„So kann es nicht weitergehen”

Sprecher der katholischen Kirche in Ägypten fordert Präsident Mursi zum Handeln auf

Antoine Rafic Greiche, Sprecher der katholischen Kirche in Ägypten.

Antoine Rafic Greiche, Sprecher der katholischen Kirche in Ägypten.

Der Sprecher der ägyptischen Katholischen Bischofskonferenz, Antoine Rafic Greiche, sieht Ägypten am Scheideweg.

Gegenüber KIRCHE IN NOT sagte der griechisch-katholische Priester angesichts der gegenwärtigen Unruhen in Ägypten: „Es ist schwer zu sagen, in welche Richtung sich mein Land entwickelt. Die Menschen sind unzufrieden mit dem islamistischen Regime. Die Spaltung nimmt zu.”

Die blutigen Proteste in der Suez-Region und in Kairo zeigten, wie das Land auseinanderfalle. „Aber vielleicht führt das ja auch zu einem neuen Nachdenken und zu neuer Einigkeit über die Zukunft Ägyptens. So jedenfalls kann es nicht weitergehen“, hofft Greiche.

Zur Lösung der Krise hält Greiche ein Einlenken des Staatspräsidenten Muhammad Mursi für entscheidend: „Er muss endlich einen nationalen Dialog beginnen, der den Namen verdient. Scheinveranstaltungen, die schöne Bilder produzieren sollten, aber ansonsten nur Zeitverschwendung waren, hatten wir genug.” Deshalb habe die Kirche in Ägypten beschlossen, nicht mehr an solchen Dialogveranstaltungen teilzunehmen.

Greiche fordert den Präsidenten zum Handeln auf. „Mursi muss auch ein Komitee einrichten, das die strittigen Punkte der von den Islamisten ausgearbeiteten Verfassung neu überdenkt. Außerdem muss er die Verantwortung für diejenigen übernehmen, die bei den jüngsten Unruhen umgekommen sind.“

Ein Kind erhält während eines koptischen Gottesdienstes die Kommunion.

Ein Kind erhält während eines koptischen Gottesdienstes die Kommunion.

Bei Demonstrationen in Ägypten sind seit Freitag vergangener Woche – dem zweiten Jahrestag des Beginns der Proteste gegen das Mubarak-Regime – mehr als 50 Menschen getötet worden. „Auf diese vorhersehbaren Proteste sind die Sicherheitskräfte aber nicht vorbereitet gewesen. Hier liegt das Versagen der Regierung“, so Greiche.

Über Teile des Landes hat Präsident Mursi den Notstand verhängt. Bei seinem Besuch in Berlin am 30. Januar betonte er, dass diese vorübergehende Maßnahme dem Schutz der Einwohner diene, um kriminellen Überfällen ein Ende zu setzen. Erst wenn keine Notwendigkeit mehr bestehe, werde der Ausnahmezustand beendet, sagte Mursi.

„Mit allen politischen Kräften sprechen”

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Mursi aufgefordert, dass die Menschenrechte in Ägypten eingehalten werden. Ausdrücklich erwähnte sie dabei die Religionsfreiheit. Zumal sei es der Bundesregierung wichtig, dass mit allen politischen Kräften gesprochen werden müsse, so Merkel. Präsident Mursi betonte, dass Ägypten ein Rechtsstaat werde, in dem Meinung und Gegenmeinung zugelassen werde.

Der Besuch von Präsident Mursi in Berlin wurde von Protesten vor dem Bundeskanzleramt begleitet. Die Demonstranten forderten eine Gleichberechtigung koptischer Christen in Ägypten. In dem nordafrikanischen und stark muslimisch geprägten Land ist etwa jeder zehnte Einwohner Christ.

So können Sie den Christen in Ägypten helfen:

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Gebet für den Nahen Osten

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Gott, unser Vater, hab Erbarmen mit dem Nahen Osten.

Deine treuen Diener – jung und alt – sind aufgerufen, Christus zu bezeugen. Mögen sie in dieser aufregenden Zeit gestärkt werden, indem sie deinem geliebten Sohn nachfolgen, der in jener Zeit in ihrer jetzigen Heimat tätig war.

In Gemeinschaft mit unserem Papst Benedikt XVI. beten wir, dass Christen im Nahen Osten ihren Glauben in völliger Freiheit leben können. Ermutige sie, als Werkzeug des Friedens und der Versöhnung zu handeln – vereint mit allen Bürgern in ihren Ländern.

Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

(Gebet von Antonios Kardinal Naguib von Alexandria / Ägypten für KIRCHE IN NOT)

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31.Jan 2013 10:25 · aktualisiert: 4.Feb 2014 16:43
KIN / S. Stein