An der Wirkungsstätte des „Speckpaters”

Begegnungstag in der Internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein

Blick in den vollbesetzten Konferenzsaal.

Blick in den vollbesetzten Konferenzsaal.

Am vergangenen Samstag haben wir uns mit etwa 80 unserer Wohltäter in der Internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus versammelt.

Das Thema dieser dritten Station unserer „Glaubenstournee“ zum 100. Geburtsjahr und 10. Todesjahr Pater Werenfried van Straatens war zum einen sein Wirken und sein Vermächtnis für unser Werk. Darüber hinaus hatten wir hohe Gäste aus Nigeria und dem Libanon, die uns über die Situation in ihren Ländern berichteten.

Der Tag begann für uns alle im Zeichen des „Speckpater“: Ein Film über sein Leben und eine Führung durch das „Pater-Werenfried-Zentrum“ ließen uns unseren Gründer wieder sehr lebendig vor unserem geistigen Auge stehen.

Kein einziger Stuhl war auch anschließend in unserer kleinen Hauskapelle mehr frei, in der unsere beiden geistlichen Assistenten Pater Hermann-Josef Hubka (KIRCHE IN NOT Deutschland) und Pater Martin Barta (KIRCHE IN NOT International) gemeinsam mit Bischof Matthew Kukah aus Nigeria, Pater Simon Faddoul aus dem Libanon und unseren angereisten Wohltätern die heilige Messe im Gedenken an Pater Werenfried feierten.

Gottesdienst mit Bischof Matthew Kukah, Pater Hermann-Josef Hubka, Pater Simon Faddoul, Pater Martin Barta (v.l.).

Gottesdienst mit Bischof Matthew Kukah, Pater Hermann-Josef Hubka, Pater Simon Faddoul, Pater Martin Barta (v.l.).

In seiner Predigt betonte Pater Hermann-Josef Hubka, dass der „Speckpater“ Kirchengeschichte geschrieben habe. „Aber denken wir daran, dass wir aufgerufen sind, diese Geschichte fortzuschreiben“, sagte er. Dabei müsse jedem Nachfolger Werenfrieds immer bewusst sein, dass er „das Werk Gottes, niemals sein eigenes“ voranbringen solle.

Im Anschluss an die heilige Messe besuchten wir den „Speckpater“ an seinem Grab auf dem Königsteiner Friedhof und hielten eine Andacht in seinem Gedenken.

Der Nachmittag des Gedenktags war schließlich ganz der weltkirchlichen Arbeit von KIRCHE IN NOT gewidmet. Unser Nahost-Korrespondent Oliver Maksan gab einen detaillierten Hintergrundbericht über den Bürgerkrieg in Syrien und die schwierige Lage der dortigen Christen. Seiner Beobachtung nach sind die syrischen Christen – ähnlich wie ihre irakischen Glaubensgeschwister – „zwischen alle Fronten des Konflikts geraten“. Längst habe ein Exodus vergleichbar mit dem im Irak eingesetzt.

Andacht am Grab von Pater Werenfried van Straaten auf dem Friedhof in Königstein im Taunus.

Andacht am Grab von Pater Werenfried van Straaten auf dem Friedhof in Königstein im Taunus.

Auch die Gründe des Syrienkrieges seien keineswegs so einfach, wie sie im Westen oft dargestellt würden. „Es handelt sich nicht um einen Volksaufstand, sondern vielmehr um eine explosive Mischung aus mehreren Faktoren“, betonte Maksan.

Diese Sicht der Dinge bestätigte Pater Simon Faddoul, der Präsident der Caritas im Libanon, im anschließenden Podiumsgespräch mit unserem Moderator Berthold Pelster. „Wir haben es in Syrien mit über 100 Konfliktparteien zu tun“, sagte Faddoul. „Die Lage ist deshalb sehr unübersichtlich und wir können oft nicht mit Sicherheit sagen, wer gegen wen kämpft.“

Seiner Einschätzung nach seien nur wenige der kämpfenden Gruppen in Syrien antichristlich eingestellt. „Wir beobachten aber einen verstärkten Extremismus von Minderheiten“, erklärte Faddoul. Manche Kämpfer seien „Berufs-Dschihadisten”, die schon in Afghanistan, Tschetschenien und anderswo gekämpft hätten. Diese radikalen Islamisten seien die größte Bedrohung für die Christen im Land.

Berthold Pelster (rechts) im Gespräch mit Bischof Matthew Kukah, Pater Simon Faddoul und Übersetzerin Felicitas Gräfin Piccolomini.

Berthold Pelster (rechts) im Gespräch mit Bischof Matthew Kukah, Pater Simon Faddoul und Übersetzerin Felicitas Gräfin Piccolomini.

Einen wachsenden fanatischen Islamismus beobachtet auch Bischof Kukah in seiner nordnigerianischen Diözese Sokoto. Allerdings betonte er, dass das Problem dort im Gegensatz zu Syrien gesellschaftliche Ursachen habe. „Wenn die Terroristen von Gruppen wie ‚Boko Haram‘ auf Gewalt verzichtet hätte, hätten sie vielen Nigerianern aus dem Herzen gesprochen“, sagte der Bischof. Korruption, eine schlechte Infrastruktur, hohe Arbeitslosenraten und fehlende Zukunftsaussichten trieben gerade junge Nigerianer in die Arme von Extremisten.

Kukah lehnte es im Fall der islamistischen Sekte „Boko Haram“ ab, von einem „Missbrauch der Religion“ zu sprechen. „Boko Haram hat mit Religion nichts zu tun. Das sind einfach nur Terroristen!“, rief der Bischof aus. „Wenn ich eine Bank überfalle, kann ich weder der Bibel noch dem Koran die Schuld für mein Verhalten geben. Ich allein bin für meine Fehler verantwortlich.“ Er wehre sich darum dagegen, wenn die Schuld für die sozialen, politischen und gesellschaftlichen Probleme Nigerias irgendeiner Religion gegeben werde.

Besuchergruppe im Pater-Werenfried-Zentrum.

Besuchergruppe im Pater-Werenfried-Zentrum.

Der Begegnungstag schloss mit einem weiteren Podiumsgespräch, in dem der ehemalige Internationale Präsident von KIRCHE IN NOT, Hans-Peter Röthlin, und der langjährige Leiter der Informationsabteilung unseres Werks, Dr. Marek Zurowski, im Gespräch mit Volker Niggewöhner tiefe Einblicke in die Arbeit und die Vision Pater Werenfrieds gaben.

Dr. Zurowski betonte, mit seinen Kongressen „Kirche in Not” habe Pater Werenfried als erster auf das Phänomen der weltweiten Christenverfolgung aufmerksam gemacht. Über das besondere „schelmische“ Charisma Werenfrieds berichtete Hans-Peter Röthlin in einigen Anekdoten.

„Er war ein begnadeter Bettler“, erzählte Röthlin. „Immer wenn er mit seinem ‚Millionenhut’ an der Kirchentür stand und bettelte, geschah etwas mit seinem Gesicht. Ich weiß nicht, was es war, aber man konnte ihm unmöglich ins Gesicht sehen und vorbeigehen.“

Wir danken allen Wohltätern, die am Samstag gemeinsam mit uns des Speckpaters gedacht haben und laden herzlich zu unserer nächsten Station der „Glaubenstournee“ ein: am 2. Juni in Eichstätt.

So können Sie den verfolgten Christen helfen

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich. Weitere Filme finden Sie auch in unserer Mediathek.

22.Apr 2013 17:54 · aktualisiert: 3.Jul 2015 14:45
KIN / S. Stein