Die vielen Wege der Mission

Der Sendungsauftrag Christi kennt zwar keine Grenzen, aber er ist nicht immer einfach

Bischof Joaquin Pertinez Fernandez im Boot unterwegs

Mit dem Boot unterwegs zu den Gläubigen.

Im Mai 2007 beschloss die Generalkonferenz der Bischofskonferenzen Lateinamerikas und der Karibik in Anwesenheit von Papst Benedikt XVI., in einer großen Kontinentalmission “Lateinamerika und der Karibik einen neuen Impuls und neue Kraft zu geben”.

Für den Bischof der Diözese Santíssima Conceição do Araguaia, Dominique Marie Jean Denis You, ist das wie der Sendungsauftrag Christi. Nach der Hundertjahrfeier seiner Diözese im Norden Brasiliens hat er eine dreijährige Mission begonnen: auf dem Land, in den Städten und in den Köpfen.

Am schwierigsten ist die dritte. Sie zielt auf das Denken bestimmter Berufe. Auf mehrtägigen Kongressen soll ihnen der Glaube, dessen Inhalte und Ausdrucksformen nähergebracht werden. So wird es zum Beispiel einen Kongress für Erzieher geben oder einen für Gefängniswärter und ihre mehr als 80 ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Gefängnisseelsorge, einen weiteren für Künstler und Musiker zum Glaubensjahr mit bis zu 200 Musikern aus zehn Pfarreien.

Bischof Dominique findet viele Wege, um das Wort zu den Menschen zu bringen. Im letzten Jahr hat er ein Theaterstück geschrieben: “Das Weihnachten des Gideon”.

Es geht zurück in die Zeit der Richter des Volkes Israel, das Gott untreu geworden und in die Hand der Midianiter gefallen war. Die Parallele zu heute: Wer die Gebote Gottes nicht achtet, fällt heidnischen Bräuchen anheim, betet Götzen an wie den Mammon. Gideon wird von Gott berufen, das Volk wachzurütteln und die Midianiter zu besiegen.

Bischof Dominique Marie Jean Denis You (Bistum Santissima Conceicao do Araguaia) im Interview.

Bischof Dominique erklärt einem Journalisten das von ihm geschriebene Theaterstück.

Es gelingt Giedeon mit einer Handvoll treuer Krieger – und einer List. Die Botschaft: Gott braucht Menschen für die Mission, nicht viele, aber treue. Und so wie Gideon und seine Leute mit Posaunen und Fackeln um das Lager der Midianiter liefen, so sollen auch die Missionare ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen, sondern mit Einsatz und Freude die Frohe Botschaft verkünden.

Bischof Dominique hält für Gideon und die Missionare in dem Theaterstück noch eine Überraschung bereit: Nach bestandener Prüfung begegnen sie Josef und Maria auf dem Weg nach Betlehem. Sie kommen mit ihnen ins Gespräch, und Josef erzählt die Geschichte von der anstehenden Geburt Jesu. Gideon zieht den Schluss: Gott lässt uns nie im Stich, er ist immer an unserer Seite, erst recht, seitdem er Mensch geworden ist.

Zurück in die Gegenwart: Die Kontinentalmission in Lateinamerika und der Karibik ist eine aktuelle Form der Verkündigung. Die Botschaft der Liebe ändert sich zwar nicht, wohl aber die Form. Sie muss sich an den Verhältnissen orientieren. In der Diözese Rio Branco, die in den Anden an der Grenze zu Peru liegt, betreuen 33 Priester (davon sind nur elf Diözesanpriester) rund 500 000 Einwohner. Zehn der insgesamt 32 Pfarreien müssen ganz ohne Priester auskommen.

Bischof Joaquín Pertíñez Fernández reitet auf einem Pferd.

Weite Wege, keine Straßen: Bischof Joaquín Pertíñez Fernández muss manchmal zu den Gläubigen in den Dörfern im Urwald reiten.

Bischof Joaquín Pertíñez Fernández ist deshalb viel unterwegs. Die riesigen Entfernungen verursachen hohe Transportkosten, hinzu kommen die schwierigen klimatischen Bedingungen: Malaria, Denguefieber, häufige Überschwemmungen. In diesem Jahr überflutete der Rio Branco etliche Dörfer und Städte, zehntausende waren allein in dieser Diözese obdachlos. Manche Filialgemeinden sind nur auf dem Wasserweg erreichbar.

Hier sind Kosten für den Transport wichtige Investitionen in die pastorale Arbeit. Aber sie kommen, die Priester und Missionare, denn der Sendungsauftrag Christi kennt keine Grenzen.

KIN / S. Stein