“Die Menschen wollen Frieden”

Erzbischof von Sarajewo ist mit dem Interreligiösen Treffen zufrieden

Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof von Sarajewo.

Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof von Sarajewo.

Als ermutigendes Zeichen für Versöhnung und dauerhaften Frieden in Bosnien-Herzegowina hat der Erzbischof von Sarajewo, Vinko Kardinal Puljic, das dreitägige Interreligiöse Friedenstreffen in der vergangenen Woche in der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina bezeichnet.

“Bei 35 Runden Tischen haben wir über vieles gesprochen, etwa über die Kriegsfolgen für Sarajewo, über Formen des Zusammenlebens und über Erfahrungen von Friedensinitiativen in anderen Teilen der Welt”, betonte Kardinal Puljic zum Abschluss des Treffens im Gespräch mit KIRCHE IN NOT. “Überall war das Interesse groß. Der Andrang der Menschen hat alle Erwartungen übertroffen. Sie wollen Frieden”, so Kardinal Puljic.

Besonders würdigte der Erzbischof den Besuch des serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej, der als Oberhaupt der Serbisch-orthodoxen Kirche zum ersten Mal an diesem  Treffen teilnahm. Durch das Friedenstreffen sei deutlich geworden, dass die unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften und Konfessionen positiv auf das Zusammenleben der Menschen wirken könnten.

Vor allem sei die Rolle der katholischen Kirche im Friedensprozess anerkannt worden. Der Versöhnung gedient hätten unter anderem die von der Erzdiözese Hochbosnien (Sarajewo) initiierten Europaschulen für Kinder und Jugendlicher aller Glaubensrichtungen, ein auch von KIRCHE IN NOT gefördertes Projekt.

Gruppenfoto der Seminaristen aus Sarajewo mit Bischöfen.

Gruppenfoto der Seminaristen aus Sarajewo mit Bischöfen.

Die Zusammenkunft, die zum 25. Mal auf Einladung der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio zustande gekommen war, stand diesmal unter dem Motto “Zusammenleben ist Zukunft – Religionen und Kulturen im Dialog”. Vom 9. bis 11. September hatten sich in Sarajewo unter anderem Kardinal Puljic, der Belgrader Patriarch Irinej, der Großmufti Mustafa Ceric, der Oberrabbiner Yitshak Asiel sowie die Staatspräsidenten Bakir Izetbegovic (Bosnien), Ivo Josipovic (Kroatien), Filip Vujanovic (Montenegro) und Valentin Inzko, der Hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina, versammelt.

Vor 20 Jahren war die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina noch Schauplatz erbitterter Kämpfe gewesen. Mit den Friedenstreffen wird eine 1986 von Papst Johannes Paul II. begründete Tradition fortgesetzt. Damals hatte der Papst Vertreter aller Weltreligionen zu einem Friedensgipfel nach Assisi eingeladen.

19.Sep 2012 09:47 · aktualisiert: 28.Mai 2014 14:34
KIN / S. Stein