith ein unerschöpfliches Geheimnis ihres Glaubens. Gott in Kindgestalt habe alles in seinen Händen, schrieb Edith Stein: “Er hat ja doch die Zügel in der Hand, wenn auch die Menschen zu regieren meinen.”

Alle in der Medienbox vorgestellen Beiträge können Sie bei uns als DVD beziehungsweise Hör-CD unentgeltlich bestellen.

8.Aug 2012 14:23 · aktualisiert: 3.Feb 2015 15:12
KIN / S. Stein