„Den Glauben an Christus öffentlich bekennen”

Begegnungstag zum Thema Religionsfreiheit in der Gebetsstätte Marienfried

Monsignore Joachim Schroedel berichtete über die Lage der Christen im Nahen Osten.

Monsignore Joachim Schroedel berichtete über die Lage der Christen im Nahen Osten.

Die bedrohte Religionsfreiheit in Nigeria und Ägypten stand am Samstag im Mittelpunkt unseres Begegnungstages in der Gebetsstätte Marienfried nahe Ulm. Der Tag war Teil der „Glaubenstournee”, die wir anlässlich des 100. Geburtstags von Pater Werenfried van Straaten veranstalten.

Eröffnet wurde die Veranstaltung am Vormittag durch eine heilige Messe mit Erzbischof Ignatius Kaigama aus Jos in Zentralnigeria und dem deutschen Priester Joachim Schroedel aus Kairo. Rund 200 Wohltäter nahmen an dem Pontifikalamt teil.

In seiner Predigt betonte Schroedel, der die deutschsprachigen Gemeinden im Nahen Osten betreut, dass das Glaubenszeugnis der Christen überall dort mutiger werde, wo man sie mundtot machen wolle. „Wenn ich dagegen nach Deutschland komme, sehe ich sehr viel Schweigen. Da hält man lieber den Mund, statt zu sagen: Ich bin Christ”, sagte Schroedel. Wer sich hinter Kirchenmauern verschanze, statt seinen Glauben öffentlich zu bekennen, sei kein Christ mehr. „Dann sind wir höchstens noch ein Club, der nette Traditionen pflegt.”

Ganz anders sei das bei der lebendigen Kirche in Afrika. Diese setze ihren zahlreichen Schwierigkeiten ein „Jetzt-erst-recht” entgegen. Daher wachse die katholische Kirche dort beständig. „Die Priesterseminare sind voll; manche Kandidaten muss man sogar wegschicken, weil es zu viele Bewerber gibt”, erklärte Schroedel. Er wünsche sich von der Kirche in Europa, dass sie ihre Strukturdebatten einstelle und sich vom Optimismus der Kirche Afrikas anstecken lasse.

Rund 200 Wohltäter von KIRCHE IN NOT kamen zum Begegnungstag in die Gebetsstätte Marienfried.

Rund 200 Wohltäter von KIRCHE IN NOT kamen zum Begegnungstag in die Gebetsstätte Marienfried.

Nach einem Film über Pater Werenfried und einer Gebetszeit zum Fatima-Tag war am Nachmittag schließlich ein Podiumsgespräch über Religionsfreiheit der zweite Höhepunkt der Gedenkveranstaltung. Darin berichteten die beiden Gäste aus Afrika über die konkrete Lage in ihren Ländern.

Erzbischof Kaigama schilderte unter anderem einige gewalttätige Übergriffe der islamistischen Sekte „Boko Haram” gegen Katholiken in seinem Erzbistum. So hätten die Fundamentalisten seit 2009 mehrmals Christen während des Gottesdienstes angegriffen. Selbstmordattentäter hätten in voll besetzten Kirchen Bomben gezündet.

„Sie haben die Islamisierung Nigerias auf ihre Tagesordnung gesetzt: zunächst den Norden und schließlich auch den christlich geprägten Süden. Den Präsidenten von Nigeria haben sie vor die Wahl gestellt, entweder zum Islam zu konvertieren oder in den Tod zu gehen”, sagte Kaigama, der auch Vorsitzender der nigerianischen Bischofskonferenz ist.

Die Zelebranten des Gottesdienstes (v.l.): Clemens Maria Henkel (Direktor der Gebetsstätte Marienfried), Erzbischof Ignatius Kaigama (Jos / Nigeria), Monsignore Joachim Schroedel (Seelsorger der deutschsprachigen Katholiken im Nahen Osten).

Die Zelebranten des Gottesdienstes (v.l.): Clemens Maria Henkel (Direktor der Gebetsstätte Marienfried), Erzbischof Ignatius Kaigama (Jos / Nigeria), Monsignore Joachim Schroedel (Seelsorger der deutschsprachigen Katholiken im Nahen Osten).

In den Augen der Islamisten sei das Christentum eine westliche Religion und damit nicht akzeptabel. Für die Fundamentalisten seien die Werte der westlichen Welt nicht dazu geeignet, Korruption, Ungerechtigkeit und Unmoral zu bekämpfen. Als Heilmittel fordern sie die Einführung des islamischen Rechts im ganzen Land. „Ich fände es besser, wenn Muslime und Christen gemeinsam Lösungen gegen Hunger und Armut im Land suchen würden, als alle in eine Form zu pressen”, betonte Kaigama.

Anders als in Nigeria gehe die Gewalt gegen Christen in Ägypten nicht von organisierten Terroristen aus, erklärte Joachim Schroedel. Das Problem sei hier vielschichtiger und in der Gesellschaft verankert. In den letzten zwei Jahren sei es vermehrt zu Übergriffen gegen die christliche Minderheit des Landes gekommen, die je nach Statistik zwischen sechs und 15 Prozent der Gesellschaft ausmacht.

In einem Podiumsgespräch berichteten Erzbischof Kaigama und Monsignore Schroedel über die Lage der Christen in ihren Ländern. Rechts: Moderator Berthold Pelster.

In einem Podiumsgespräch berichteten Erzbischof Kaigama und Monsignore Schroedel über die Lage der Christen in ihren Ländern. Rechts: Moderator Berthold Pelster.

Dabei habe sich der Frust vieler Ägypter über die schlechte wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes entladen. „Man sucht einfach Sündenböcke, und Minderheiten eignen sich dafür hervorragend”, erklärt Schroedel.

Die „Glaubenstournee” von KIRCHE IN NOT macht am kommenden Samstag Station in Königstein im Taunus. Das Schwerpunktthema dort wird die katastrophale Lage syrischer Flüchtlinge im Libanon sowie die Situation der Kirche im muslimisch geprägten Norden Nigerias sein.

So können Sie den verfolgten Christen helfen

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich. Weitere Filme finden Sie auch in unserer Mediathek.

Gebet für die Christen im Nahen Osten

Ikone „Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Ikone „Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Gott, unser Vater, hab Erbarmen mit dem Nahen Osten.

Deine treuen Diener – jung und alt – sind aufgerufen, Christus zu bezeugen. Mögen sie in dieser aufregenden Zeit gestärkt werden, indem sie deinem geliebten Sohn nachfolgen, der in jener Zeit in ihrer jetzigen Heimat tätig war.

In Gemeinschaft mit unserem Papst Benedikt XVI. beten wir, dass Christen im Nahen Osten ihren Glauben in völliger Freiheit leben können. Ermutige sie, als Werkzeug des Friedens und der Versöhnung zu handeln – vereint mit allen Bürgern in ihren Ländern.

Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

(Gebet von Antonios Kardinal Naguib von Alexandria / Ägypten für KIRCHE IN NOT)

Diesen Text mit der Ikonenabbildung können Sie unentgeltlich als Gebetsblatt bei uns bestellen – entweder bequem in unserem Bestelldienst oder bei:
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16.Apr 2013 12:19 · aktualisiert: 28.Jun 2016 21:32
KIN / S. Stein