Der Glaube ist ihnen alles

Das religiöse Leben in einem Dorf im Nordwesten Äthiopiens

Joseph Andreas aus Äthiopien

Joseph Andreas, ein Katholik aus Äthiopien.

Wie alt Joseph Andreas ist, weiß er nicht. Zahlen spielen hier in Pawe, einem abgelegenen Dorf in Nordwestäthiopien, keine Rolle. Aber eines weiß der Gemeindeälteste genau: Sein Glaube ist ihm alles.

So war es schon immer. In den 1980er-Jahren, zurzeit des kommunistischen Terrorregimes Mengistu Haile Mariams, wurde er sogar verhaftet. Der Vorwurf: Er hatte sich mit anderen Katholiken zum Gebet versammelt. Joseph überlebte, unzählige andere Gläubige bezahlten damals ihre Treue zu Christus mit dem Leben.

Joseph erzählt: “Wir waren immer unter Beobachtung, mussten immer arbeiten, auch sonntags. Wir trafen uns also ganz früh am Morgen an einem geheimen Ort. Sie hatten unsere Bibeln weggenommen, zerrissen und ins Feuer geworfen. Sie sagten, wer predigt, erzieht die Leute zu Faulpelzen. Einen Priester hatten wir nicht. Allein mussten wir den christlichen Geist bewahren.” Wer konnte, brachte seine Kinder in die Großstadt Bahir Dar, um sie dort taufen zu lassen. Aber der Weg war weit. Schon mit dem Auto fährt man mehr als vier Stunden.

Als die Diktatur 1991 ein Ende fand, konnten endlich wieder Priester die entlegenen Dörfer besuchen. Joseph Andreas reichten diese sporadischen Besuche nicht. “Wir brauchten einen Priester, der ständig bei uns sein würde, und eine eigene Kapelle. Die protestantischen Sekten wurden sofort aktiv, um Gläubige abzuwerben. So bin ich auf eigene Kosten 600 Kilometer nach Addis Abeba zum Erzbischof gefahren, um ihn um einen Priester und ein Gotteshaus zu bitten.”

Pater Johannes mit einigen Kindern aus seiner Pfarrei

Pater Johannes mit einigen Kindern aus seiner Pfarrei.

Die erste Kapelle, die die Gläubigen selbst bauten, hatte ein Strohdach – wie alle Hütten in der Gegend. In der erbarmungslosen Dürre der Trockenzeit fing es Feuer. Die Kapelle brannte ab.

Die Gläubigen ließen sich nicht entmutigen. Sie errichteten eine Kapelle aus Holz. Diesmal schlug das Schicksal noch härter zu: Termiten zerfraßen die Balken, und das Gotteshaus stürzte ein. Zwei Menschen starben, ein Mann wurde so schwer verletzt, dass er seitdem gelähmt ist. Sechs Kinder blieben als Halbwaisen zurück.

“Die beiden Männer, die ums Leben kamen, gehörten zu den engagiertesten Mitgliedern unserer Gemeinde. Stets ermutigten sie uns, das geistliche Leben zu stärken und mehr zu tun. Wir betrachten sie als Märtyrer”, sagt Joseph bewegt.

Eine behelfsmäßige Glocke aus Blech.

Die beiden Männer läuten mit dieser behelfsmäßigen Glocke aus Blech zum Gottesdienst.

Nun sollte endlich ein solide gebautes Gotteshaus entstehen. Die Gläubigen trugen trotz ihrer Armut viel zum Bau bei. Wieder einmal brachten sie große Opfer. KIRCHE IN NOT möchte ihnen mit 15.000 Euro helfen, damit die Kapelle bald eingeweiht werden kann. Das Unglück hat die Menschen im Glauben gestärkt. “Wir sagen, unsere neue Kapelle entsteht auf dem Blut der Märtyrer. Das gibt uns Kraft”, erklärt der siebenfache Vater stolz.

Die Kirche lebt in Pawe: Jeden Sonntag strömen zahlreiche Gläubige zur heiligen Messe, und am Weißen Sonntag haben 30 Kinder ihre Erstkommunion gefeiert. Die Saat, die Joseph Andreas und die anderen verborgenen Mitchristen zur Zeit der Verfolgung gesät haben, trägt reiche Frucht.

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Armut · Äthiopien · Dürre · Kirchenbau · Mission
KIN / S. Stein