“Ich bin glücklich, Priester zu sein”

Über die Arbeit eines Seelsorgers im südwestafrikanischen Angola

Pfarrer Deivid Martins Rodrigues aus Angola im Gespräch.

Pfarrer Deivid Martins Rodrigues ist froh, in Angola tätig zu sein.

Für den heiligen Kirchenlehrer Franz von Sales (1567-1622) hat die Demut unter den vielen Tugenden des christlichen Lebens den ersten Platz neben der Liebe. Viele Salesianer leben sie, ohne daran zu denken — auch Pater Deivid Martins Rodrigues in Angola.

Alle anderen Tugenden, lehrt Franz von Sales in seiner “Philothea”, seien mit der Liebe und der Demut verbunden. Wenn jemand diese zwei Tugenden nicht besitze, dann “hat er überhaupt keine echte und gediegene Tugend. Wenn aber die Seele diese beiden hat, dann werden die anderen Tugenden fast automatisch folgen.”

Pater Deivid hat reichlich Gelegenheit, in der vom jahrelangen Bürgerkrieg zerrütteten Diözese Lwena Demut zu üben. Der Krieg ist noch überall sichtbar, in den Häuserruinen und in den Gesichtern der Menschen. Bis heute sind Landminen eine permanente Gefahr. Auch die riesigen Entfernungen machen ihm zu schaffen, oft ist er allein. Der Besuch anderer Priester ist dann ein Fest, der Abschied schmerzlich.

Aber die Arbeit macht ihn dennoch glücklich. Seinem Freund und früheren Bischof in Brasilien schreibt er: “Meine größte Freude? Ohne groß in theologische Fragen einzusteigen: Ich bin glücklich, Priester zu sein! Ich bin glücklich, in Angola zu sein! Mir fehlen die Mittel, aber es macht mich glücklich, ein kleines Licht Christi zu sein, Kirche zu sein.”

Pfarrer Deivid bei einer Katechese.

Pfarrer Deivid bei einer Katechese.

Dem 26-jährigen Priester fällt es noch schwer, um fünf Uhr morgens aufzustehen. Die heilige Messe um sechs Uhr ist für ihn “ein tägliches Opfer, allerdings voller Liebe. Noch schaffe ich es nicht, früh schlafen zu gehen.”

Einmal blieb er mit dem alten Wagen stecken, zwei Reifen waren platt. Im Wagen saßen eine frisch operierte Schwester, die nicht laufen konnte, und einige Jugendliche. Diese holten Hilfe. Statt sieben Stunden dauerte die Reise zwanzig. “Wir kamen nachts um halb vier an. Am nächsten Tag war die Sonntagsmesse. Traurig war ich nur, weil ich am Tag davor die heilige Messe nicht feiern konnte, zum ersten Mal seit meiner Weihe.”

Jetzt wartet er auf neue Reifen, seit Monaten. Aber der Wagen selbst schafft es nicht mehr weit. Pater Deivids Bescheidenheit hält ihn ab, um einen neuen zu bitten. Sein Bischof, Jesus Tirso Blanco, tut es für ihn.

Pfarrer Deivid und die Gemeinde Sankt Bonifatius.

Glücklich inmitten seiner Gemeinde: Pfarrer Deivid und einige Mitglieder der Gemeinde St. Bonifatius.

Denn Pater Deivid muss mobil sein, er hat viel vor, wie zum Beispiel die “Straßenpastoral”: Taxi- und Lkw-Fahrer sollen katechetisch gebildet werden, damit sie auf den langen Strecken ihre Gäste “evangelisch” unterhalten können. Aussteigen geht nicht während der Fahrt, also wird man zuhören.

“Wir haben auch ein Wassertaxi nach Sambia – drei Tage den Fluss hinunter und fünf Tage hinauf. Eine ideale Gelegenheit für Gebetstreffen.” Oder die Kinderpastoral: “Zurzeit bilde ich jede Woche fünf Mamas aus.” Dann der Monat der Bibel: “Die Gemeinden dürsten nach Wissen, es fehlen die Mittel.” Damit meint er das Auto. Es fehlt immer noch, wir haben 13.500 Euro dafür versprochen.

KIN / S. Stein